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«Diese Schockwelle hat das Bewusstsein geschärft»
Aus Rendez-vous vom 17.04.2019.
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Neues Gastronomiegesetz Genfer Behörden räumen bei den Restaurants auf

Schock für die Genfer Gastroszene: 280 Bars, Bistros und Restaurants standen vor dem Aus. Doch so schlimm kam es nicht.

In der Genfer Innenstadt, mitten im Quartier des Banques sind an der Tür einer bekannten Pizzeria die Überreste der polizeilichen Versiegelung zu sehen. Der beliebte Betrieb wurde auf Anordnung des Kantons geschlossen. Maria Carvalhosa-Barbosa von der Gewerkschaft SIT hatte dieses Lokal schon lange im Visier: «Wir wussten, dass es Probleme gab mit den Arbeitsbedingungen. Wir haben dagegen protestiert und auch mehrere Verfahren vor Arbeitsgericht geführt.»

Aktion des Kantons löste Schockwelle aus

Diese Pizzeria ist kein Einzelfall, aber eines der bekanntesten Opfer der Restaurationsbetriebs-Schliessungsaktion des Kantons. 280 Betrieben drohte die Schliessung. Das sei eine Schockwelle gewesen, sagt die Gewerkschaftssekretärin: «Wir gehen alle gerne ins Bistro, aber diese Schockwelle hat das Bewusstsein für die Probleme der Angestellten geschärft. Das ist gut.»

Das Personal in der Gastronomie der Grenzstadt Genf hat besonders harte Bedingungen. Schwarzarbeit und zu lange Arbeitszeiten sind nur zwei der häufigen Probleme. «Eine Schockwelle – das war so gewollt», sagt der zuständige Staatsrat Mauro Poggia vom Mouvement Citoyens Genevois in seinem Büro in der Genfer Altstadt: «Es brauchte ein klares Signal für jene, die die Regeln befolgen, dass sie richtig entschieden haben. Und für die anderen, dass ihnen eine Strafe droht.»

Ein strengeres Gesetz seit drei Jahren

Am 1. Januar 2016 ist das neue Gastro-Gesetz in Kraft getreten. Darauf holte die Mehrheit der Betriebe eine neue Bewilligung ein. Falls nötig nahmen sie Änderungen vor, um den höheren Anforderungen zu genügen. Es war eine grosse Arbeit für die Genfer Wirte.

Weil 280 Lokalbetreiber es verpasst hatten, überhaupt ein neues Dossier einzureichen, drohte ihnen die Schliessung. Über 100 Betriebe gingen seit Oktober tatsächlich zu, andere legten Rekurs ein und reichten ein Dossier nach.

Die Aktion war nicht so gut sichtbar in Stadt und Kanton Genf, weil nicht alle Betreibe schlossen, auch weil von den 2400 Gastrobetrieben ohnehin jedes Jahr 30 Prozent den Besitzer wechseln oder neu eröffnen.

«Glücklicher Präsident»

Für Laurent Terlinchamp, Direktor des Berufsverbands, der Société des Cafetiers, Restaurateurs et Hôteliers ist klar, was von diesem Paukenschlag bleibt: Eine saubere Branche. «Ich bin heute der glückliche Präsident von 2400 respektablen Betrieben in Genf. Ich kann mich nur freuen. Kaum eine Branche wird so kontrolliert wie die unsere.»

Trotz über hundert geschlossenen Betrieben gab es nicht mehr zusätzliche Arbeitlose, auch weil das Personal gemäss des Gesamtarbeitsvertrags in der Genfer Gastrobranche übernommen werden muss, wenn ein Restaurant in neue Hände übergeht.

Trotz dem Durchgreifen der Behörden ist für den Genfer Staatsrat Mauro Poggia klar, dass es im Gastrosektor immer noch Mängel gibt. Er sagt: «Dieser Sektor mit seinen Problemen wird nie ganz saniert sein, wir müssen aufmerksam bleiben.»

Nur ein erster Schritt

Der gleichen Ansicht ist auch Gewerkschaftssekretärin Maria Carvalhosa-Barbosa. Die Schockwelle sei nur ein erster Schritt, deshalb müsse jetzt minutiös kontrolliert werden, ob die strengeren Wirtepatente denn auch eingehalten werden.

Die Schockwelle rüttelte die Genfer Gastronomieszene auf. Ihr dürfte künftig genauer auf die Finger geschaut werden.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Man muss das schon klar sehen: Genf ist eine calvinistische Stadt, da gibt es keinen Platz für Freude, Lebenslust, Dekoration und schöne Dinge. Streng und nüchtern muss es sein.
    1. Antwort von Pascal Gienger  (Pascal Gienger)
      Ich hatte immer in Genf und Lausanne die Lebensfreude die ich in Zürich eher vergeblich suchte.

      Verglichen mit der Deutschschweiz ist Genf der Leuchtturm der weltoffenen Schweiz und selbst Lausanne versprühte mehr Charme als Zürich.

      Das sehen Deutschschweizer anders, das ist mir schon klar.
    2. Antwort von frank müller  (frankysrf)
      genau, freude und lebenslust würden in genf herrschen, sonst gäbe es wohl nicht diesen satz: "Das Personal in der Gastronomie der Grenzstadt Genf hat besonders harte Bedingungen. Schwarzarbeit und zu lange Arbeitszeiten sind nur zwei der häufigen Probleme"
    3. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      Waren Sie je in Genf???
    4. Antwort von Verena Eberhard  (Verena Eberhard)
      Ich lebte ein Jahr lang in Genf und für mich ist es heute noch die schönste Stadt der Schweiz und zudem sind die Menschen dort um einiges toleranter, freundlicher und glücklicher als die Deutschschweizer, das zu ihrem Thema.
    5. Antwort von Susanne Saam  (Biennoise)
      @Ducrey: der Zusammenhang von Freude, schönen Dingen und Lebenslust mit prekären Arbeitsbedingungen erschliesst sich mir nicht.
    6. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Kann mich Herrn Gienger nur anschliessen und ich habe viele Jahre in Genf gelebt. Was die Arbeitsbedingungen betrifft,könnte ich mir schon
      vorstellen, dass besonders für Hilfskräfte diese sehr schlecht sind. Da ist
      so eine Schocktherapie mal gut angebracht.