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Neues Bürgerspital Solothurn: Immer mehr Spitäler bauen nach dem Prinzip «Healing Architecture»
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 11.05.2021.
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Neuestes Schweizer Spital Solothurner Spital: Diese Architektur hilft bei der Heilung

Das Bürgerspital Solothurn ist eröffnet. Das modernste Spital setzt auf Architektur, die beim Gesundwerden hilft.

Wer ins Spital muss, möchte so rasch wie möglich gesund nach Hause zurückkehren. Seit rund zehn Jahren geht man davon aus, dass dabei nicht nur Ärzte, Pflegende, Angehörige und die Patientinnen einen Beitrag dazu leisten, sondern auch die Architektur.

Innenhof
Legende: Grün und hell statt düster und nur zweckmässig: Spitäler werden heute anders gebaut als in den 70er-Jahren. zvg/soH

Wenn Spitäler Neubauten planen, wie der sich im Bau befindende Neubau des Kantonsspitals Baden, der geplante Neubau des Kantonsspitals Aarau oder das neu eröffnete Bürgerspital Solothurn, dann spielt heilende Architektur inzwischen eine grosse Rolle. Das Spitalgebäude soll Patientinnen und Patienten beim Gesundwerden unterstützen.

Architektin Christine Nickl-Weller über «Healing Architecture»

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Christine Nickl-Weller, Link öffnet in einem neuen Fenster gilt als «Erfinderin» der heilenden Spital-Architektur. Sie ist seit 2004 an der Technischen Universität Berlin tätig, auf dem Fachgebiet «Entwerfen von Krankenhäusern und Bauten des Gesundheitswesens». Mit SRF 1 sprach sie über diese Art von Spitalarchitektur.

SRF 1: Wie sieht für Sie ein perfektes Spitalzimmer aus?

Christine Nickl-Weller: Es hat auf jeden Fall Zugang nach aussen; nicht mit Blick auf eine Betonmauer, sondern aufs Grüne. In der Stadt am besten in einen Park, mit etwas Abstand zum nächsten Gebäude.

Wird man an einem schönen Ort tatsächlich schneller gesund?

Die Architektur heilt nicht, sie kann nur helfen. Es gibt Räume, in denen sich Stress abbaut, das ist erwiesen. Das führt dazu, dass die Genesung schneller abläuft.

Neue Spitäler kosten viel Geld. Lohnen sich solche Investitionen?

Wenn Sie bedenken, dass Patient:innen das Spital schneller verlassen können, dann lohnt sich das auf alle Fälle.

Wie kamen Sie auf die Idee, sich mit Spitalarchitektur zu befassen?

Ich finde Spitalplanung total spannend. Das ist, als würde man eine kleine Stadt bauen, da ist alles drin. Das Spital ist ein Ort, an dem gestorben, aber auch geboren wird. Es sind Arbeitswelten mit sehr vielen Beschäftigten, manchmal ist es der grösste Arbeitgeber eines Ortes.

Das Gespräch führte Stefan Siegenthaler.

Im 18. Jahrhundert, als die ersten Krankenhäuser aufkamen, waren diese zur Versorgung der Unterschicht gedacht. Wer damals reich war, holte den Arzt zu sich nach Hause. Das ist längst anders. Bei schweren Krankheiten und Unfällen erhält man im Spital die richtige Versorgung.

Im alten Gebäude gab es Stationen, wo sich 12 Patienten eine Dusche teilten.
Autor: Urs StuderLeiter Infrastruktur Bürgerspital Solothurn

Die meisten Spitäler in der Schweiz wurden in den 70er-Jahren gebaut, zur breiten medizinischen Versorgung, mit Vierbettzimmern, Etagenduschen, ohne gross an die Wünsche der Kundschaft zu denken. So auch das Bürgerspital Solothurn. «Im alten Gebäude gab es Stationen, wo sich 12 Patienten eine Dusche teilten. Das will man heute nicht mehr», sagt Urs Studer, Leiter Infrastruktur des Bürgerspitals.

Architektur, die den Heilungsprozess unterstützt

Neu soll ein Spital ein Zuhause sein, mit Sitzecken, Zweibettzimmern, flexibel, mit viel Grün, eine Art Wohlfühlspital, statt nur Ort der medizinischen Versorgung. Dieser Architekturgedanke galt auch beim am Dienstag eröffneten neuen Bürgerspital Solothurn.

Spital
Legende: Eher Hotel als Spital? Eines der Privatzimmer im neuen Spital. Alex Moser/SRF

Statt endlosen, dunklen Gängen gibt es viel Tageslicht, Blick nach aussen für beide Patienten im Doppelzimmer, Parkettboden und den Blick in Richtung Jura und Alpen. Die Basler Architekten Gmür haben sich für das Bürgerspital einiges ausgedacht. Auch Ärztinnen und Pfleger durften ihre Bedürfnisse miteinbringen. «Die Architektur soll ihren Beitrag zur Heilung leisten. Die Forschung dazu hat schon in den 80er-Jahren angefangen. Es gibt Studien, welche die Wirkung belegen», sagt Architekt Reto Gmür.

Patientenzimmer
Legende: Damit alle nach draussen sehen, stehen die Betten anders als von anderen Spitälern gewohnt. zvg/soH

Das zehnstöckige Bürgerspital ist das grösste Bauprojekt, das der Kanton Solothurn je umgesetzt hat: 340 Millionen Franken wurden für den Neubau gesprochen. Seit 2014 war die Grossbaustelle in Betrieb. Die langersehnte Eröffnung des Neubaus verzögerte sich aber; unter anderen gab es Probleme mit den neuen Parkettböden. Sie mussten zum Teil neu verlegt werden.

Wartehalle
Legende: Warten im hellen statt im dunklen Gang. Alex Moser/SRF

240 Betten hat das neuste Spital der Schweiz. Es bedient ein Einzugsgebiet von rund 120'000 Personen. Nun ist der Bau offiziell in Betrieb. Abteilungen wie beispielsweise die Radiologie, Radioonkologie oder das Ambulatorium waren schon etwas früher eingezogen. Wenn alle umgezogen sind, werden rund 150 Ärztinnen und Ärzte und 1000 Mitarbeitende hier tätig sein.

Spital von aussen
Legende: Renommierte Architektur aus Basel: Das Bürgerspital Solothurn ist momentan das neuste Schweizer Spital. Alex Moser/SRF

Das Bürgerspital Solothurn hat den renommierten Architekturpreis «best architects award» erhalten und gilt auch als schweizweit erstes Minergie-Eco-Spital. «Besuchende und Patienten sollen sich zu Hause fühlen. Das wird sehr geschätzt», ist Infrastrukturleiter Urs Studer überzeugt. Ein modernes, flexibles Spital sei zeitgemäss.

soH als Besitzerin

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Das Bürgerspital Solothurn gehört, zusammen mit dem Kantonsspital Olten, dem Spital Dornach und den Psychiatrischen Diensten mit der Psychiatrischen Klinik in Langendorf, zur Solothurner Spitäler AG (soH). Total arbeiten über 4200 Personen für die soH. 2020 machte die Solothurner Spitäler AG coronabedingt einen Verlust von über 43 Millionen Franken.

Mit der Eröffnung des Bürgerspitals Solothurn ist das Zeitalter für eine neue Art von Spitälern eingeläutet. Weitere werden folgen: Der Neubau des Kantonsspitals Baden soll 2022 fertig sein, jener des Kantonsspitals Aarau 2024. Beide werden nach dem Prinzip der «Healing Architecture» gebaut.

Das Einzugsgebiet des Bürgerspitals Solothurn beträg rund 120'000 Personen.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 11.05.2021,12:03 Uhr;

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Anita Mannhart  (lupus)
    Es gibt Gefängnisse, die sehen ganz ähnlich aus,
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Nennen Sie mir ein Gefängnis, dass so ähnlich aussieht.
  • Kommentar von Erik Eisermann  (ECATWEAZLE)
    Guten Tag.

    Ein Ambiente mit dieser Architektur ist eine Sache. Viel wichtiger ist der Pflegeservice, menschliche Ansprache und Kommunikation. Das erfordert Verbesserungen zu mehr humanitärem Einsatz unter Ausklammerung wirtschaftlicher Aspekte.
    Freundliche Grüsse, ee
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Architektur, welche beim "Genesungsprozess" von Menschen mithilft.... doch wie steht es mit der viel wichtigeren effektiv giftfreien Qualität von "Bau-Substanzen" (aussen und innen) von Spitäler, Kliniken, Heimen...Schulen, etc.betreffend "Gesundheits-Förderung - Gesundheits-Schädigung" von Menschen ??