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Neuster Europabarometer «Die Identität als Schweizerin und Schweizer nimmt zu»

Ein Europagefühl gibt es in der Schweiz praktisch nicht, stellt Lukas Golder vom Umfrageinstitut Gfs-Bern fest.

Legende: Video Golder: «Wir beobachten einen eigentlichen Swissness-Trend» abspielen. Laufzeit 02:24 Minuten.
Aus News-Clip vom 13.11.2017.

SRF News: Werden die Schweizer immer patriotischer?

Lukas Golder: Ja, wir beobachten einen eigentlichen Swissness-Trend. Da ist der Stolz auf das Land, der zunimmt. Selbst die Identität als Schweizerin und als Schweizer nimmt zu. Das ist ein neues Phänomen. Vor allem verliert die Gemeinde an Einbindungskraft, während wir die europäische Identität nirgends beobachten.

Warum fühlen sich Schweizer immer schweizerischer?

Letztlich kann man sagen, dass die Globalisierung die Schweiz auch in ihrem Selbstverständnis verändert hat. Diese neuen Strukturen mit supranationalen Organisationen wie der EU, hatten immer wieder Krisen. Diese Veränderungen in den letzten Jahrzehnten haben auch immer wieder grosse Migrationsbewegungen ausgelöst und hier hat man sich auf sich selbst besonnen.

Und hier hat man gemerkt, dass die Schweiz sehr oft sehr erfolgreich war und um diese Krisen herumkam. Sie war nicht so betroffen und bietet ein eigenständiges Set an Erfolgsfaktoren, sowohl politisch und als auch wirtschaftlich. Wir können Krisen absorbieren und wir können wirtschaftlich erfolgreich sein, auch in Krisenzeiten.

Ein Europagefühl gibt es praktisch nicht. Warum ist das so?

Die «Europa» versinnbildlicht diese supranationale Organisation mit ihren riesigen Herausforderungen. Selbst in den letzten zwölf Monaten, in denen es der EU gelungen ist, wirtschaftlich kräftig zuzulegen, glaubt man in der Schweiz immer noch, so richtig gut gehe es der EU noch nicht. Es gebe riesige Herausforderungen, die EU habe immer wieder Krisen etwa mit Griechenland und der Währung. Da hat man hier das Gefühl, dass der eigenständige Weg, der neutrale Weg der Erfolgsweg sei und dass die EU in ihrer heutigen Form keine Lösung für die Schweiz sei.

Welche Konsequenzen hat dieses doch eher negative Gefühl gegenüber Europa für die Aussenpolitik der Schweiz?

Die Schweizerinnen wünschen sich ein pragmatisch-ökonomisches Vorgehen. Das heisst: die Vorteile für die Schweiz müssen im Vordergrund stehen. Da hat man das Gefühl, dass der bilaterale Weg der richtige Kompromiss ist. Im Umfeld der Diskussion zur Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative war die ganz klare Präferenz, dass wir irgendwie versuchen mussten den bilateralen Weg zu erhalten. Nach wie vor ist der bilaterale Weg der am ehesten gewünschte Weg. Aber so populär wie vor einem Jahr ist er nicht mehr.

Das Gespräch führte Fritz Reimann.

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56 Kommentare

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  • Kommentar von A. Zuckermann (azu)
    Wen man sieht was Europa, dank der EU, seit 60 Jahren geschaffen hat, ist das ein Erfolg sondergleichen. Ein BIP, grösser als China oder USA, den durchschnittlich höchsten Lebensstandard und die beste Gesundheitsversorgung weltweit. Der höchste Bildungsgrad… weltweit! Die glücklichsten Menschen leben in… Europa. Und das 70 Jahre nachdem die Nationalisten Europa in Schutt + Asche gelegt haben… Und jetzt…? Sollen wir wieder Nationalistisch werden? Nein! Mitmachen sollten wir.
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    1. Antwort von D.E.K. Steiner (D.E.K. Steiner)
      @Zuckermann: Ach ja? Und wie wäre es, wenn Sie auch auf die negativen Dinge eingehen würden. Zum Beispiel die enorme Korruption bei Staataufträgen und im Bankensektor. "Die glücklichsten Menschen leben in… Europa" - Klar doch, zum Beispiel die Millionen Arbeitslosen in Südeuropa.
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    2. Antwort von Udo Gerschler (UG)
      Sie vergessen das es seit der Euro eingeführt wurde es bergab geht und die EU nur noch Geld druckt um zu überleben.Die Rechnung wird uns noch teuer zustehen kommen.
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    3. Antwort von L. Leuenberger (L.L.)
      Nur die Brüssel-freundl.Regierungen und die Medien singen Ihr Lied. Seit 2001 jagt ein Skandal den anderen,Korruption ist in allen EU-Ländern ein grosses Thema, Zentralismus sei dank. Noch nie in den letzten 40 J wurden so viele Betriebe in Mittel-Süd-und -Südosteuropa geschlossen. Noch nie waren so viele Menschen gezwungen ihre Länder zu verlassen, um ein Einkommen zu finden.Das nennt sich PFZ,Verschiebung der Problemen.Es ist ein Skandal,wie sich die Länder verschulden und die Bürger verarmen.
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    4. Antwort von A. Zuckermann (azu)
      Herr Steiner. In Sachen Korruption sollte die Schweiz mal endlich vor der eigenen Türe wischen, ok? Es gibt Durchschnitts-Indexe zur Gesundheit, Glück, Bildung. Und überall schwingt Europa oben aus. Die tiefsten Kriminaltätsraten, u.s.w… Sie wissen wie ein Durchschnitt zu interpretieren ist. Herr Gerschler: Haben Sie die letzten Wirtschaftsdaten der Euro-Zone studiert? Die Euro-Zone wächst stärker als die der CH. Wie sang Bob Dylan schon wieder? "The times they are a changin….( G-Em-C-G-Am…)
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    5. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      @Zuckermann: höchster Lebensstandard und beste Gesundheitsversorgung? Da möchte ich immer wieder auf meine - beinahe berühmt gewordene - OstEU-Reise im Sommer hinweisen. Diese zwei Faktoren habe ich in keinem der drei Länder aufgetroffen. Ach so, Sie reden über die Eurozone stellvertretend zur EU? Naja, Herr Zuckermann, arroganter geht es im Thema EU wohl nicht mehr...
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    6. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Dazu fällt mir ein: Bankenkrise, Eurokrise, Griechenlandkrise, Flüchtlingskrise, Dupinglöhne, Stärkung von Banken & Grossindustrien, Vernichtung kleineren Existenzen, immer mehr Menschen am Existenzminimum, Menschen auf "Tafeln" angewiesen sind. Zunahme von Obdachlosen, hohe Jugendarbeitslosigkeit, hohe Verschuldung = EU. Wenn bei Umfragen 1000 glückliche Menschen gefragt werden, sind die Mehrheit in der EU/Europa glücklich. Vielleicht haben sie diese grad beim Shopping gefragt?
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  • Kommentar von Andreas Hug (AndiHug)
    muss man sich eigentlich schon schämen, wenn man patriot ist und die schweiz liebt und nicht die eu? was früher mal gut war ist heute schlecht? klar bin ich europäer, sind wir doch alle. aber in erster linie bin ich schweizer. und fühle mich auch so.
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  • Kommentar von nathalie wernz (Frau Wer)
    pardon, aber das Konzept 'Patriotismus' (Nationalstolz) ist mir, als in Frankreich gebohrene Deutsch-Schweizerin, absolut fremd. Insbesondere wenn dieser Stolz sich meint ÜBER andere zu stellen... (Nationalismus) Ich begreiffe mich als Mensch, (+ darauf bin ich nicht gerade stolz, fühle mich eher verantwortlich) und als solcher Teil der Welt..
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Patriotismus ja, Nationalismus nein.
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    2. Antwort von B. Moser (kingbe)
      Sagen wir mal, Sie sind in einem Volleyballclub und müssen als schwächste Spielerin auf die Ersatzbank. Wenn Sie dann immer noch wollen das IHR Team gewinnt, dann sind Sie eine Fan = Patriotin. Wenn Sie aber auf der Ersatzbank schmollen, dann verlassen Sie besser den Verein und suchen sich ein anderern Club, oder spielen z.B. Golf, denn das kann man auch alleine spielen.
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