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Schweiz «Nicht-Profis sollen auf den Pisten bleiben»

Seit Weihnachten sind in den Schweizer Bergen elf Menschen in Lawinen und Schneebrettern gestorben. Skifahren oder Snowboarden abseits der Pisten ist in diesen Tagen lebensgefährlich. Warum aber verhallen Warnungen?

Zwei Skifahrer stehen hinter einem Warnschild.
Legende: Trotz eindeutigen Warnschildern verlassen Wintersportler die Pisten. Keystone

Die gelben Lichter an den Ski- und Sesselliften blinken ununterbrochen. Sie warnen vor der erheblichen Lawinengefahr. Und Fachleute sind sich deshalb einig: An Warnungen hat es in den letzten Tagen nicht gefehlt.

Monique Walter von der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU sagt: «Die Warnungen vor der Lawinengefahr sind nicht zu übersehen. Jeder müsste wissen, dass Lawinengefahr besteht und diese erheblich ist.»

Trotzdem kam es über die Festtage zu diesen vielen Unfällen. Kein Zufall, sagt Bruno Hasler, Ausbildungsleiter beim Schweizerischen Alpenclub SAC: «Mehr Leute als in dieser Zeit sind nie unterwegs im Gebirge. Logischerweise gibt es dann auch mehr Unfälle.»

Ist zu Saisonbeginn das Wetter gut, können die Leute kaum abwarten auf die Skier oder Snowboards zu stehen. Sie wollen sich bewegen nach den trägen Weihnachtstagen – und das bei einer heiklen Lawinensituation.

Diese verschiedenen Faktoren beobachtet auch Stefan Harvey vom eidgenössischen Forschungsinstitut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos, Faktoren, die ungünstig sind: «Wir haben einen schlechten Schneedeckenaufbau, und über die Weihnachtszeit waren viele Leute in den Bergen, dann gibt es zwangsläufig Lawinenunfälle.»

Bedeutet das, dass sich die Fahrer zu wenig informiert hatten, und unvorsichtig waren? Nein, meint Harvey: «Ich denke, die meisten sind sehr vorsichtig, bereiten sich gut vor und wissen auch, wie sie sich im Gelände verhalten müssen.

Aber es gibt immer noch Leute, die auch ohne Erfahrung neben den Pisten fahren.» Es könne jedoch auch für erfahrene Skifahrer schwierig sein, die Situation an den Hängen einzuschätzen, sagt Harvey weiter.

Verbot für Nicht-Profis

Der Präsident des Schweizer Bergführerverbands, Pierre Mathey, aber ist ratlos, nachdem am Sonntag erneut vier Menschen im Wallis in Lawinen gestorben sind – darunter ein Bergführer. Sogar für letztere sei die Situation heikel, und eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht.

Umso mehr fordert er ein Verbot für Nicht-Profis. «Nicht-Profis sollen auf den Pisten bleiben. Ich würde das vor allem im Wallis einführen.» Mit der heutigen Lawinengefahr würde er empfehlen, abzuwarten, bis die Schneebedingungen besser seien.

Dazu sagt Monique Walter von der Beratungsstelle für Unfallverhütung: «Verbote, sich im freien Gelände zu bewegen, sind in der Schweiz rechtlich nicht möglich – nur in Ausnahmesituationen.

Und jedes Verbot hat nur dann einen Sinn, wenn es auch durchgesetzt werden kann.» Trotz aller Warnungen und Aufrufe bleibt ein grosser Unsicherheitsfaktor – der Mensch.

Tod im Lawinenkurs

Ausgerechnet eine Übung wurde ihnen zum Verhängnis: Die drei am Sonntag von einer Lawine im Val d'Hérens getöteten Berggänger waren in einem zweitägigen Lawinenkurs. Lesen Sie hier den genauen Hergang des tragischen Unfalls.

15 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Thudium, Trin
    Ich mache seit 45 Jahren Skitouren und möchte vom gegenwärtigen Medienhype um die Lawinengefahr runterkommen: Wir haben nun gemäss SLF praktisch die ganze Zeit Lawinengefahr Stufe 3 (erheblich), wie inneralpin seit Jahrzehnten zu etwa 2/3 der Zeit. Letztes Jahr gab es etwa 60% der Lawinentoten bei nur mässiger Lawinengefahr (Stufe 2). Es ist also i m m e r lawinengefährlich, man muss unterwegs immer aufpassen. Weitere Verbote wären falsch, auf Information und Verantwortung setzen.
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  • Kommentar von Peter Fuhrmann, Schindellegi
    Meiner Meinung nach gehört niemand (auch nicht die "Profis") abseits der markierten Pisten bei derartiger Lawinengefahr, das ist schlicht verantwortungslos, solange die Lawinen und Schneebretter sich nicht selbst gelöst haben oder weggesprengt wurden. Wenn's doch jemand macht, dann müssten die Versicherungen die Deckung der Rettungs- und Heilungskosten ablehnen. Dann würden die Leute eventuell wieder lernen, das Hirn einzuschalten, bevor sie sich in die Pampa begeben..
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  • Kommentar von Matthias Signer, Gränichen
    Hab eben den Kommentar(10vor10) zum Unglück mit Bergführer und zwei weiteren Toten gesehen. Wenn ein Polizeisprecher einen solchen Stuss redet, dass hier eigentlich keine Lawine losgehen kann( weil es zu flach ist) und der Präsident Schw. Bergführer Stellung nimmt zu einem Unfall, welcher noch nicht geklärt ist, sagt der Bergführer habe dies und das gemacht,aber keinen Fehler, gibt mir das sehr zu denken. Unsere Profis sind auch nicht in allen Bereichen Profis.
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