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Ein Vogel wird zur Plage Noch nie gab es so viele Saatkrähen

Sie sind laut, machen viel Schmutz – und sie sind schlau. Einzig vor einem Uhu aus Plastik zeigen sie Respekt.

Legende: Audio «Ein Uhu aus Plastik hat die Krähen in Bern vertrieben» abspielen. Laufzeit 2:13 Minuten.
2:13 min, aus HeuteMorgen vom 24.06.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ende 2016 haben über 7100 Krähenpaare in der Schweiz gebrütet. Das ist ein neuer Rekord.
  • Seit den 1990er-Jahren hat sich der Bestand verzehnfacht.
  • Saatkrähen breiten sich vor allem in Städten aus, wo sie wegen Lärms und Verschmutzung von Häusern und Autos für Ärger sorgen.
  • Massnahmen zur Abschreckung wie Bäume schneiden, Nester zerstören, Laserpointer oder Umsiedlungen ganzer Kolonien haben nicht funktioniert.
  • Einzig ein Uhu aus Plastik hat Wirkung gezeigt. Ob sich die Krähen aber lange täuschen lassen, ist fraglich.

Über 7100 Krähenpaare haben Ende letzten Jahres in der Schweiz gebrütet. Das ist ein neuer Rekord, wie Michael Schaad von der Vogelwarte Sempach sagt. «Man kann davon ausgehen, dass der Bestand auch dieses Jahr nochmals zugenommen hat.» Seit den 1990er-Jahren hat er sich verzehnfacht.

Die Vögel haben kaum natürliche Feinde und fühlen sich offensichtlich wohl. Weniger wohl fühlen sich die Anwohner, die auf ihren Balkonen und Autos den Krähendreck wegputzen müssen. Deshalb dürfen Krähen seit fünf Jahren auch ausserhalb der Schonzeit gejagt werden. Doch jagen mitten im Stadtgebiet ist gefährlich und deshalb keine Option.

Eine Saatkrähe auf einer Strasse.
Legende: Fast kein Mittel ist gegen sie gewachsen: Die Saatkrähen verbreiten sich im Rekordtempo. Imago

Sämtliche Versuche fehlgeschlagen

Die Stadt Bern, wo sich besonders grosse Krähenpopulationen angesiedelt haben, hat viel Erfahrung. Doch sämtliche Versuche der letzten 15 Jahre, die Krähen zu verscheuchen, sind fehlgeschlagen, wie Sabine Tschäppeler sagt. Sie leitet die Stadtberner Fachstelle für Natur und Ökologie.

«Man hat versucht, die Krähen zu vergrämen indem man die Nester abgedeckt hat, damit sie dort nicht mehr nisten können. Dann hackten sie einfach von unten ein Loch ins Nest und hatten so auch gleich einen Regenschutz.» Auch Massnahmen wie Bäume Schneiden, Nester zerstören, Laserpointer oder gar Umsiedlungsprojekte ganzer Kolonien funktionierten nicht.

Plastik-Uhu wirkt vorerst

Neuerdings testet die Stadt Bern, ob sich die Krähen von einem Uhu aus Plastik in den Baumwipfeln vertreiben lassen. Erste versuche waren erfolgreich: Die Vögel erschraken und wurden vertrieben. Doch die Krähen werden sich nicht lange täuschen lassen, ist sich Tschäppeler sicher, denn «die Krähen sind einfach zu schlau».

Die Saatkrähen werden bleiben – und die Stadtbewohner müssen wohl oder übel mit ihnen leben lernen.

35 Kommentare

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  • Kommentar von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
    Der Artikel zeugt eher davon, wie tief Aberglaube heute noch in der Schweizer heilen Bünzliwelt verankert ist - die schwarzen Vögle mit ihrem Gekrächze werden immer noch als bedrohlich und als Todesboten betrachtet ... Das ist wohl der Grund, weshalb sie eine "Plage" seien.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Von Mythen & Legenden wird überall auf der Welt erzählt & teilweise pflegt man sie auch heute noch. Bestes Beispiel grad die Mittsommerfeiern sind. Hat also überhaupt nichts mit des Schweizer heilen Bünzliwelt zu tun. Übrigens ist auch Ostern ein ursprünglich heidnisches Fest. Der Fruchbarkeitsgöttin Osteria hat man im Frühling Opfergaben gebracht. Und Ostern wird ja nicht nur in der Schweiz gefeiert, gell.
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    In der Natur gibt es immer einen Grund warum eine Spezies verschwindet und eine Andere zunimmt...
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  • Kommentar von Pia Müller (PiMu)
    Danke vielmals Christa Wüstner. Auch ihren Einwand betr. Elster. Ich habe die gleiche Erfahrung gemacht mit den Elstern. Sie ist wirklich ein Jungvogel-Killer und sollte dringend dezimiert werden.
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    1. Antwort von D. Thrum (Thrum)
      Das Grösste Problem für Vögel sind nicht Krähen oder Elstern, sondern Habitat-Zerstörung und Katzen (also beides Mal der Mensch). 7100 Paare sind nun wirklich keine riesige Zahl...aber die Leute verlieren ja schon ab 10 Täubchen die Nerven.
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    2. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      Die Natur versucht auszubalancieren.. nur der Mensch stoert diesen Vorgang.. aber vielleicht findet diese Natur bald einen wirksamen Weg.. den aergsten Naturfeind zu dezimieren... den homp sapiens....
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