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Lebensmittelhilfe an der Langstrasse
Aus SRF 4 News aktuell vom 05.06.2020.
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Nonne verteilt Essensrationen Zu ihr kommen die Ärmsten der Armen

Es sind Bilder, die wir uns aus der reichen Schweiz nicht gewohnt sind. Leute stehen Schlange, um kostenlose Essensrationen in Anspruch zu nehmen. Die Coronakrise hat die Ärmsten im Land noch tiefer fallen lassen. So auch in Zürich.

Anstehen für eine Gratisportion Essen.
Legende: Anstehen für eine Gratisportion Essen. Realität an der Zürcher Langstrasse. Keystone

Die Zürcher Nonne und Gassenarbeiterin Ariane verteilt im Zürcher Langstrassenquartier regelmässig Pakete mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln an jene, die sich die Produkte selber nicht mehr leisten können. «Für viele Menschen ist die Coronakrise noch lange nicht vorbei», sagt sie.

Obdachlose, Prostituierte, Süchtige, Arbeitslose, Sozialhilfebezüger, Papierlose – zu ihr kämen die unterschiedlichsten Leute, erzählt Schwester Ariane weiter.

Anstehen.
Legende: Viele sind in der Krise durch das soziale Netz gefallen. Keystone

Unter dem Existenzminimum

Und es seien im Laufe der Coronakrise immer mehr geworden – denn viele Hilfsorganisationen hätten ihren Betrieb heruntergefahren. Gleichzeitig seien viele Billiglohnjobs verloren gegangen. Sie zählt auf: «Es gibt viele Leute, welche die Arbeit verloren haben, Familienväter, welche ihre Familien nicht mehr durchbringen oder Working Poors, welche ganz unter das Existenzminimum gefallen sind.»

So reagiert die Stadt Zürich

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Laut Sozialvorsteher Raphael Golta (SP) unterstützt die Stadt Zürich die privaten Organisationen finanziell, wenn sie sich melden. Auch Räumlichkeiten würden zur Verfügung gestellt. Eine eigene Gassenküche zu betreiben, sei aber derzeit kein Thema: «Ich bin nicht sicher, ob es sinnvoll ist, wenn die Stadt selbst als staatlicher Akteur in Erscheinung tritt», so Golta. Es stünden Menschen in der Schlange, die lieber nichts mit der Stadt oder dem Sozialdepartement zu tun hätten.

Für ihre Gassenarbeit in Zürich hat die 47-jährige Nonne den gemeinnützigen Verein Incontro gegründet. Er wird mit privaten Spenden finanziert, erhält aber auch Unterstützung von verschiedenen katholischen und reformierten Kirchgemeinden oder dem Rotary Club.

Säcke voll Esswaren.
Legende: Verschiedene Kirchen und weitere Institutionen spenden für Arianes Verein. Keystone

Zu Beginn der Coronakrise verteilte Incontro jeden Abend 50 Mahlzeiten – heute sind es bereits über 250. Und für die wöchentlichen Hilfspakete mit Essen und Hygieneartikeln, die von Kirchenmitgliedern gespendet werden, standen letzten Samstag 1400 Menschen an, darunter auch viele Familien.

Löcher im sozialen Netz der Schweiz

Die Coronakrise habe die Löcher im sozialen Netz der Schweiz offengelegt, sagt Ariane. «Eigentlich hat man das Grundgefühl, dass der Staat schon schaut. Aber man merkt, irgendwas funktioniert nicht. Es muss irgendwo Lücken geben.»

Eigentlich hat man das Grundgefühl, dass der Staat schon schaut. Aber man merkt, irgendwas funktioniert nicht.
Mann mit zwei Taschen voll Lebensmitteln.
Legende: Genug, um die Familie zu Hause zu ernähren. Keystone

Viele, die wegen Corona ins Straucheln geraten seien, kämen nicht mehr so schnell auf die Beine, glaubt Schwester Ariane. Sie stellt sich deshalb darauf ein, dass ihre Hilfspakete und Mahlzeiten auch dann noch gebraucht werden, wenn die Pandemie längst vorüber ist.

Nonne und Gassenarbeiterin Ariane.
Legende: Bleibt auch nach der Krise im Einsatz: Nonne und Gassenarbeiterin Ariane. Keystone

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Häfliger  (kurto1956)
    Es fallen immer mehr Menschen in die Armut - Gründe gibt es viele. Ebenso verdienen genau die PolitikerInnen immer mehr welche jeweils alle Sparanträge durchpushen - VR-Mandate sei Dank. Kann alles nachgeschaut werden - auch der Caritas-Bericht zeigt es glasklar auf! Wann bricht der Krug entzwei?
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  • Kommentar von Dorothee Meili  (DoX.98)
    Mehrere Hilfsprojekte: Minis, von Mensch zu Mensch, Kleinere, Mittelgrosse... konnten nicht weitergepflegt werden, da die "Tätigen"/"Aktiven"/Einsatzwilligen zu einem grossen Teil zur Risikogruppe der zeitweise "vergessenen" 65-100-Jährigen gehören. Es hüten eben nicht alle Enkelkinder, sondern engagieren sich auch sonst im Sozial-, Gesundheits- und Kulturleben. Und es ist sehr schwierig, da irgendwie wieder neu anzufangen, aufzubauen. Der Schock sitzt tief, die Vorsicht ebenso.
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  • Kommentar von Tom Maier  (MaTo)
    besten Dank Ariane, zum Glück gibt es Menschen wie Sie.
    Ein wohltuender Gegensatz zu unserer immer egoistischeren Gesellschaft.
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