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Schaffhauser Parlament will autofreie Sonntage
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 10.03.2021.
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Nun auch Schaffhausen Städte streben nach Sonntagen ohne Autoverkehr

Der autofreie Sonntag feiert in den Städten ein Comeback. Auch Schaffhausen will künftig Quartiere vom Verkehr befreien.

Mit dem Velo über die Autobahn oder mit dem Pferd durch die Stadt: Es waren ungewohnte Bilder, die im November 1973 um die Schweiz gingen, Bilder des autofreien Sonntags. Der Bundesrat hatte zuvor drei von ihnen als Reaktion auf die Benzinknappheit angeordnet.

Seither wurden autofreie Sonntage immer wieder ein politisches Thema, mehrere Initiativen blieben ohne Erfolg. Zumindest in den Städten scheint der Wind nun aber zu drehen.

Die Ölkrise 1973 als Grund für autofreie Sonntage

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Ägyptische und syrische Truppen führten im Oktober 1973 einen Überraschungsangriff auf Israel durch. Ziel waren die Gebiete auf den israelischen Sinai und Golanhöhen. Zusammen mit weiteren arabischen Staaten verzeichneten Syrien und Ägypten anfänglich Erfolge, im weiteren Verlauf des so genannten Jom-Kippur-Kriegs gewann Israel aber mit seinen westlichen Verbündeten wie den USA die Oberhand. Die arabischen Staaten reagierten darauf mit einem Ölembargo, die Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) drosselten die Fördermengen. Dies führte in Europa zu grossen Engpässen, weil die USA als Erdöl-Produzent ihren eigenen Bedarf decken mussten.

Das jüngste Beispiel dafür kommt aus Schaffhausen. Das Stadtparlament hat am Dienstagabend ein Postulat der Alternativen Liste an den Stadtrat überwiesen. Dieser muss nun prüfen, wie in Schaffhausen mehrere autofreie Sonntage im Jahr realisiert werden können. Der Vorstoss hat zum Ziel, in den Quartieren Strassen und Plätze für den motorisierten Verkehr zu sperren, um Feste oder Veranstaltungen stattfinden zu lassen.

Es braucht eine tragbare und finanzierbare Lösung.
Autor: Christine ThommenSozialreferentin Schaffhausen

Kritisiert wurde der Vorstoss von der SVP. Es gäbe bereits genügend Plätze, um Feste zu feiern, dafür müssten nicht Strassen gesperrt werden. Dank einer Mehrheit aus Mitte- und Linksparteien muss der Stadtrat das Anliegen nun aber prüfen. Und die Regierung zeigt sich offen. «Es braucht eine tragbare und finanzierbare Lösung», sagte Sozialreferentin Christine Thommen. Eine Testphase soll nun zeigen, ob die Quartiere an autofreien Sonntagen interessiert sind.

Das Comeback in den Städten

Die Forderung nach autofreien Sonntagen erlebt in den Städten derzeit eine Renaissance. Anfang Jahr hatte bereits Winterthur grünes Licht gegeben. Im September soll der Auftakt erfolgen, die Technikumstrasse in der Innenstadt wird für den Verkehr gesperrt. Auf Grundlage dieser Erfahrungen sollen in der Folge vier autofreie Sonntage im Jahr organisiert werden. «Es gibt bereits Ideen für diese Anlässe», sagte die Winterthurer Stadträtin Katrin Cometta im Regionaljournal Zürich Schaffhausen. «Spruchreif seien sie aber noch nicht.»

Den Städten werden bei der Organisation von autofreien Sonntagen aber Leitplanken gesetzt. «Die rechtlichen Grenzen sind eng», so Cometta. Kantonsstrassen liegen in der Hoheit der Kantone und dürfen von den Städten nicht gesperrt werden. Winterthur will nun mit dem Kanton Zürich das Gespräch suchen, um grossflächiger Gebiete autofrei machen zu können.

Ein Plan des Gebiets, dass in der Stadt Bern 2019 für einen Tag autofrei war.
Legende: Autofreie Zone in Bern: Das Gebiet rund um die Effingerstrasse wurde am 22. September 2019 für den motorisierten Verkehr gesperrt. ZVG Stadt Bern

Auch die Stadt Bern kennt den autofreien Sonntag, schon länger stehen die Autos in der Hauptstadt an einem Tag im Jahr still. Aufgrund klammer Finanzen fand der Anlass im letzten Jahr nicht statt, im September 2019 prägten aber noch Liegestühle und Planschbecken das Bild rund um die Effingerstrasse in der Nähe des Hauptbahnhofs.

Kantone reagieren skeptischer

Während autofreie Tage in den Städten zusehend beliebter werden, haben es diese Forderungen auf kantonaler Ebene schwer. So schmetterte etwa der Kanton Solothurn am Ende des letzten Jahres einen Volksauftrag ab. Die Initianten forderten kantonsweit vier autofreie Sonntage im Jahr. Und auch im Baselstädtischen Kantonsparlament blieben solche Forderungen chancenlos.

Ein Grund hierfür dürfte sein, dass sich die Beweggründe gewandelt haben. War vor fast 50 Jahren noch die Benzinknappheit ausschlaggebend, sind es heute Umweltüberlegungen. Und diese sind gerade in den Städten ausgeprägter als auf dem Land. Dass der Einfluss auf den CO2-Ausstoss mit einem autofreien Sonntag minim ist, ist den Städten durchaus bewusst. Es gehe um Sensibilisierung, heisst es aus Schaffhausen und Winterthur.

SRF 1, Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 06:32 Uhr;

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49 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Diethelm  (Okapi)
    Die bürgerlichen Gegner der sonntäglichen Sperrung der Städte für den Autoverkehr geben den letzten Rest Glaubwürdigkeit preis. Widersetzen sie sich doch stets jeder Einschränkung des Autoverkehrs, indem sie sich als Retter des Gewerbes aufspielen, das sonst untergehen würde, dies obwohl das Gewerbe ja gar nicht anvisiert ist, am Sonntag aber ohnehin keine Rolle spielt. Diese Kreise wollen einfach dem Autoverkehr die allgegenwärtige Dominanz auf alle Zeiten sichern. Ökologische Geisterfahrer!
  • Kommentar von Daniel Müller  (Filter11)
    Ein paar Autofreie Sonntage und die Gaspedal-Fraktion sieht sich in ihrer Freiheit beraubt. Ist das denn so schwierig zu verstehen, dass die Akzeptanz des Autos in den Städten schon lange auf einem Tiefpunkt angelangt ist? Es gibt so viele gute Alternativen. Und macht erst noch Sinn und Spass.
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Nun ja, es wäre gut, wenn bezüglich dieser Alternativen ein wenig mehr Kostenwahrheit herrschen würde. Immerhin finanziert die Allgemeinheit die Bedürfnisse der städtischen Velofahrer umfassend, sprich die kommen für ihre Kosten in keiner Art und Weise auf. Ähnliches gilt für den ÖV, auch da finanziert der Steuerzahler gewaltige Summen und selbst der sich immer als Gebeutelter sehende Autofahrer kommt längstens nicht für alle seine Kosten auf. Es wäre Zeit, Kostenwahrheit pro km einzuführen!
  • Kommentar von Werner Aeschlimann  (wernz)
    Ich wäre dafür dass alle mit dem Velo zur Arbeit fahren müssen. Damit wäre der Verkehr wesentlich flüssiger und ungefährlicher in den Städten..
    1. Antwort von Gianni Romagnoli  (GiRom)
      @wernz
      Die üblichen Vorschriften von denjenigen, die ganz genau wissen, was uns ALLEN gut tut ...
    2. Antwort von Daniel Müller  (Filter11)
      Herr Aeschlimann, gute Idee. Vor allem in unseren übersichtlichen und kleinen Städten wäre dies einfach machbar.