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Obduktionszahlen eingebrochen Medizinstudenten öffnen deutlich weniger Leichen

Früher gehörte das Obduzieren zur Grundausbildung. Inzwischen führen einige Spitäler gar keine Obduktionen mehr durch.

Tisch mit medizinische Geräten.
Legende: Die Zahl der Obduktionen in der Schweiz ist stark eingebrochen. Keystone

Am Montag beginnt in der Schweiz der neuen Studienlehrgang Medizin. Wurden in den 90ger-Jahren noch 8000 Obduktionen pro Jahr durchgeführt, sind es heute nur noch knapp 2000 pro Jahr. Dabei geht es nicht um Kriminalfälle wie in einem Tatortfilm, sondern um Obduktionen zu medizinischen Zwecken.

Viele Ärzte denken, man weiss schon alles über den Verstorbenen.
Autor: Holger MolchPathologe

Dass die Obduktionszahlen völlig eingebrochen sind, stellt auch das Universitätsspital Zürich fest. Pathologe Holger Molch sieht dafür verschiedene Gründe. Einer: die verbesserte Diagnostik zu Lebzeiten des Patienten. «Viele Ärzte denken, man weiss schon alles über den Verstorbenen.» Ein weiterer Grund sei, dass jüngere Ärzte die schwierigen Gespräche mit den Angehörigen scheuten.

Legende: Video Pathologe Holger Moch sieht verschiedene Gründe für den Einbruch abspielen. Laufzeit 00:10 Minuten.
Aus News-Clip vom 16.09.2018.

Inzwischen führen einige Spitäler gar keine Obduktionen mehr durch. Nicht so im Spital Uster. Chefärztin Esther Bächli ist eine überzeugte Befürworterin von Obduktionen. Da erstaunt es nicht, dass in Uster jährlich über 50 Leichen untersucht werden. Die Obduktion sei ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung, ist die Chefärztin überzeugt.

Wir lernen aus der Obduktionen, ob die Behandlung vor dem Tod korrekt war.
Autor: Esther BächliChefärztin

Die Obduktion zeige auf, ob der Patient vor seinem Tod korrekt behandelt wurde. Aussserdem gebe eine Obduktion Aufschluss über neue Krankheiten oder auch unbekannte Nebenwirkungen neuer Medikamente. «Wir finden auch familiäre Erkrankungen, die für die Nachkommen des Verstorbenen von Relevanz sind», sagt Esther Bächli.

Legende: Video Chefärztin Esther Bächli vom Spital Uster ist überzeugte Befürworterin von Obduktionen abspielen. Laufzeit 00:23 Minuten.
Aus News-Clip vom 16.09.2018.

«Verschiedene Ärzte glauben, dass Untersuchungsmethoden wie die Computertomografie für die Qualitätssicherung reichen.» Aber das genüge eben nicht, findet die Chefärztin.«Viele dieser Organe, die wir in der Tomografie sehen, können wir nicht biopsieren. Es ist zu gefährlich während des Lebens des Patienten.»

Die Chefärztin am Spital Uster setzt deshalb nach wie vor auf Obduktionen. Wurde der Patient richtig behandelt? Haben die Ärzte etwas übersehen? Gibt es unentdeckte Tumore? All diese Fragen könnten mit der Öffnung der Leiche beantwortet werden.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Wendy Müller (WendyElizabeth)
    Ich würde eine Obduktion an mir sowieso nicht erlauben. Das verstösst dann gegen die Totenruhe und ich werde das auch schriftlich festhalten.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Skandaloes! Die Autopsie enthuellt nicht nur Fehlbehandlungen, sondern auch Verbrechen. Die Moerder von Verdingkindsklaven entgingen der Strafverfolgung oft dadurch, dass der Hausarzt einen natuerlichen Tod persilierte, und deswegen eine Obduktion unterbrlieb. Daneben ist sie eine gute Gelegenheit fuer Medizinstudenten, an ungefaehrdeten Objekten die ersten Erfahrungen mit Sklapell, Nadel und Faden zu sammeln....
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Das ist nicht richtig.Verstorbene die obduziert werden sind keine Versuchsobjekte für Medizinstudenten.Auch im Beitrag wird das leider vermengt,obwohl das miteinander nichts zu tun hat.Die Leichen,die im Anatomieunterricht seziert werden sind von den Menschen selber zu Lebzeiten für die Forschung/Unterricht zur Verfügung gestellt worden. Die Obduktionen, die aus medizinischen Gründen durchgeführt werden, werden von Profis geöffnet und untersucht und nicht für Zugangs- und Nähübungen verwendet.
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    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Und mit den angesprochenen unnatürlichen Toten haben die Untersuchungen im Spital auch nichts zu tun. Da sind die Gerichtsmediziner zuständig. Bezüglich der Befürchtungen der "Persilscheine" läuft aktuell eine Studie der Uni Bern, wo Verstorbene vor der Beerdigung nochmals von einem Gerichtsmediziner angeschaut werden ob wirklich ein natürlicher Tod vorlag. SRF hat am 11.10.2017 darüber berichtet ("War es wirklich ein natürlicher Tod?")
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