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Legende: Audio Ökologischer Blödsinn: Eltern ärgern sich über Wegwerf-Babyfotos abspielen. Laufzeit 05:38 Minuten.
Aus Espresso vom 01.07.2019.
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Ökologischer Blödsinn Eltern ärgern sich über Wegwerf-Babyfotos

Die Agentur Baby Smile produziert Fotoprodukte auf Vorrat. Sie will dieses Konzept jetzt ändern.

Die ersten Stunden und Tage nach der Geburt eines Kindes sind für Eltern geprägt von Emotionen. Man ist überwältigt vom kleinen Glück, das man endlich in den Händen halten kann. Professionelle Fotoagenturen haben das längst als Geschäftsmodell für sich entdeckt: Kurz nach der Geburt steht ein Fotograf oder eine Fotografin am Wochenbett und bietet ein professionelles Shooting an, um diese spezielle Zeit festzuhalten. Die Fotos wandern anschliessend in die Fotogalerie des Spitals und sie werden den Eltern zum Kauf angeboten.

Produzieren auf Vorrat

Auch Baby Smile ist eine solche Fotoagentur. Wer in deren Fotoshooting einwilligt, erhält ein paar Tage später ein riesiges Paket nach Hause geliefert: Es enthält eine grosse Fotoleinwand, ein XL-Fotobuch, mehrere Poster, Geschenkarten mit Couverts etc. im Wert von knapp 380 Franken – alles «nur» zur Ansicht. Wer die Produkte nicht möchte, kann sie retournieren und braucht nicht zu bezahlen.

«Das ist ein ökologischer Blödsinn», ärgert sich ein frischgebackener Vater im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso». Ende Mai ist im Spital Wil sein viertes Kind zur Welt gekommen. Und er durchschaut die Absicht dahinter: «Die Fotos sind toll und wenn man dann die Produkte schon mal zu Hause hat, bezahlt man vielleicht einfach.» Er und seine Frau wollen das Paket jedoch zurückschicken.

Baby Smile: «Einwand ist gerechtfertigt»

So wie es aussieht, ist man bei Baby Smile inzwischen auch zum Schluss gekommen, dass das Konzept mit den auf Vorrat produzierten Foto-Paketen nicht zeitgemäss ist: «Der ökologische Einwand […] ist gerechtfertigt», heisst es in einer schriftlichen Stellungnahme des Unternehmens. Aus diesem Grund «arbeiten wir an einer Umstellung des Konzepts ohne Vorproduktion».

So sollen Eltern ab Oktober 2019 nur noch einen Link erhalten, über welchen sie dann jene Produkte bestellen können, die sie wirklich wünschen. Damit beende Baby Smile diesen «als ökologischen Blödsinn bezeichneten Verfahrensweg». Das neue Konzept wurde laut Baby Smile seit Frühling 2018 in drei Spitälern getestet.

Verkaufsgespräche am Wochenbett

Aber ist das Wochenbett der richtige Ort ist für derart kommerzielle Dienstleistungen? «Professionelle Fotos zu haben vom Baby in seinen ersten Tagen auf der Welt, ist für die Eltern etwas sehr Schönes», heisst es dazu auf Anfrage vom Spital Wil. Daher werde der Service eines Fotoshootings auf der Geburtenstation von den meisten Eltern sehr geschätzt, beziehungsweise «wird dieser heutzutage von einer Geburtsklinik fast schon erwartet». In all den Jahren, in denen man diesen Service nun schon anbiete, habe es kaum Beschwerden gegeben.

Dass hier ein Bedürfnis besteht, zeigt ein Blick auf die Dienstleistungen vieler Geburtskliniken: Professionelle Fotos kurz nach der Geburt bieten heute sehr viele in der einen oder anderen Form an. «Wichtig ist, dass der eigentliche Kaufentscheid dann erst in Ruhe zu Hause gefällt werden kann», heisst es dazu vom Spital Wil.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Tobias Vetter  (ToVe)
    Seltsam, dass sobald sich die Medien einschalten, auf einmal totale Einsicht bei der Firma herrscht.
    Glaubwürdig wärs gewesen, wenn man dieses Unding an Verschwendung gar nie erst praktiziert hätte. Ich glaube, das Internet gibts schon lange genug, dass man die Onlinebestellung schon von anfang an hätte machen können.
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  • Kommentar von Yasha Bostic  (YashaB)
    Das ist jetzt etwas am Thema vorbei, aber ich frage mich manchmal, ob es nicht besser wäre den Moment zu leben statt zu versuchen, ihn festzuhalten.

    In nerve mich immer über Leute, die überall ihr Handy draufhalten müssen statt einfach mal zu schauen und dabei zu sein.
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  • Kommentar von Helena Müller  (Helena Müller)
    Diese Firma rechnet halt damit, dass die Kunden dann alles nehmen und zahlen. Ein fragwürdiges Marketing. Ein wenig Veräppelung und sehr viel Manipulation. Gar nicht zu reden von der Umweltverschmutzung... geht gar nicht, finde ich.
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