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Nidwalden versucht, Steuerzahler abzuwerben
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 17.11.2020.
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Offensive Abwerbe-Strategie «Befremdend»: Nidwalden setzt auf umstrittene Steuer-Taktik

Nidwalden verschickt Briefe in andere Kantone, in denen die eigenen steuerlichen Vorzüge herausgestrichen werden. Diese Abwerbe-Strategie kommt nicht gut an.

Letzte Woche hat Michael Schibli Post vom Kanton Nidwalden bekommen. Einen Brief, um genau zu sein. Dessen Inhalt liess den Treuhänder aus dem Kanton Aargau aufhorchen. Er wird darauf aufmerksam gemacht, dass das Nidwaldner Stimmvolk diesen September eine Steuererleichterung beschlossen hat, die Pensionären zugutekomme.

Ein Versuch, Steuerzahler abzuwerben

Nidwalden verfüge «mit der aktuellen BVG-Besteuerung und tiefen Einkommenssteuern über äusserst attraktive Konditionen für natürliche Personen». Der Zentralschweizer Kanton sei «der richtige Ort, um die dritte Lebensphase zu geniessen». Bei der «Planung einer Wohnsitzverlegung» stehe die Wirtschaftsförderung unterstützend zur Seite.

Der Brief ist ganz offensichtlich ein Versuch, dem Kanton Aargau die Steuerzahler abzuwerben. Entsprechend irritiert reagierte Schibli darauf: «Es kam mir vor wie eine ungefragte Aufforderung, den Kanton zu wechseln», sagt er gegenüber Radio SRF.

Befremden im Aargau

Wobei der Brief nicht in erster Linie auf Schibli selbst abzielt, sondern auf seine Kundinnen und Kunden. Als Treuhänder übernimmt er in Steuerfragen eine beratende Funktion – auch bezüglich des Wohnortes.

Beim Kanton Aargau zeigt man sich gar nicht erfreut über die Abwerbe-Versuche Nidwaldens. Die Regierung nehme den Brief «mit Befremden zur Kenntnis», sagt Claudia Penta, die Sprecherin des Aargauer Finanzdepartements. «Das ist ein unübliches Vorgehen im Steuerwettbewerb.»

«Schlechter Stil»

Tatsächlich werden solch offensive Abwerbe-Strategien in der Schweiz gar nicht gern gesehen. Diese Erfahrung machte die Luzerner Kantonsregierung bereits vor zehn Jahren. 2010 verschickte der damalige Finanzdirektor Marcel Schwerzmann zirka 2500 Briefe, in denen er Unternehmen den Umzug nach Luzern schmackhaft machte. Das Argument: Luzern halbiere die Gewinnsteuer.

Brief der Nidwaldner Wirtschaftsförderung
Legende: Mit diesem Brief geht die Nidwaldner Wirtschaftsförderung auf Steuerzahler-Fang. Twitter / Michael Schibli

Die Kritik kam postwendend. Der damalige Zuger Finanzdirektor Peter Hegglin sprach etwa von «schlechtem Stil» der Luzerner. Ausserdem wurde die Aktion auch an der Konferenz der kantonalen Finanzdirektoren thematisiert und scharf kritisiert.

In Nidwalden liess man sich von den negativen Erfahrungen des Nachbarkantons offenbar nicht davon abbringen, selbst auch solche Briefe zu verschicken. Was die Nidwaldner Wirtschaftsförderung zu dieser Strategie bewogen hat, bleibt unklar. Deren Antworten auf die Fragen von SRF sind seit Montag hängig.

Reionaljournal Zentralschweiz, 17.11.2020, 17:30 Uhr;

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Bis vor kurzem wurden wir von den Krankenkassen bombardiert, heute von den Kantonen! Und morgen?
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Was soll daran schlecht sein? Der Bund selber macht das doch genau so, er wirbt mit Steuergeschenken für internationale Firmen dafür, dass diese in die Schweiz kommen. Zudem ist der Steuerwettbewerb innerhalb der Schweiz nun wahrlich nichts neues sondern Normalität. Entweder ändert die Schweiz ihre Steuerstrategien komplett, ansonsten soll man Nidwalden machen lassen. Das ist unternehmerische Freiheit, und die Mehrheit der Schweizer wollen ja das Bund und Kantone wie Firmen geführt werden.
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    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Die Schweiz ist dabei ja nicht das einzige Land. Deutschland beispielsweise verzichtet in bestimmten Regionen für Jahre auf Steuern, Elon Musk wusste es zu nutzen. Fast die meisten Länder wenden solche Tricks an, um Unternehmen anzulocken - selbst solche, die sonst als Steuerhöllen gelten.
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  • Kommentar von Gregor Semp  (Gregor3)
    Bei jeder zweiten Abstimmung in der Schweiz wird Anstand und Moral hintangestellt, weil angeblich gute Steuerzahler abwandern könnten. Aber wenn ein Kanton auf seine Steuervorteile hinweist, dann kommt die grosse Empörung auf. Aussen hui, innen pfui?
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