Die Olympischen Winterspiele 2038 sollen in der Schweiz stattfinden. Aber die Schweiz will eigentlich nicht. 2013, 2017 und 2018 sagten die Stimmberechtigten Nein zu Olympischen Winterspielen. Swiss-Olympic-Präsidentin Ruth Metzler-Arnold verteidigt im Gespräch ein Vorgehen, das eine nationale Volksabstimmung umgeht.
SRF: Die Schweizer Bevölkerung hat bei Olympia-Abstimmungen bisher immer Nein gesagt. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass es diesmal klappt?
Ruth Metzler: Man kann die früheren kantonalen Abstimmungen nicht mit dem heutigen Projekt vergleichen. Damals ging es um Spiele in einer einzigen Region, die auch die Hauptlast getragen hätte. Heute planen wir «Spiele à la Suisse»: dezentral, auf bestehender Infrastruktur und getragen von der ganzen Schweiz. Das ist eine völlig andere Ausgangslage.
Trotzdem wird es keine nationale Volksabstimmung geben. Man wird die Bevölkerung gar nie fragen.
Das ist richtig, der Zeitplan des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) lässt das nicht zu. Wir müssen unsere Kandidatur in zwölf Monaten einreichen. Eine Volksabstimmung auf Bundesebene war aber auch bei früheren Kandidaturen nie die Diskussion, obwohl der Bund damals viel höhere Beiträge versprochen hatte.
Kantonale Abstimmungen wird es wohl erst geben, wenn das IOC die Spiele bereits an die Schweiz vergeben hat. Das ist doch geschickt eingefädelt, um das Volk vor vollendete Tatsachen zu stellen?
Das ist falsch. Wir sind in einem Prozess, der auf Bundesebene läuft und einen engen Zeitplan hat. Die kantonalen Abstimmungen kommen später, das ist korrekt. Aber dann ist man Teil eines gesamtschweizerischen Projekts und weiss, dass die Spiele in die Schweiz kommen. Es ist kein Trick, der Zeitplan war immer transparent. Man kann diese Chance nutzen oder nicht.
Ohne private Defizitgarantie ist eine Bewerbung nicht möglich.
Ein Knackpunkt ist die Defizitgarantie. Sie soll nicht vom Staat, sondern von Privaten kommen. Haben Sie diese Zusagen bereits?
Nein, die haben wir noch nicht. Aber wir haben bis Ende Jahr Zeit und führen viele Gespräche. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen. Es wäre für die Schweiz schon schwierig, wenn wir eine solche Garantie nicht zustande brächten.
Und was ist die Konsequenz, wenn Sie diese private Garantie bis Ende Jahr nicht haben?
Dann ist eine klare Bedingung des IOC nicht erfüllt. Das IOC verlangt diese Defizitgarantie von privater Seite. Wenn uns das nicht gelingt, können wir das Dossier nicht einreichen. Ohne diese Garantie ist eine Bewerbung nicht möglich.
Sie planen mit Hochdruck ein Projekt für 2038, werden dann aber wegen der Alterslimite gar nicht mehr als Präsidentin im Amt sein. Ist das nicht frustrierend?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin es mir aus meiner Zeit als Bundesrätin gewohnt, vorausschauend und langfristig zu planen. Das ist für mich persönlich kein Problem. Wir sind überzeugt, dass dies eine Riesenchance für die ganze Gesellschaft und die ganze Schweiz ist.
Das Gespräch führte David Karasek.