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Weshalb der neue Standort schon jetzt polarisiert
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 03.08.2021.
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Orte für Süchtige Drogenanlaufstelle neben der Schule: In Bern gibts Ärger

Die Berner Stadtregierung prüft einen Umzug der Drogenanlaufstelle – das weckt Unbehagen.

Seit 20 Jahren betreibt die Stiftung Contact im Auftrag des Kantons Bern am Rande der Innenstadt eine Kontakt- und Anlaufstelle für Drogenabhängige. Es ist die einzige Anlaufstelle in der Stadt Bern. Nun gib es Pläne, die Drogenanlaufstelle an einem neuen Ort einzurichten.

Die Umzugspläne will Stadtpräsident Alec von Graffenried der Stadtregierung demnächst vorstellen. Eine erste Machbarkeitsstudie sowie dieser Antrag sind in den letzten Tagen an die Medien gelangt.

Angedacht ist, dass die Drogenanlaufstelle an die Predigergasse zieht; in das ehemalige Gebäude der Sanitätspolizei. Das steht schon länger leer, Pläne für einen Jugendtreffpunkt der Stadt sind gescheitert. «Das Gebäude am bestehenden Standort muss dringend umfassend saniert werden», begründet Stadtpräsident Alec von Graffenried die Umzugspläne gegenüber SRF.

Vom «Fixerstübli» zur Anlaufstelle: Worum gehts?

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Die Anlaufstellen der Stiftung für Suchthilfe Contact will den Betroffenen helfen und den öffentlichen Raum entlasten. Vor Ort erhalten die Süchtigen Spritzen und Nadeln sowie medizinische Erstversorgung und Betreuung. Es gibt im Kanton Bern verschiedene Anlaufstellen, unter anderem in Bern, Thun und Biel, der Konsum ist aber nicht überall möglich. Rauschmittel werden keine abgegeben.


1986 eröffnete die Contact-Stiftung in der Berner Altstadt eine Anlaufstelle für Drogensüchtige. Sie ging als Fixerstübli in die Geschichte ein und war Vorbild für unzählige Konsumräume in anderen Städten. Die Anlaufstelle löste aber auch verschiedene Diskussionen und Reaktionen aus und hatte mit diversen Schwierigkeiten zu kämpfen. Das Bestehen war mehr als nur einmal infrage gestellt.

Dass dereinst an der Predigergasse Süchtige ein und aus gehen sollen, passt aber nicht allen. «Der Standort ist unglücklich», sagt Annette Geissbühler. Sie ist die Direktorin der nahegelegenen Schule NMS, wo rund 850 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zur Schule gehen. «Die Kinder haben es mit dem vielen Verkehr eh schon schwer. Jetzt sollen sie noch täglich Drogensüchtigen begegnen – das darf nicht sein!»

Legende: Die Räumlichkeiten im Erdgeschoss des Gebäudes an der Predigergasse stehen schon länger leer. Möglich, dass hier dereinst die Drogenanlaufstelle einziehen wird. Thomas Pressmann/SRF

Der Standort der Berner Drogenanlaufstelle gab in der Vergangenheit immer wieder zu reden. Der heutige Standort bei der Schützenmatte gilt als nicht ideal: Das Gebiet in der Nähe der Reitschule wird oft als «Brennpunkt» bezeichnet, immer wieder kommt es zu Gewalt.

Schwierige Suche nach einem Standort

2016 gab die Stadtregierung in Auftrag, einen Standort für eine zweite Drogenanlaufstelle zu suchen. Dadurch sollte die bestehende Anlaufstelle entlastet werden. Von bürgerlicher Seite gab es jedoch heftige Kritik. Ein gutes Jahr später stellte die Stadt die Suche ein. Insgesamt wurden rund zwölf Objekte auf Stadtgebiet geprüft. Darunter waren sowohl städtische als auch private Liegenschaften. «Sie mussten letztlich aufgrund ihrer Grösse, der Raumstruktur, des Aussenraums oder der Mietkosten verworfen werden.», hiess es damals.

Eine Anlaufstelle darf nicht in einem Wohnquartier und neben einem Kindergarten oder Schulhaus liegen.
Autor: Franziska Teuscher Sozialdirektorin, Aussage von 2016

Bevor die Suche begann, liess sich die zuständige Sozialdirektorin Franziska Teuscher mit folgenden Worten zitieren. «Für mich ist klar, dass eine Kontakt- und Anlaufstelle nicht mitten in einem Wohnquartier und beispielsweise neben einem Kindergarten oder Schulhaus liegen darf.» Der nun zur Diskussion stehende Standort erfüllt dieses Kriterium nicht. Er liegt in Wurfweite einer Schule.

Auch in anderen Städten gibt der Standort dieser Einrichtungen immer wieder zu reden. Dass es solche Einrichtungen geben muss, ist politisch kaum mehr bestritten, der genaue Standort sorgt aber durchaus für Diskussionen. In Solothurn beispielsweise erlebte die Einrichtung der Organisation «Perspektive» in den letzten Monaten eine regelrechte Odyssee.

Diskussionen auch in Solothurn

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Legende: Die Kontakt- und Anlaufstelle im alten Restaurant Adler. Marco Jaggi/SRF

Die Solothurner Kontakt- und Anlaufstellte ist in der Vorstadt von Solothurn, im alten Restaurant Adler untergebracht. Hier hat es viele Leute und auch etliche Restaurants. Deshalb passt der Standort nicht allen. Zudem wurde der Platz in der Anlaufstelle zu eng, weil Abstandsregeln während der Coronakrise nicht eingehalten werden konnten. Die Institution musste sich mit Zelten und Containern an anderen Orten behelfen. Nun wird über einen Aus- und Umbau des Gebäudes nachgedacht.

Für Fachleute ist klar: Solche Angebote müssen so zentral wie möglich sein, sonst werden sie kaum genutzt. Deshalb ist die Stiftung, welche die Anlaufstelle in Bern betreibt, vom neuen, möglichen Standort angetan. Angesprochen auf mögliche Konflikte mit den Nachbarn sagt Geschäftsleiterin Rahel Gall: «Wir sind überzeugt, dass ein Nebeneinander mit anderen Einrichtungen wie zum Beispiel der Schule, funktionieren wird.»

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 3.8.2021, 12:03 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Fabio Scheidegger  (Fabioski)
    Also nicht neben Schulen und nicht neben Wohnquartieren. Was bleibt übrig? Neben Geschäften? Und da gehts dann auch nicht weil es die Kunden vergraulen könnte? Hauptsache wir müssen keine Probleme mehr sehen und können derweil unserer eigenen KonsumSUCHT nachgehen...
  • Kommentar von Wanda Bachmann  (WanBa)
    Es ist sinnvoll die Abgabestelle zentral zu halten,die die Ware kontr.abgibt.Ich sehe es auch als heikel,wenn an dieser Schule Unterstufen unerrichtet werden.'Drogen' sind ein Dauerthema,aus der Gesellschaft nicht wegzudenken.Übermässigen Konsum an Medikamenten,Alkohol,eben auch Essen kann suchtmässig eingenommen werden.Über letzteres regen wir uns gesellschaftlich wohlmöglich weniger auf weils zugänglich u. alltäglicher ist.Denke v.a.Aufklärung u Sensibilisierung sind weiterführend-für alle.
    1. Antwort von Michael Siffert  (Pedro Ez)
      Verstehe ihre Aussage nicht, hört sich etwas abgedroschen an. Wichtig ist aber, dass es eben nicht eine Abgabestelle ist. Und die Kids kennen den bisherigen Standort sowieso auch schon.
  • Kommentar von Esther Jordi  (ejejej)
    Man könnte doch das KULTURzentrum Reitschule umfunktionieren.
    1. Antwort von Urs Müller  (Jackobli)
      Nein.
      Gehen Sie bitte mit Herrn Hess spielen und lassen Sie die Jugendlichen in und um Bern (von links bis rechts) in Ruhe die Konzerte und günstige Möglichkeit für den Ausgang geniessen!
    2. Antwort von Mike Sehmann  (Bernese)
      Genau meine Meinung - den Schandfleck Reitschule umfunktionieren.
      @Müller: Ich bin ein Jugendlicher aus Bern. Für Konzerte gibt es genug Orte in der Stadt ohne Drogen und Gewalt.
    3. Antwort von Urs Müller  (Jackobli)
      Schön, Herr Sehmann, offenbar verdienen Sie genügend Geld, um sich in den Clubs und an Konzerten zu vergnügen.
      Nicht jeder Jugendliche kann das, aber das wissen Sie ja sicher.
      In der Stadt ist man sich bis weit über die Mitte einig, dass es solche nicht kommerzielle Möglichkeiten, wie eben eine Reitschule braucht.