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Gewerkschafter: «Zusteller müssen Pakete bis 40 Kilo schleppen»
Aus Espresso vom 09.12.2020.
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Paketflut vor Weihnachten Gewerkschafter: «Zusteller müssen Pakete bis 40 Kilo schleppen»

Die Suva empfiehlt ein Maximum von 25 Kilo. Doch schwerere Lasten seien keine Seltenheit, moniert die Gewerkschaft.

Die Vorgaben sind eigentlich klar: Um zu verhindern, dass Arbeitnehmer allzu schwere Lasten schleppen, «trifft der Arbeitgeber die geeigneten organisatorischen Massnahmen und stellt den Arbeitnehmern die geeigneten Arbeitsmittel, insbesondere mechanische Ausrüstungen, zur Verfügung.» So sieht es die Verordnung zum Arbeitsgesetz vor.

Und die Unfallversicherungsanstalt Suva präzisiert in einer Wegleitung, Link öffnet in einem neuen Fenster, welche Lasten für einen einzelnen Träger noch zumutbar sind. Es gibt Unterschiede zwischen Frauen und Männern, jungen und älteren Menschen. Höchstgewicht ist aber 25 Kilogramm.

«Eine extreme Belastung»

Im Alltag und gerade in Zeiten einer nie dagewesenen Paketflut komme es aber vor, dass Zustellerinnen und Zusteller Lasten allein heben müssten, welche diese Werte zum Teil deutlich übersteigen, sagt Urs Zbinden von der Gewerkschaft Syndicom.

Reguläre Pakete dürften sowohl bei der Post wie auch bei den privaten Kurieren bis 31,5 Kilogramm schwer sein. «Mir wurde auch schon von Paketen bis zu 40 Kilogramm berichtet – und das ist eine extreme Belastung für die Zusteller.»

Die Gewerkschaft befürchtet gesundheitliche Schäden fürs Personal. Ein Paketzusteller sagt gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso», allein in diesem Jahr habe er in seinem Umfeld rund zehn Ausfälle wegen Rückenproblemen erlebt.

Post und Co.: Vorkehrungen getroffen

«Espresso» hakt bei der Post und den privaten Anbietern DPD, DHL und Swissconnect nach. Dort heisst es durchwegs, man treffe die nötigen Vorkehrungen, damit die Zusteller keine Überlasten tragen müssten. Komme es doch vor, schicke man personelle Verstärkung sowie Trolleys oder Lieferwagen mit einer Hebebühne mit.

Schwere Lasten werden zum Teil auch über andere Kanäle verschickt, bei denen die genannten Hilfsmittel automatisch dazugehören. Die Post schreibt, Pakete über 30 Kilo und Sperrgut würden automatisch über den Stückgutkanal transportiert.

Statistiken über Gesundheitsschäden wegen Überlast führt keiner der genannten Anbieter. Sie schreiben, das komme ohnehin höchst selten oder gar nie vor. Nur ein tiefer einstelliger Prozentsatz der ausgelieferten Pakete sei schwerer als 25 Kilogramm.

Gewerkschaft: «Höchstens 20 Kilogramm»

Angesichts der gewaltigen Mengen zurzeit sind das aber immer noch einige. Gewerkschafter Zbinden anerkennt die Bemühungen der Anbieter. Aber er verweist auf die Meldungen, welche die Syndicom erhalten hat. Und die würden eben durchaus auf gewisse Probleme hindeuten. Oft reiche die Zeit nicht, um unterwegs Unterstützung anzufordern. Die meisten Boten würden es wohl auch nicht wagen, ein Megapaket einfach stehenzulassen, weil sie Konsequenzen ihrer Vorgesetzten befürchteten, sagt er.

Deshalb fordert Urs Zbinden einen Systemwechsel: «Grundsätzlich keine Pakete mehr über 20 Kilogramm.» Schwerere Lasten müssten automatisch über einen anderen Kanal abgewickelt werden, wo eben die nötige personelle und technische Unterstützung gegeben sei.

Espresso, 09.12.2020, 08:13 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Seiler  (Hagenbuch Toni)
    Die Post hat die Preise für Pakete wirklich enorm hoch angesetzt. Dank dem Onlineboom bekommen Sie logischerweise auch sehr viele Aufträge und erzielen dadurch einen enormen Megagewinn. Die Konzernleitung und ihre Helfershelfer haben sich aber leider bewusst dazu entschieden nicht mehr Personal anzustellen um Kosten zu sparen. Die Paketboten müssen nun einfach das Doppelte leisten, kriegen aber immer noch den gleichen Hungerlohn und können sich nun von früh bis spät abrackern wie ein Berserker.
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Die Paketboten dokumentieren ihren Einsatz (Arbeitszeit und Zustellung) mit dem Eingabegerät peinlich genau. Die Zustellung oder Avisierung jedes Pakets wird auf die Sekunde genau festgehalten. In einem definierten Zeitfenster können demzufolge nur eine gewisse Anzahl Pakete zugestellt werden.
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  • Kommentar von Thomas Seiler  (Hagenbuch Toni)
    Ich arbeite auch in einer Paketbasis in der Region Zürich. Wir haben nicht nur sehr schwere Pakete sondern auch sehr Viele. Grundsätzlich würde mir dieser Beruf sehr gut gefallen, aber leider hat in den letzten Jahren eine enorme Negativentwicklung stattgefunden. Die gesamte Strategie ist nur noch auf die maximale Produktivität ausgelegt, es müssen pro Tag einfach möglichst viele Pakete zugestellt werden, Qualität und Kundenzufriedenheit spielen leider keine Rolle mehr.
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  • Kommentar von Javier López  (Javier López)
    Ich kann mich bei besten Willen nicht erinnern als Student im Paketversand Basel je ein Paket von ca. 20 Kg. getragen zu haben. Die schwersten Pakete waren die 12-er Packung von hochprozentigen für das Diplomatenvolk in Genf vor Weihnachten. Nicht einmal die gefüllten Postsäcke mit Kleinsendungen erreichten die 20 Kg. Marke oder extrem selten.
    Ich bevorzugte eindeutig die Schwerarbeit als die tödliche Monotonie der Paketsortierung an der Bandrutsche.
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