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Swissmedic warnt vor gefälschten Medikamenten
Aus HeuteMorgen vom 31.08.2021.
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Parallelimporte als Gefahr? Swissmedic fürchtet Kontrollverlust

Patientenorganisationen befürworten Parallelimporte von Arzneimitteln. Doch die Zulassungsbehörde Swissmedic hat Sicherheitsbedenken.

Soll die Schweiz den Import von günstigeren Medikamenten aus dem EWR-Raum zulassen? Darüber diskutiert heute Dienstag die zuständige Kommission des Ständerats. Der Nationalrat hat dem Vorschlag aus den Reihen der FDP zugestimmt, der Bundesrat aber warnt vor diesem Parallelimport, weil er um die Sicherheit der Patientinnen und Patienten fürchtet.

Doch was wiegt schwerer? Bei der Patientenorganisation SPO begrüsst Geschäftsführerin Susanne Gedamke den Vorschlag: In der Schweiz seien viele Medikamente im Vergleich zu europäischen Ländern teurer. «Darum begrüssen wir Preisreduktionen, wenn die Qualität und die Sicherheit für die Patientinnen und Patienten gewährleistet bleiben.» Sie sei überzeugt, dass Kontrollen die Sicherheit und Qualität von Medikamenten sicherstellen würden.

Medikamente ohne Zulassung in der Schweiz

Doch bei der zuständigen Kontrollorganisation Swissmedic winkt Geschäftsleitungsmitglied Karoline Mathys ab: Beim vorgeschlagenen Parallelimport kämen auch Medikamente ohne Zulassung in die Schweiz. Swissmedic wisse dann nicht, welche Arzneimittel in der Schweiz auf dem Markt seien. «Wir könnten bei Qualitäts- und Sicherheitsproblemen nicht schnell genug intervenieren und dafür sorgen, dass die Produkte vom Markt genommen werden», sagt sie. «Dadurch könnten Patienten gefährdet werden.»

Bei Sicherheitsproblemen könnten wir nicht schnell genug intervenieren. Dadurch könnten Patienten gefährdet werden.
Autor: Karoline Mathys Geschäftsleitungsmitglied Swissmedic

Ausserdem würden beim Parallelimport gefälschte Medikamente in die Schweiz gelangen, befürchtet Mathys. Die EU habe mit solchen Problemen zu kämpfen. Dort seien in den letzten fünf Jahren über 100 gefälschte Arzneimittel entdeckt worden. «In den meisten Fällen handelte es sich um Parallelimporte», so Mathys.

Vorstoss dürfte es politisch schwer haben

Swissmedic sieht in Parallelimporten also schwere Nachteile. Diese Bedenken teilt auch die Pharmabranche. Mit Blick auf Deutschland, das auf den Parallelimport gesetzt hat, sagt Ernst Niemack von der Pharmavereinigung Vips: «Deutschland hat dieses System vor vielen Jahren eingeführt und danach festgestellt, dass die Kosten nicht sinken, sondern eher steigen.»

Das Sparpotenzial von Parallelimporten ist also infrage gestellt, die Sicherheit der Patientinnen und Patienten auch. Damit dürfte es der Vorstoss politisch schwer haben.

Heute Morgen, 31.08.2021, 06:00 Uhr

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Ulrich Schlegel  (genau)
    Das - nämlich das Verbot von Parallelimporten - nennt man "freie Marktwirtschaft". David Ricardo (1772-1823), einer der Pioniere der kapitalistischen Oekonomie, oft von Karl Marx zitiert, war damals noch ein grosser Verfechter des Freihandels. Heute wird abgeschottet, aber nur, wenn grosse Konzerne es verlangen, um Zusatzprofite einzukassieren (hier nicht nur auf Kosten der Steuerzahler, sondern auch der Krankenkassen). Also die klassische kapitalistische Umverteilung von unten nach oben.
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Die Anzahl der Einwohner wächst, die mit Medikamenten aufgewachsen sind, die in der Schweiz nie zugelassen wurden. Auch ich habe lange Zeit auch mein ständiges Medi aus der ersten Heimat geholt, weil diese in CH nicht erhältlich war und ich kenne sehr viele Zugewanderte, die ihre Medi nicht in CH Apotheken besorgen. Schon daher ist das Argument von Swissmedic nicht stichhaltig. Im Endeffekt ist die Qualität im Ausland nicht schlechter. Es geht einzig um Geldverlust.
  • Kommentar von Peter Weierstrass  (PWeierstrass)
    Ich sehe das Problem nicht. Schon heute stammen die allermeisten Medikamente aus dem Ausland, und müssen stichprobenartig geprüft werden.
    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Ich verstehe vor allem nicht, wenn Medikamente von der EMA (Europ.
      Arzneimittel Agentur) zur Zulassung geprüft sind, warum diese nicht
      In Schweizer Apotheken zugelassen werden. Das liegt einzig und allein
      am Preis, nicht an der Sicherheit des Medikamentes. Die Zulassung bedeutet doch nur, dass dann der doppelte Preis (mindestens) verlangt
      werden kann.