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Olten ist stolz auf sein Parkleitsytem, der Mobilitätsforscher wünscht sich mehr als nur Anzeigetafeln
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 12.07.2021.
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Parkleitsystem in Olten Schweizer Städte hinken hinterher bei der Parkplatz-Suche

Die Stadt Olten hat seit dieser Woche ein Parkleitsystem. Doch die heutigen Parkleitsysteme genügen den Anforderungen häufig nicht mehr, findet ein Mobilitätsexperte.

In der Stadt Zürich gibt es sie seit 20 Jahren, auch in der Kleinstadt Aarau bereits seit 13 Jahren: Grosse Anzeigetafeln an den Strassen, die auf freie Parkplätze hinweisen. Nun hat – nach jahrelangen Planungen – auch Olten ein Parkleitsystem eingeweiht. Stadtpräsident Martin Wey spricht von einer «Willkommenskultur für Autofahrerinnen».

«Wir zeigen, dass die Stadt Parkplätze hat, dass man im Zentrum einkaufen kann. Und gleichzeitig verhindern wir Suchverkehr», so der CVP-Politiker. Aus all diesen Gründen haben auch andere grosse und kleine Städte solche Parkleitsysteme installiert – schon lange vor Olten.

Für Alexander Erath, Professor für Verkehr und Mobilität an der Fachhochschule Nordwestschweiz, sind Anzeigetafeln an den Einfallstrassen der Städte aber nur eine halbbatzige Lösung. Er plädiert dafür, dass die Daten über freie Parkplätze vor allem auch ins Internet gestellt werden.

Parkplatzsuche im Internet

«Moderne Navigationsgeräte können freie Parkplätze finden in der Nähe des Zielorts. Damit das funktioniert, müssen die Daten der Parkleitsysteme öffentlich zur Verfügung stehen», so Erath. Auch die Zahl der verfügbaren Parking-Apps für das Smartphone werde immer grösser. Alle diese Angebote seien auf aktuelle Daten angewiesen, damit sie wirklich funktionieren.

Das ist keine Zukunftsmusik.
Autor: Alexander Erath Professor für Verkehr und Mobilität

In Singapur sei es ganz normal, dass man freie Parkplätze über Online-Plattformen jederzeit finden könne, erzählt Alexander Erath. Er hat einige Jahre in der asiatischen Metropole gelebt. In der Schweiz sind solche Services noch weniger etabliert. Trotzdem sagt Erath: «Das ist keine Zukunftsmusik. Das kann man als Gemeinde so bestellen bei verschiedenen Anbietern. Es kostet etwas Geld, aber dann wäre man auf der Höhe der Zeit.»

Es gibt erste Ansätze, wie eine Stichprobe zeigt. Die Stadt Zürich zum Beispiel bietet ihre Daten aus dem Parkleitsystem als RSS-Feed an. Dieser kann von App-Anbietern genutzt werden. Einzelne Gemeinden setzen auf App-Anbieter wie ParkNow für ihre Parkplätze. Allerdings: International agierende Parking-Apps wie «Park Me» oder «Parkopedia» und unabhängige Schweizer Anbieter wie «ParkingMe» können nur zum Teil aktuelle Daten über freie Parkplätze anbieten.

Legende: Einzelne Gemeinden setzen schon auf digitale Parkplatzsuche, aber nur über einzelne App-Anbieter. ParkNow zum Beispiel ist in 33 Schweizer Gemeinden verfügbar. imago images

Müsste man also als Stadt oder Gemeinde nur noch auf Online-Lösungen setzen und könnte damit auch auf die relativ teuren Anzeigetafeln am Strassenrand verzichten? Nein, gibt Mobilitätsforscher Erath zu. «Es braucht aktuell noch Anzeigetafeln an den Strassen, denn nicht alle Fahrzeuge sind mit dem Internet verbunden. Die Schweizer Autoflotte ist im Schnitt rund achtjährig.»

Auch Privatparkplätze werden wichtiger

Die Gemeinden sollten aber ihre Parkleitsysteme mit OpenData-Anwendungen ergänzen, findet Erath. Das hätte nämlich einen weiteren Vorteil. Denn es gibt auch Apps, in denen Grundbesitzer ihre privaten Parkplätze zur Nutzung anbieten. Wer zum Beispiel tagsüber auswärts arbeitet, kann seinen Parkplatz vor dem Haus in dieser Zeit vermieten.

Apps und Navigationsgeräte könnten in Zukunft neben freien Plätzen in grossen Parkhäusern auch solche privaten Parkmöglichkeiten anzeigen, hofft Erath. «Diese einzelnen Parkplätze kann das Internet quasi zusammenbringen und für alle nutzbar machen.» Auch die öffentliche Hand müsse den Überblick über diese privaten Angebote behalten. «Das ist wichtig für die Planung von Parkplätzen.»

Fazit: Auch in Olten stehen nun also Anzeigetafeln am Strassenrand. Die Zukunft der Parkleitsysteme liegt aber offensichtlich im Internet.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 12.07.2021, 17:30 Uhr;

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Unterirdische Parkings an der Peripherie einer Stadt mit direktem Anschluss an den ÖV. Aber in der autofeindlichen Stadt Basel baut man das Kunstmuseum-Parking an einem äusserst schlecht anfahrbaren Ort!
  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Das Parkleitsystem besteht eigentlich überall: Waze: Zieladresse, nächstgelegener Parkplatz. Upgrade möglich wenn Waze Info hat wieviel Plätze wo frei sind.
  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Man sollte es den Autofahren nicht noch bequemer machen mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Das Gegenteil von leichter einen Parkplatzfinden wäre richtig. Wenige Parkplätze und die schön teuer. 5 Franken die Stunde, damit es sich die Autofahrer gut überlegen ob es lohnt mit dem Auto in die Stadt zu fahren.
    1. Antwort von markus aenishaenslin  (aenis)
      Dan fahren die Leute ganz einfach neben der Stadt Basel vorbei und fahren ins Kunden freundliche nahe Deutschland zum Einkauf, ende der Fahnenstange für unsere Detailhändler in der Basler Innenstadt.
    2. Antwort von Urs Petermann  (Rhf)
      @Claudia: ich hoffe, sie müssen nie in ihrem Leben einen pflegebedürftigen Angehörigen betreuen, der nicht gleich in ihrer Stadt lebt! Oder schieben Sie die Person gleich ins APH ab?
    3. Antwort von Mark R. Koller  (Mareko)
      Es fahren längst nicht alle mit Auto in die Stadt, um dort einzukaufen oder zu flanieren. Es gibt auch viele, die aus mannigfaltigen beruflichen Gründen, für einen Besuch von Amtsstellen oder Ärzten vom Land in die Stadt fahren und dort einen Parkplatz benötigen.