Patienten benoten Schweizer Ärzte

Wie zufrieden sind Patienten mit ihrem Arzt, mit ihrer Ärztin? Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, Ihre Meinung dazu via Internet zu sagen? In England sorgt ein Bewertungsportal für Chirurgen jetzt für heftige Diskussionen. Wäre das auch in der Schweiz möglich? Und was halten Mediziner davon?

Mann vor einem Computerbildschirm Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Patienten bewerten ihre Ärzte online. Bald auch in der Schweiz möglich? Keystone

Negative Kritik im Netz sah man bis jetzt bei der Schweizer Ärzte-Verbindung FMH nicht gerne. Nun zeichnet sich aber ein Paradigmenwechsel ab.

Auch die Spitäler wollen Fehlermeldungen machen

4:47 min, aus SRF 4 News aktuell vom 24.11.2014

FMH-Vorstandsmitglied Gert Printzen jedenfalls zeigt sich in dieser Frage offen: «Ich glaube auch, dass wir Ärzte wissen müssen: Was machen wir falsch? Wie können wir lernen?»

Bewertungen über die Qualität von Ärzten durch Internet-Nutzer haben Hochkonjunktur – jedoch bisher nicht in der Schweiz. Hierzulande gibt es gerade mal zwei Portale. Negative Kommentare finden sich in der Schweiz, etwa im Vergleich zu Deutschland, praktisch keine.

Mediziner standen auf der Bremse

Grund dafür seien der strenge Datenschutz und die Schweizer Ärzteschaft, sagt Beat Burger vom Bewertungsportal Medicosearch. «Die FMH hat ihren Mitgliedern empfohlen, quasi gegen Bewertungsportale vorzugehen und hat rechtliche Abklärungen gemacht, das zu stoppen oder zu bremsen.»

Als die ersten Bewertungsportale 2008 in Europa online gingen, war die Schweiz noch vorne mit dabei. Bis die Portalbetreiber von den Ärzten unter Berufung auf den Datenschutz gebremst wurden.

Doch mittlerweile mischen auch grosse ausländische Anbieter auf dem Schweizer Markt mit, auch mit negativen Kommentaren. «Auf Google haben sie auch Bewertungen drauf. Und ich bin überzeugt Einfluss zu nehmen auf eine Bewertung, die bei Google drauf ist, ob fair oder nicht, ob durchgelesen oder nicht durchgelesen, ist sehr sehr schwierig», sagt Burger.

FMH denkt an eigenes Portal

Das Bedürfnis der Patienten, ihren Arzt oder ihre Ärztin zu beurteilen, sei gross, heisst es nun auch bei der FMH. Man denke deshalb über ein eigenes Bewertungsportal nach und darüber, wie man die Qualität und Sachlichkeit des Feedbacks kontrollieren könne, sagt FMH-Vorstandsmitglied Printzen. «Ich gehe davon aus, dass es mittelfristig – ich kann jetzt nicht sagen bereits 2016 – ein Portal gibt. Aber es ist eine interessante Herausforderung, der wir uns stellen.»

Die Diskussion darüber, welche Daten einst Teil eines solchen Portals sein könnten, und vor allem, wer so ein Portal im Namen der Ärzte betreiben und kontrollieren soll, ist damit lanciert.

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