Mehr Festangestellte, auch bei Ausfällen: Die Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) setzen auf flexiblere Arbeitsmodelle. Bei einem Modell erhalten die Festangestellten zusätzlich zum Monatslohn eine Einspringpauschale von 150 Franken, wenn sie für kranke Kolleginnen spontan arbeiten können. Seit Januar 2025 gibt es die neuen Arbeitsmodelle. Das kommt die Klinik günstiger, als wenn sie bei Krankheitsausfällen teureres Personal bei Temporärbüros organisieren und bezahlen müssen. Nebst höheren Löhnen müssen Kliniken dafür auch eine Vermittlungsgebühr bezahlen.
Erste Bilanz positiv: Seit der Einführung dieses Modells habe die Klinik deutlich weniger Temporäre beschäftigt, teilen die Psychiatrischen Dienste mit. «Die Kosten für den Einsatz von Fremdpersonal konnten wir seit der Einführung des 3-Säulen-Modells um 75 Prozent reduzieren», freut sich Aline Montandon, Leiterin des Bereichs Pflege, Bildung und Sozialdienst bei den PDAG. Externe Fachkräfte würden nur noch in Einzelfällen aufgeboten. Mit weniger Temporären, müsse man auch nicht immer neue Personen einarbeiten, sagt Aline Montandon. «Das bringt Ruhe in den Betrieb.»
Das sagt der Personalverband: Die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden sei wichtig, schreibt der Berufsverband der Pflegefachleute SBK. Man begrüsse den Effort der PDAG. Diese flexiblen Arbeitsmodelle würden aber den Fachkräftemangel nicht beheben, hält der Verband fest. Es benötige politisches Engagement von Bund, Kanton und Gesundheitsbetrieben.
Keine Aargauer Erfindung: Das flexible Arbeitsmodell ist keine Erfindung der Psychiatrischen Dienste Aargau. So hat etwa das Spital Bülach ZH im Frühling 2024 ein ähnliches Projekt gestartet. Wer dort mehr Nachtschicht leistet und flexibel einspringt, erhält finanzielle Zulagen.
Ohne geht es nicht: Ganz ohne Temporärangestellte geht es im grossen Aargauer Kantonsspital Aarau (KSA) zum Beispiel aber nicht, heisst es auf Anfrage von SRF. Man versuche aber, Festangestellte zu halten. So probiere man über 60-Jährige mit Freiheiten im Dienstplan länger zu binden, über 65-Jährige länger zu beschäftige. Zudem biete das KSA dem Personal spitaleigene Kitas, damit sie dem KSA als Arbeitgeber länger treu bleiben.