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Pestizid im Trinkwasser Betroffene Gemeinden nehmen Stellung

Nach der Trinkwasser-Messung der «Rundschau» sagen die Gemeinden, das Problem sei bekannt – eine Lösung aber nicht.

In neun von zehn von der «Rundschau» untersuchten Gemeinden liegen die Belastungen durch das Abbauprodukt Sulfonsäure R471811 im Trinkwasser über dem gesetzlichen Grenzwert. Die Gemeinden nehmen hier Stellung.

Kappelen BE: Die Gemeinde weiss schon länger, dass das Wasser mit Chlorothalonil-Abbauprodukten belastet ist. «Das macht uns keine Freude. Das sind Stoffe, die nicht ins Trinkwasser gehören», so Gemeindepräsident Hans-Martin Oetiker. Die Gemeinde will handeln. Kappelen baut eine neue Trinkwasserleitung ins Nachbardorf Worben BE.

Lyss BE: «Eine Massenpanik ist völlig nicht angebracht. Ich trinke weiterhin täglich rund zwei Liter von unseren Hahnenwasser», schreibt Ruedi Eicher von der Energie Seeland AG. «Ihre Messwerte für die beiden Chlorothalonil-Metaboliten decken sich mit den unseren. Persönlich fände ich es sehr bedenklich, wenn Rundschau Messwerte entdeckt, bevor diese durch die verantwortlichen Wasserversorger festgestellt werden.» Man habe die Bevölkerung am 17.01.2020 über die eigenen Messungen informiert.

Video
Chlorothalonil belastet Wasser in über 50 Berner Gemeinden
Aus Schweiz aktuell vom 06.02.2020.
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Derendingen SO: Auch hier wird betont, die Messungen der «Rundschau» würden den eigenen Messungen entsprechen. «Seit der Bekanntgabe der Relevanz dieser Metaboliten haben wir unsere Überwachung und die Messungen in diesem Bereich stark erhöht.» Es gebe aber noch viele Unsicherheiten: «Festzuhalten ist jedoch, dass zum heutigen Zeitpunkt noch keine gesicherten Grundlagen über den Abbau oder zur Beurteilung einer Gefährdung durch solch geringe Mengen vorliegen.»

Langenthal BE: Die regionale Wasserversorgung schreibt: «Wir sind uns seit letztem Sommer bewusst, dass unser Wasser im Bereich des neu geltenden vorsorglichen Höchstwertes «belastet» ist und haben dies u.a. über unseren Internetauftritt bereits Mitte August breit kommuniziert. (…) Konkrete Angaben über gemessene Konzentrationen finden sich direkt bei uns im Internet.»

Die Messungen von «SRF Rundschau»

Frau trinkt an einer Brunnenröhre.
Legende:Keystone

Die «Rundschau» hat die Trinkwasserproben auf Rückstände des Pestizids Chlorothalonil untersuchen lassen. Bei neun von zehn Proben liegen die gemessenen Rückstände über dem gesetzlichen Grenzwert von 0.1 Mikrogramm.

Lesen Sie hier.

Neuendorf SO: «Wir wissen seit Juni letzten Jahres, dass unser Wasser über dem Grenzwert liegt», sagt Robert Gurtner. Eine Lösung sei nicht einfach: «Kurz- und mittelfristig habe ich keine Möglichkeit, hier im Gebiet unbelastetes Wasser zu finden», so Gurtner. Der Präsident der Wasserversorgung Gäu wirft auch die Frage nach der Verhältnismässigkeit auf. Neue Wasserfassungen oder Leitungen zu bauen sei ein grosser Aufwand.

Suhr AG: «Die TBS Wasser AG ist bestrebt die Suhrer Bevölkerung mit einwandfreiem Trinkwasser zu versorgen. Da die von der SRF Rundschau erhobenen Messwerte von den bisher im kantonalen Labor geprüften Proben abweichen, wird die TBS ihre Messungen umgehend wiederholen und dem Sachverhalt genauer auf den Grund gehen.» Die Wasserversorgung schreibt weiter, bei der Umsetzung allfälliger Massnahmen orientiere sie sich an den Weisungen des Bundes und des Kantons.

Hendschiken AG: «In der Gemeinde Hendschiken ist die Chlorothalonil-Problematik bekannt», schreibt der Gemeinderat. Die Gemeinde habe 2019 sämtliche Wassergewinnungsanlagen auf das Abbauprodukt R417888 überprüfen lassen. «Als Sofortmassnahme wurde insbesondere die Nutzung des Grundwasserpumpwerks Grundacher soweit als möglich zurückgefahren.» Zum zweiten Abbauprodukt schreibt die Gemeinde: «Bezüglich des Metaboliten R471811 verweist der Gemeinderat Hendschiken auf die Medienmitteilung, Link öffnet in einem neuen Fenster des Amts für Verbraucherschutz des Kantons Aargau vom 04. Februar 2020. Darin wird der Metabolit R471811 «nach den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht als krebserregend» eingestuft.

Bülach ZH: «Die Stadt Bülach wurde anfangs Februar vom Kantonalen Labor darüber informiert, dass weitere Abbauprodukte (…) von Chlorothalonil auf die Liste der relevanten Metaboliten gesetzt wurden und dass der zulässige Grenzwert für R471811 im Bülacher Trinkwasser überschritten wird.» Man habe die Messergebnisse auf der Homepage der Stadt öffentlich gemacht. «Die Messwerte für R471811 lagen zwischen 0.10 und 0.33 Mikrogramm pro Liter. Das Abbauprodukt R471811 sei von der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) beurteilt worden. «Basierend auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen hat es sich zwar als relevant, aber nicht als krebserregend erwiesen.»

Seuzach ZH: Die Gemeinde schreibt: «Die erfreulichen Messresultate vermitteln ein falsches Bild. Das Gemeindehaus als Probeentnahmestelle wird mittelbar über eine nahe Hauptversorgungsleitung erschlossen. Zum Zeitpunkt der Probenahme befand sich mit grösster Wahrscheinlichkeit unbelastetes Trinkwasser aus der Stadt Winterthur (…) in der Hauszuleitung. Denn um diese Uhrzeit wird täglich Winterthurer Wasser in die Seuzacher Reservoire gepumpt. Das positive Messergebnis ist somit auf besondere Umstände zurückzuführen.»

Volken ZH: Der Gemeinderat von Volken verweist auf das kantonale Labor. «Das kantonale Labor hält im Informationsschreiben fest, dass eine Höchstwertüberschreitung nicht gleichzusetzen ist mit einer akuten Gesundheitsgefährdung beim Genuss des Trinkwassers.» Die Gemeinde wolle aber Massnahmen ergreifen: «Unsere Wasserversorgung wird umgehend Massnahmen prüfen und in Absprache mit den Fachpersonen des AWEL und des Kantonalen Labors umsetzen, mit dem Ziel den Wert unter den Grenzwert zu bringen und die Bevölkerung hierüber wieder aktiv (via Flugblatt und Informationen auf unserer Homepage) informieren.»

«Rundschau»

«Rundschau»

Mehr zum Thema in der «Rundschau» um 20.05 Uhr auf SRF 1.

Rundschau, 27. Mai 2020, 20:05 Uhr

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Strupler  (w.strupler)
    Da verzichten sie (Bevölkerung) auf alle Hormone und Medikamente. Auch da findet man Reste in unserem Wasser und Grundwasser. Warum wird in der Humanmedizin überhaupt Medikamente eingesetzt? Aus dem gleichen Grund wie in der Landwirtschaft Pflanzenschutz betrieben wird. Um die Gesundheit zu erhalten und zu verbessern Pflanzen, Tiere oder Menschen dürfen den gleichen Anspruch haben. Einfach eine kleine Minderheit an den Pranger zu stellen ist für die Medien einfach!
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    1. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      Walter Strupler: Tonnenweise wird Jahr für Jahr CHEMIE durch die industrialiaierte LW, der "Lebensgrundlage" der Bevölkerung (Ökosystem, Umwelt und damit Tier und Mensch) zugemutet! Wer tatsächlich etwas von echter Land-Wirtschaft, den vielfältigen, sensiblen Prozesse im Ökosystem kennt, kommt überhaupt nicht auf die Idee, diesem "CHEMIE" zuzumuten! Diese chemisch-pharmazeutischen "Hilfs-Mittel", sind absolut gesundheits-schädigend für das sensible Ökosystem, Umwelt, Tier und Mensch!
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    2. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      Walter Strupler: Die Schweizer Landwirtschaft, hat den klaren Auftrag, die Bevölkerung zu "ernähren"! Und nicht diese - mit deren "Subventionen zu vergiften!
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Wasser fliesst überallhin, weshalb die "Giftschwemme" gesamtschweizerisch gestoppt werden muss im Mini-Land, welche die "Lebensgrundlage" der Bevölkerung und deren Gesundheit gefährdet, schädigt! Wo bleibt die Verantwortung und Umsicht der Zuständigen, sich um das WOHL der Bevölkerung zu kümmern?
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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    „Die Trinkwasser-Initiative hat schon vor der Abstimmung viel ausgelöst. Die Schweiz könnte künstlichen Dünger morgen verbieten; wir haben genug intensiviert mit importiertem Kraftfutter. Es bringt auch nichts, wenn wir lange darüber streiten, ob Glyphosat gut ist oder schlecht. Die Schweiz kommt problemlos ohne Herbizide aus. Der Biolandbau bietet da raffinierte Techniken als Alternative.“ (Urs Niggli in NZZ, 13.04.2020)
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