Zum Inhalt springen

Header

Audio
«Das Gesundheitspersonal soll nicht ausbaden müssen, was es nicht verschuldet hat.»
Aus Espresso vom 04.06.2020.
abspielen. Laufzeit 04:54 Minuten.
Inhalt

Pflegende und Ärzte vereint Gemeinsam gegen das Nacharbeiten von Corona-Minusstunden

Spitäler mussten während der Coronakrise Personal nach Hause schicken und erwarten nun erhöhte Präsenz.

«Es kann nicht sein, dass Mitarbeitende im Gesundheitswesen, ausbaden müssen, was sie nicht verschuldet haben.» Diese klare Haltung vertritt Marcel Marti, stellvertretender Geschäftsführer des Verbands Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte VSAO. Zusammen mit dem Berufsverband der Pflegenden SBK, wendet er sich an die Schweizer Spitäler.

«Gewisse Spitäler setzen sich über den rechtlichen Rahmen hinweg»

«Grundsätzlich ist das Nacharbeiten von Arbeitsstunden zu unterlassen», heisst es im Brief, der dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 vorliegt. Auf Anfrage ergänzt Jean-Pière Wagner vom SBK, dass man die Spitäler daran erinnern wolle, wo die rechtlichen Grenzen gesetzt seien: «Leider müssen wir gewisse Institutionen daran erinnern, sich an die rechtlichen Rahmenbedingungen zu halten.» Die Tendenz sei, dass sich gewisse Spitäler über gesetzliche Rahmenbedingungen hinwegsetzten.

Die Minusstunden beim Gesundheitspersonal, so eine ergänzende Forderung, seien «ausdrücklich» als sogenannter Annahmeverzug zu registrieren. So wie es im Arbeitsgesetz geregelt sei. «Das unternehmerische Risiko, das Gesundheitspersonal nicht beschäftigen zu können, muss der Arbeitgeber tragen», erklärt Marcel Marti vom VSAO.

Spitalverband will weiter verhandeln

Der Verband der Spitäler H+ will «Espresso» kein Interview geben. Schriftlich teilt die stellvertretende Direktorin mit, dass der VSAO gemeinsame Gespräche in dieser Sache abgebrochen habe. «H+ hat Verständnis für das eilige Vorgehen des VSAO, will aber zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Kommentare abgeben, um die Chancen beim Neuanfang der Verhandlungen nicht zu kompromittieren.»

Gesundheitspersonal als Manövriermasse

Die Arbeitsbedingungen im Pflegeberuf und auch bei gewissen Ärztegruppen ist seit Jahren ein Thema. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei nur schwer gegeben. Wenn nun das Gesundheitspersonal unverschuldete Minusstunden nacharbeiten müsste, sei dies eine Zumutung. Mit einer solchen Idee würden Spitäler dem Gesundheitspersonal signalisieren: «Du bist eine frei verschiebbare Manövriermasse», sagt Jean-Pière Wagner vom Pflege-Berufsverband. «Das ist ein absoluter Motivationskiller.»

Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

Espresso, 04.06.2020, 08:13 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

29 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Samuel Herrmann  (Samuel Herrmann)
    @SRF
    Viele Arbeitsverträge sehen das Anordnen & Nacharbeiten von Minusstunden vor. Sind diese Klauseln allgemein oder speziell jetzt ungültig? Aufgrund diese Artikels kann ich mir keine Meinung bilden, was jetzt rechtlich Bestand hat.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Samuel Herrmann
      Besten Dank für Ihre wertvolle Beteiligung an der Diskussion. Der Autor des Artikels meint dazu:
      Rechtsgelehrte sagen uns, dass es sich bei Art. 324 OR um eine sogenannte relativ zwingende Bestimmung handelt; was heisst, dass von dieser weder durch Abrede, noch Gesamtarbeitsvertrag abgewichen werden kann (Art. 362 Abs. 1 OR). Damit ist und bleibt es grundsätzlich nicht zulässig, Arbeitnehmer Minusstunden abarbeiten zu lassen, die durch einen Umstand bedingt wurde, der ins Unternehmerrisiko fällt – wie die Corona bedingten Ausfälle an Spitälern. Aus Sicht einer Arbeitnehmerin ist zudem festzuhalten, dass bei Jahresarbeitszeit, die Arbeitnehmerin mitbestimmen kann, wann sie diese Arbeitszeit abarbeiten will. Es ist nicht am Arbeitgeber, dies einseitig zu verordnen. Gerne verweisen wir auch auf den bereits ausgestrahlten Beitrag zum Thema: https://www.srf.ch/news/schweiz/pflegepersonal-gefrustet-wegen-corona-zwoelf-stunden-schichten-im-operationssaal
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Da kann es nur ein sehr deutliche und radikale Antwort geben. Arbeitsniederlegung!!
    Ich schätze nach etwa 4 tagen sind die CEO's , Politiker und sonstige verantwortlichen vernünftiger sind.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Margrit Holzhammer  (Margrit Holzhammer)
      @Jeanôt Cohen: Ich freue mich schon lange, bis ich einen Generalstreik des Pflegepersonals auf die Beine stellen kann!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Ruedi Brunner  (hier und jetzt)
      Noch besser wäre, dass alle Pflegefachpersonen zusammen eine Kollektivkündigung machen würde. Dann kommt es gar nicht zu einem Streik. und schon gar nicht zu einer Kündigung. Die Schweizer Regierung muss endlich vernünftig werden. Wir sind eines der reichsten Länder der Welt, sagt man immer. Oder stimmt es eventuell doch nicht so ganz???????
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Margrit Holzhammer  (Margrit Holzhammer)
      @Ruedi Brunner: Kollektivkündigung! Das tönt SUPER! Ich bezweifle aber, dass da viele mitmachen würden. Angenommen, ALLE würden mitmachen, das Pflegepersonal wäre an der Macht!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beat Stocker  (Beat Stocker)
    Nacharbeiten verordneter Minusstunden ist unhaltbar; dafür ist die Anmeldung zur Kurzarbeit da. Spitäler, welche dieses Mittel nicht wähl(t)en können diese Kosten nicht auf die Arbeitnehmer abwälzen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen