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«Das System steht vor dem Kollaps»
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 02.09.2021.
abspielen. Laufzeit 06:56 Minuten.
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Pflegenotstand In Bern droht die psychiatrische Akutversorgung zu kollabieren

Im Kanton Bern mussten zwei Akutabteilung im Bereich Psychiatrie geschlossen werden – wegen Personalmangels.

Hat jemand ein akutes psychisches Problem, wird er oder sie in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen. Im Kanton Bern fehlt es aber zusehends an geeigneten Plätzen. Der Grund: Es fehlt an Ärztinnen und Ärzten, aber auch an Pflegenden. Dieser Personalmangel führte dazu, dass im Psychiatriezentrum Münsingen PZM und bei den Universitären Psychiatrischen Diensten UPD in Bern je eine Akutabteilung für Erwachsene geschlossen werden musste.

Es fehlen 80 Betreuungsplätze

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Durch die Schliessung dieser Abteilungen im Psychiatriezentrum Münsingen PZM und bei den Universitären Psychiatrischen Diensten UPD fehlen im Kanton Bern 80 Betreuungsplätze. Das sind über 10 Prozent des bisherigen Angebots.

Laut Thomas Reisch, ärztlicher Direktor des Psychiatriezentrums Münsingen, liegt ein Grund für die vielen Personalabgänge in der Arbeitsbelastung durch besonders schwere Fälle. «Mit dem Ziel, das Stigma der Patienten zu verringern, versucht man, diese in den psychiatrischen Diensten der Regionalspitäler zu behandeln. Da diese aber meist nicht alle behandeln können, führt das dazu, dass die besonders schweren Fälle zu uns in die Klinik kommen.» Die Ballung dieser schweren Fälle mache das Arbeitsumfeld in den Kliniken schwierig und unattraktiv.

Das kann auch zu schwierigen Situationen führen, wo wir die Hilfe der Polizei in Anspruch nehmen müssen.
Autor: Thomas Reisch Ärztlicher Direktor Psychiatriezentrum Münsingen

Wenn mehrere schwerkranke Patienten zusammen seien, könne es auch öfters zu Gewalt kommen. «Das kann auch zu schwierigen Situationen führen, wo wir die Hilfe der Polizei in Anspruch nehmen müssen», so Reisch.

Harter Kampf um das Personal

Die Schliessung der zwei Akutabteilungen führt dazu, dass die übrigen Stationen mehr Patienten aufnehmen sollten. Dadurch wird auch dort theoretisch mehr Personal benötigt. Das Gerangel um das Personal sei gross, sagt Thomas Reisch: «Früher war das der Kampf um die Besten. Jetzt kämpft man bereits um die, die sich überhaupt bewerben.» Die Situation sei aber nicht nur in Bern, sondern auch in anderen Kantonen prekär.

Das Psychiatriezentrum Münsingen will nun im deutschsprachigen Ausland Personal rekrutieren. So hoffe man, dass die geschlossene Abteilung im Oktober wieder aufgehe, aber bestimmt noch nicht mit der vollen Kapazität, sagt Reisch. Wann die geschlossene Akutabteilung der Universitären Psychiatrischen Dienste in Bern wieder aufgeht, ist noch offen. Die Rekrutierung des Personals sei in vollem Gange, heisst es dort auf Anfrage.

Psychiatriezentrum Münsingen PZM

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Legende: Keystone

Das Psychiatriezentrum Münsingen gilt mit rund 3100 Behandlungen pro Jahr für Erwachsene Personen als eines der grössten der Schweiz und besteht seit 125 Jahren.

Momentan würden alle, die irgendwie ambulant behandelt werden können, von den Kliniken abgewiesen, was auch die Beziehung zu den einweisenden Ärztinnen und Ärzten belaste, sagt Thomas Reisch, ärztlicher Direktor des Psychiatriezentrums Münsingen. «Das ist ein Problem und hilft dem Gesamtsystem nicht. Man sieht momentan ein Bild eines Systems kurz vor dem Kollaps.»

SRF 1, Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 02.09.2021, 17:30 Uhr;

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42 Kommentare

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  • Kommentar von Manuel Carusone  (MaCa92)
    Ich arbeite seit beinahe 5 Jahren mit Herzblut in der Psychiatrie (grosser Player) im Kanton Bern und verdiene denselben Lohn wie an meinem ersten Arbeitstag. Bei den Lohnverhandlungen beim MAG heisst es durch die Blume "wenn es dir nicht passt, dann künde halt". Für einen ganzen Tag Pikett erhalte ich Fr. 30.--, dies nach einer absolvierten höheren Fachschule von 3 Jahren nach der Lehre.

    Was in anderen Branchen undenkbar bzw. ein schlechter Scherz wäre, ist in dieser Branche Realität.
  • Kommentar von Andreas Wiedler  (infonews)
    Der Appell darf nicht lauten "Wir brauchen mehr Pflegepersonal", nein, er muss lauten "Lasst uns in Zukunft die Anzahl der psychisch Angeschlagenen reduzieren"! Vergleich: Wenn die Strassen immer voller werden, hilft es auf Dauer auch nicht, mehr Strassen zu bauen. Das geht aber leider nicht, da wir auf die Schiene: Ungebremstes Wirtschaftswachstum, Kita, Frühkindergarten, Retortenbabys, grenzenlose Geschlechteranpassung setzen.
  • Kommentar von Patrick Meier  (Pat69)
    (1/2) In vielen Kommentaren wird gefordert, dass das Gesundheitswesen nicht kaputtgespart werden, bzw. ausgebaut werden soll. Ich selber möchte im Bedarfsfall auch gut und kompetent behandelt werden. Das ist aber nur die eine Seite der Medallie. Die Krankenkassenprämien steigen jährlich überproportional. Teilweise ist die zunehmende Alterung daran schuld und das wird die nächsten 20 Jahre nicht besser. Wer über Leistungen redet, muss auch über Finanzierung reden.