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Pilotprojekt im Asylzentrum Wie die muslimischen Seelsorger arbeiten

Legende: Audio Erfahrungen mit Seelsorgern für Asylsuchende abspielen. Laufzeit 06:26 Minuten.
06:26 min, aus Rendez-vous vom 16.02.2018.

Die Barackensiedlung des Bundesasylzentrums im Zürcher Industriequartier wirkt an diesem kaltnassen Nachmittag noch trostloser als sonst schon. Auch der Ort, an dem die Bewohnerinnen und Bewohner des Asylzentrums Trost finden können, ist einfach eine schmucklose, graue Baustellen-Baracke. «Der Ort ist nicht gerade spirituell», sagt auch Seelsorgerin Belkis Osman-Besler. Es gibt einen Spielraum mit Billardtisch und Töggelikasten, daneben kommt der Fitnessraum. Nebenan ist die Schule. «Mittendrin sind wir, die Seelsorge. Bei uns kann man anklopfen, wenn wir da sind», sagt Osman.

Zwei Tage in der Woche ist Zürcher Religionspädagogin mit türkischen Wurzeln als Seelsorgerin hier tätig. Ihr Arbeitsort ist ein schlichter Raum mit drei gepolsterten Stühlen, einem elektrischen Heizkörper und einem Salontisch. «Taschentücher sind wichtig, denn ab und zu weinen die Leute.»

Sie fallen in ein tiefes Loch. Sie da wieder herauszuholen, ist eine grosse Arbeit.
Autor: Belkis Osman-BeslerMuslimische Seelsorgerin

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Zentrums berichten von Flucht- und Kriegserlebnissen, vom Zusammenleben im Zentrum, von der Angst, der Asylantrag könnte nicht angenommen werden. «Das sind die schweren Fälle», erklärt die Seelsorgerin. «Sie fallen in ein tiefes Loch. Sie da wieder herauszuholen, ist eine grosse Arbeit.»

Muslime vertrauen eher Muslimen

Die Korane und Bibeln im Büchergestell kommen kaum je zum Einsatz. Sowieso gehe es in den Gesprächen eigentlich nie um Religion direkt, so Osman. Aber es sei trotzdem wichtig, dass sie und ihre beiden Seelsorgekollegen eben Muslime seien und arabisch sprechen würden: «Es bildet sich eine andere Basis, wenn sie sehen, dass die Seelsorger auch Muslime sind. Das Vertrauen ist viel schneller da.»

Legende: Video Keine muslimische Seelsorge mehr für Asylsuchende abspielen. Laufzeit 02:19 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.02.2018.

Die Gespräche unterstehen der seelsorgerischen Schweigepflicht. Diese gelte allerdings nicht, wenn die Seelsorger zum Beispiel konkrete Hinweise auf dschihadistische Tendenzen eines Bewohners hätten, so Osman. «Ich hatte noch nie einen solchen Fall.»

Wenn ich merken würde, dass jemand etwas in Planung hat, könnte ich das mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren. Wir wären dann vom Seelsorgegeheimnis entbunden.»

Ein Seelsorge-Café ist geplant

Gemäss dem Evaluationsbericht des Bundes leisten die muslimische Seelsorger einen wichtigen Beitrag, um Extremismus den Nährboden zu entziehen und sie trage zu einem guten Zusammenleben im Asylzentrum bei. Nun muss geklärt werden, wie die muslimische Seelsorge weiterhin organisiert und betrieben werden kann.

Osman kann sich vorstellen, dass sich auch nach dem Ende des Seelsorge-Pilotprojekts weiterhin freiwillig im Zentrum zu engagieren.

«Wir haben vor, mit den anderen Seelsorgern zusammen ein Café aufzubauen. Ich werde bestimmt weiter dabei sein.»

So werden die 300 Asylsuchenden im Bundesasylzentrum Zürich, viele mit einer ungewissen Zukunft, weiterhin jemanden haben, der ihrer Seele Sorge trägt.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz Piccolruaz (picco bello)
    Dass die Seelsorger auch Muslime sind, ist wichtig, weil im Koran beispielsweise geschrieben steht, dass Juden, Christen und sonstige Ungläubige nicht Menschen seien, sondern schlimmste Tiere (Koran 8,55), welche einem Gläubigen niemals Mitmensch sein können (Koran 4,89), sondern nur Ausbeutungs-Objekt (Koran 33,27).
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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Muslimische Seelsorge ist wichtig und sollte man mehr unterstützen. Als Christ wäre ich einem christlichen Pfarrer auch aufgeschlossener als einem muslimischem Imam. Es ist aber auch eine Tatsache, dass keine religiöse Gemeinschaft sich so schwer tut mit der Integration in der Schweiz wie Muslime. Das sagen selbst weltoffene Muslime in meinem Freundeskreis und ich kann selbst genügend Beispiele aus der Arbeit und dem Zusammenleben nennen.
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  • Kommentar von Ida Fischer (Ida Fiischer)
    Ist es die grundlegende Unvereinbarkeiten und Heterogenität an denen die bisherige Integrationspolitik in Europa scheitert. Alle sprechen von der Opferrolle der Asylanten durch religiöse Diskriminierung und Ausgrenzung. Interessantes hierzu https://www.youtube.com/watch?time_continue=1&v=Z6_36j0EW_Y Forderungen an die Muslime zu stellen wenn sie hier in unserem Land leben wollen scheint nicht gewollt. Unter den Dauerempörten belegen Muslime weltweit sicherlich den ersten Platz.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Ich sehe in dem Video ein Rechtspopulist, der fake news verbreitet und der Kommentar der Diskussionspartner wird zensuriert. Die Antworten werden abgeschnitten ausgerechnet auf einem Kanal, der sich uncut-news nennt. Wenn das nicht Realsatire ist...
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    2. Antwort von robert mathis (veritas)
      Herr Müller ich habe im Video keinen Rechtspopulisten gesehen der fake news verbreitet, in welchem Video bitte klären Sie mich auf....
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    3. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Hier macht wieder mal jemand unfreiwillig Werbung für ein Nein bei der No-Billag Initiative.
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