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Premiere in Buchs: Wasserstoffherstellung aus Abfall
Aus Rendez-vous vom 20.08.2021.
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Pionierprojekt in Buchs AG Abfallverbrennung: Statt Strom gibt es Wasserstoff für Fahrzeuge

Die Kehrichtverbrennungsanlage Buchs im Aargau will gezielt zu gewissen Zeiten Strom speichern. Ein Novum.

Meist verwerten die Kehrichtverbrennungsanlagen in der Schweiz nicht bloss Abfall, sondern produzieren auch Strom. Sie liefern zwei Prozent der Schweizer Gesamtenergie. Für viele von ihnen stellt sich aber ein Problem: An sonnigen Tagen können sie ihren Strom nicht mehr gewinnbringend ins Stromnetz einspeisen. An diesen Tagen steht nämlich sehr viel Strom aus Sonnenenergie bereit.

Strom aus Abfall, das funktioniert so: Bei der Verbrennung in den Öfen steigen die Temperaturen bis auf 1000 Grad an. Die Hitze wird genutzt, um im Kessel Wasser in Dampf zu verwandeln. Dieser Dampf wird dann für die Fernwärme verwendet und zusätzlich mittels Turbine und Generator in elektrische Energie umgewandelt.

Nun will die regionale Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) im Aargauischen Buchs zu Spitzenzeiten den überschüssigen Strom für die Produktion von Wasserstoff nutzen. Diesen können Fahrzeuge, die mit dieser Art von Treibstoff fahren, tanken. Mit dem Bau der Wasserstoffanlage ist die Aargauer KVA die erste Kehrichtverbrennung, die diesen Weg geht.

Überregionale KVA Buchs

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  • Die Kehrichtverbrennungsanlage Buchs verwertet Abfall aus der Region Aarau-Lenzburg mit total 83 Verbandsgemeinden.
  • 2020 hat sie 137'000 Tonnen Abfall verbrannt, ein Rekord.
  • Die KVA Buchs liefert zwischen 65 und 68 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr.

Die Idee: Wenn man den aus der Abfallverbrennung produzierten Strom zwischenspeichern kann, dann muss ihn die KVA nicht zu tiefen Preisen loswerden. «Statt dass wir einen negativen Stromtarif zahlen, wandeln wir den Strom in Gas um, das wir dann lagern können», erklärt der Betriebsleiter der KVA Buchs, Rolf Schuhmacher. Während rund 4000 Stunden im Jahr würde der Strom in Wasserstoff umgewandelt.

Statt dass wir einen negativen Stromtarif zahlen, wandeln wir den Strom in Gas um.
Autor: Rolf Schuhmacher Betriebsleiter KVA Buchs

Zusammen mit der Firma Hitachi Zosen Inova AG soll die Power-to-Gas-Anlage entstehen. Geplant ist eine Anlage samt Abfüllstation. Rund 200 Tonnen Wasserstoff sollen pro Jahr produziert werden. Damit könnte ein mit Wasserstoff betriebenes Auto rund 20 Millionen Kilometer weit fahren. Wer den Wasserstoff in Buchs abnehmen soll, ist noch nicht definitiv geklärt. Die Verhandlungen laufen.

Legende: Wasserstoff-Produktionsanlage von Hydrospider beim Wasserkraftwerk der Alpiq in Gösgen. So ähnlich könnte jene in Buchs aussehen. Auch hier sind Container geplant. Mario Gutknecht/SRF
    Die geplante Wasserstoffanlage in Buchs funktioniert vereinfacht erklärt so: In die Wasserstoffanlage gelangt Wasser plus Strom. Wasser- und Sauerstoff werden hier getrennt. Der Sauerstoff geht in die Umgebung, der Wasserstoff wird verdichtet und kann gespeichert werden. Um den unregelmässigen Gebrauch der Anlage – je nach Strompreis läuft sie oder nicht – zu testen, ist eine Testphase von rund drei Jahren geplant.

Ausgezeichnetes Solothurner Gas-Projekt

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Der Solothurner Stromversorger Regio Energie hat die Umwandlung von Strom in Gas in einem Testbetrieb vorgemacht. Der Energieversorger investierte in einen Stromspeicher. Dieser wandelte überschüssigen Strom in Wasserstoff um, mit der Hilfe von Urbakterien.

Das Stadtwerk der Regio Energie gewann dafür den Schweizer Energiepreis «Watt d'Or» im Bereich erneuerbare Energien. Beim Projekt produzierten spezielle Urbakterien aus Sonnenstrom speicherbares Methangas. Ende 2020 ist das Projekt allerdings wie geplant zu Ende gegangen.

Gegen das Bauvorhaben der Wasserstoffanlage in Buchs sind keine Einsprachen eingegangen. Die KVA kann also loslegen. «Das Ziel ist, dass wir in einem Jahr die Anlage in Betrieb nehmen können.» Im Januar 2023 soll der Wasserstoff für Fahrzeuge dann verfügbar sein, sagt KVA-Betriebsleiter Schuhmacher. Auffällig ist die Anlage nicht: Zu sehen wären mehrere Container, ähnlich wie man das von Wasserstoff-Tankstellen oder ähnlichen Projekten von Schweizer Stromfirmen kennt.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 16.08.2021, 06:31 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Gerry Hess  (Hegard)
    Bravo
    Un so könnten die Bauern mit Biogasanlagen mithelfen und das Güllenproplem wäre dann auch weg.
    Sie könnte dann mit dem Humus die Erde nähren.
    Humus verkaufen
    Nicht mehr pflügen,dafür eggen und dieselsparen
    Auch die Grünapfälle könnte dadurch in Energie umgewandelt werden.usw
  • Kommentar von Dani Keller  (¯\_(ツ)_/¯ ____)
    KVA liefern übrigens wichtige Bandenergie wie AKW. Und AKW Bandenergie haben wir mit mit jeder Abschaltung weniger. In diese Lücke muss vermehrt KVA Strom springen. Wieso man jetzt genau KVA Bandenergie mit H2 Herstellung "vernichten" muss, ist rätselhaft. Wenn man schon H2 produzieren will, dann aus schwankender Energieproduktion wie PV.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Wenn wirklich nur zu Überschusszeiten H2 produziert würde, täte es keine Rolle spielen ob der Strom für das H2 aus der KVA oder der PV stammt.
  • Kommentar von Dani Keller  (¯\_(ツ)_/¯ ____)
    Eine kleine Anmerkung: "überschüssigen" Strom, oder gar negative Strompreise wird es in Zukunft immer weniger geben. Denn genau diesen Strom werden künftig immer mehr E-Autos absorbieren. Die können nämlich dann geladen werden, wenn zuviel Strom im Netz ist.