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Der Taxi-Dienst versichert seine Fahrer kollektiv
Aus Tagesschau vom 29.05.2019.
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Plattform-Ökonomie Uber prescht mit Versicherung für Fahrer vor

Es ist in der Schweiz ein Novum: Uber versichert seine Fahrer kollektiv. Die Gewerkschaften freut das keineswegs.

So etwas gab es in der Schweiz wohl noch nie: Der Fahrdienst Uber wird sämtliche Uber-Fahrer ab sofort privat kollektiv versichern. Das neue Partnerschutz-Programm liegt der «Tagesschau» vor.

1000 Franken Elterngeld

Die Versicherung bei «AXA XL» gilt schon seit gestern. Sie versichert die geschätzt rund 2500 Fahrer in der Schweiz unter anderem gegen Unfall, Dauerinvalidität und bei Tod durch Unfall. Allerdings gilt dies nur, wenn das Ereignis während einer Fahrt auftritt.

Für regelmässige Fahrer (mindestens 150 Fahrten in 8 Wochen) gibt es darüber hinaus bei schwerer Krankheit während maximal 15 Tagen eine Entschädigung von 80 Franken pro Tag. Weiter wird sogar ein einmaliges Elterngeld von 1000 Franken für Mütter und Väter ausbezahlt.

Luisa Elster, Mediensprecherin von Uber Schweiz, sagt: «Jeder Fahrer ist während der Fahrt automatisch abgesichert. Mit dieser neuen Versicherung, die für sie gänzlich gratis ist, können wir unseren Partnern Schutz bieten.»

Uber: «Flexibilität und Sicherheit zugleich»

Allerdings: Vor kurzem hat das Arbeitsgericht Lausanne in einem Fall erstinstanzlich befunden, dass Uber der Arbeitgeber eines Fahrers sei – mit den entsprechenden Pflichten. Dass die Versicherung gerade jetzt komme, habe damit aber nichts zu tun, sagt Elster.

«Wir haben uns schon vor längerer Zeit dafür entschieden und in Europa gibt es das schon vielerorts. Damit können wir jetzt auch in der Schweiz zeigen, wie man auch ausserhalb des klassischen Anstellungsverhältnisses Flexibilität als auch Unabhängigkeit und Sicherheit miteinander vereinen kann. Das hat es in dieser Form in der Schweiz noch nicht gegeben», erklärt Elster. Es werde auch keine Erhöhung der Abgaben seitens der Fahrer geben.

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«Es ist festzustellen, dass Uber weiterhin Katz und Maus spielt.»
Aus News-Clip vom 29.05.2019.
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Unia: «Umgehung der Arbeitgeber-Pflichten»

Die Gewerkschaft Unia reagiert alles andere als begeistert. Roman Künzler, Verantwortlicher Transport, sieht die Versicherung als Versuch, die Arbeitgeber-Pflichten zu umgehen: «Das Gericht hat es bestätigt: Uber muss die Fahrer anstellen. Die Versicherungsleistungen stehen den Fahrern und Fahrerinnen also ohnehin zu – und das in erheblich grösserem Umfang. Uber muss zudem Beiträge für Altersvorsorge, IV, Arbeitslosenversicherung und die Pensionskasse zahlen. Dieses Geschäftsmodell höhlt den Sozialstaat aus».

Selbstverständlich geht der Schutz eines solchen Versicherungsangebots weniger weit als jener eines Arbeitnehmers; aber wesentliche Aspekte werden immerhin teilweise abgesichert.
Autor: Thomas GächterProfessor für Sozialversicherungsrecht

Thomas Gächter, Professor für Sozialversicherungsrecht an der Universität Zürich, sieht indes in der privaten Versicherung «jedenfalls einen Fortschritt» gegenüber der vorherigen Situation. Er sagt: «Selbstverständlich geht der Schutz eines solchen Versicherungsangebots weniger weit als jener eines Arbeitnehmers; aber wesentliche Aspekte werden immerhin teilweise abgesichert.»

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21 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Wer in der Schweiz Geld verdient bzw. ein Gewerbe betreibt für den müssen die gleichen Gesetzes-Regeln gelten mit allem was dazu gehört, ohne Ausnahme. Abzug der Sozialleistungen und PK, KK-TG wie bei jedem Arbeitnehmer in der Schweiz, ansonsten wird der Sozialstaat CH ausgehöhlt. Im Alter müssten dann viele EL beantragen, weil sie schlecht versichert waren und zu wenig einbezahlt haben. Das darf nicht sein, Mehrkosten für den Steuerzahler. Gleichlange Spiesse für alle, auch für UBER!
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  • Kommentar von Max Blatter  (maxblatter)
    Als Freischaffender, der sein Einkommen sowohl aus Anstellungsverhältnissen wie auch aus selbstständiger Tätigkeit bezieht, kenne ich das Problem bestens: Manche Arbeitgeber (sogar öffentlich-rechtlich organisierte) bewegen sich da ziemlich unbekümmert im Graubereich zwischen den beiden Organisationsformen. Eigentlich gibt es meines Wissens klare gesetzliche Vorgaben, aber sie werden m.E. zu wenig konsequent durchgesetzt.
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Plattform-Ökonomie: Diese geht meine Ansicht nach in zwei Formen des digitalen Nutzens von Menschen und Konzernen unterteilt:
    1) Die Wirtschaft des Teilens und Weitergebens und zur Verfügungstellens
    2) Die Wirtschaft der Aneignung von Gemeingüter, möglichst anonym und ohne soziale und gesellschaftlichen Verantwortungen und ohne Gegenleistungen erbringen zu wollen.
    Ersteres dient dem Gemeinwesen, letzters ist einfach die digitalisierte Form von Raubrittertum.
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    1. Antwort von hans schwarz  (ks)
      hab noch nie eine Plattform gesehen, die sich Gemeingüter aneignet
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    2. Antwort von Stefan Huwiler  (huwist)
      @Hans Schwarz: Auf wessen Strassen fahren die Uber Autos, werden diese E-Scooter abgestellt, die ganz Zürich vollmüllen? Und auch AirBnB Vermieter sparen sich fast flächendeckend die Kosten für Kurtaxen und Steuern, obwohl sie von der staatlichen Infrastruktur profitieren.
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