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Verwässerte Grenzen zwischen Bericht und Werbung
Aus Echo der Zeit vom 18.12.2019.
abspielen. Laufzeit 03:32 Minuten.
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Platzierte Werbung Druck auf die Verlage nimmt weiter zu

Vermischungen von redaktionellem Inhalt und Werbung gibt es immer öfter, so der Presserat. Ändern tut sich kaum etwas.

Ein Medium sollte journalistischen Inhalt und Werbung trennen – so steht es im Journalistenkodex. Nur: Der Druck im Verlagswesen überhaupt noch Geld zu verdienen, ist gross. Und damit steigt auch der Druck, diesen Kodex zu brechen. Jüngstes Beispiel: «Die NZZ am Sonntag».

Die Zeitung ist bekannt für ihre guten Hintergrund-Geschichten. Meist gross aufgemacht, mit den für die Zeitung so typischen Grafiken. Nur – nicht überall wo Hintergrund draufsteht, ist offenbar auch Hintergrund drin.

Zeitung.
Legende: So kam der Artikel am 2. Juni daher. NZZ

Am 2. Juni 2019 erschien ein Beitrag mit dem Titel «Superheld Schweinefleisch» – aufgemacht wie ein Hintergrundartikel – aber mit einem Hinweis im Header und am Ende: «Sponsored Content für Pro Viande». Platzierte Werbung also statt journalistischer Hintergrund.

Zeitungsartikel.
Legende: Auch am Schluss des Artikels der Hinweis, dass es sich um einen «Sponsored Content» handelt. Suisseporcs

Das sei irreführend, fanden zwei Leserinnen und haben sich beim Presserat beschwert. Der Presserat, unter der Leitung von Max Trossmann, gab den Beschwerdeführerinnen recht: «Der bezahlte Inhalt ist nicht einmal auf den zweiten Blick als bezahlter Inhalt und Werbung erkennbar.»

Viele Redaktoren halten sich aber nicht daran, weil sie wegen der Finanzierung unter Druck stehen.
Autor: Vinzenz WyssMedienwissenschaftler

Werbung – so verlangt es der Kodex für Journalistinnen und Journalisten, muss optisch klar unterscheidbar sein. «Wenn das nicht der Fall ist, müsste es gross und deutlich als Werbung, Anzeige oder ‹Bezahlt von› angeschrieben sein. Nicht mit dem verschleierten Begriff ‹Sponsored Content›.» Bei der NZZ selbst ist man anderer Meinung. Der Artikel sei klar als Werbung erkennbar gewesen.

Tendenz erkennbar

Die Diskussion wirft ein Licht auf ein Problem im Schatten des Journalismus, das sich in den vergangenen Monaten offenbar akzentuiert hat. Die Vermischung von journalistischem Inhalt und Werbung habe zugenommen, sagt Ursina Wey, Geschäftsführerin des Presserates: «Es sind diverse Beschwerden hängig. Da ist eine klare Tendenz erkennbar.»

Es ist auch nicht das erste Mal, dass sich der Presserat zum Thema äussert. Schon in den vergangenen Monaten gab es diverse Stellungnahmen. Nur: Bewirkt haben sie offenbar nicht viel.

Zweifel an Wirkung des Urteils

Auch diese Stellungnahme werde daran kaum etwas ändern, sagt der Medienwissenschaftler Vinzenz Wyss: «Ich zweifle daran, dass dieses Leiturteil Signalwirkung haben wird.» Der Presserat habe verschiedentlich auf Missstände hingewiesen. «Viele Redaktoren halten sich aber nicht daran, weil sie wegen der Finanzierung unter Druck stehen.» Eine Situation, die sich in absehbarer Zeit nicht wesentlich ändern dürfte.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Wer liest und glaubt überhaupt noch an Informationen, welche über Werbung finanziert werden?
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  • Kommentar von Nico Basler  (Bebbi 1)
    Wenn man sich die fundierte Studie der Uni ZH " Medien Qualität 2019" zu Gemüte führt, wird klar, dass aufgrund des sich wandelnden Informationsverhaltens die klassischen Medien bis in 10-15 Jahren unbedeutend sein werden. Das erklärt auch die aktuell um sich greifende aktionistische Hektik, das Bigdatafishing mittels Pseudo-Leserumfragen und das Abdriften in den Revolverblatt-Journalismus. Die würden sich besser Gedanken machen, wie sie über die neuen Medien die junge Generation erreichen.
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  • Kommentar von Sebastian Demlgruber  (SeDem)
    Eine Sauerei. Die Formen journalistischer Prostitution werden immer trister. Dem alten Nimbus der NZZ als seriöses, liberal-konservatives Qualitätsblatt dient diese Schweine-Reklame sicher nicht. Und wer anscheinend mit seiner Berichterstattung gerade im deutschen Rechtsradikalen- und AfD-Milieu auf Applaus und offene Portemonnaies stösst, braucht sich über schwindende Schweizer Abonnentenzahlen nicht zu wundern.
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