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In Muri dreht der politische Wind: Die Gemeinde rückt nach links
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 05.03.2021.
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Politische Veränderung Berns Agglomeration rückt nach links

Bisher galten die Berner Vorortsgemeinden als bürgerliche Hochburgen. Das hat sich geändert. Wir erklären, wieso.

Früher war die politische Landkarte in und rund um Bern ziemlich klar unterteilbar: Die Stadt ist und wählt links, das Land ist und wählt eher bürgerlich. Doch die Grenzen zwischen der Stadt Bern und ihren elf Agglomerationsgemeinden verfliessen immer mehr.

Dass sich die Agglomeration verändert, wirkt sich auch auf der politischen Ebene aus. Plötzlich haben die Bürgerlichen nicht mehr nur das Sagen, sondern Mitte- und Links-Politikerinnen und -Politiker.

Diese Entwicklung ist auch in Muri zu beobachten, in der Gemeinde, die lange als liberale Hochburg der Wohlhabenden galt. Die Steuern sind tief, die Konten einiger Bewohnerinnen und Bewohner gut gefüllt. Doch der politische Wind hat vor ein paar Monaten gedreht: Seit dem Herbst 2020 gibt es im Gemeinderat eine Mitte-Links-Mehrheit und gleichlange Spiesse zwischen links und rechts im Parlament.

Drohnenaufnahme der Gemeinde Muri Gümligen.
Legende: Die Grenze zur Stadt Bern ist nicht mehr so sichtbar wie früher. zvg

«Ich glaube, die Gemeinderatssitzungen dauern jetzt länger als früher», sagt die frischgewählte Gemeinderätin Carole Klopfstein (Grüne). «Man geht jetzt bei der Diskusion mehr in die Tiefe, als wenn die Meinungen schon gemacht sind.»

Auch Gemeindepräsident Thomas Hanke (FDP) beobachtet einen neuen Einfluss: «Dass es neue Gesichter hat im Gemeinderat, das spürt man. Egal von welcher Partei sie kommen.» So gäbe es neue Ideen.

Dieser frische Wind tut uns gut.
Autor: Thomas HankeGemeindepräsident Muri Gümligen

Die Gemeinde hat sich in den letzten Jahren stark verändert, jetzt gäbe es einen Generationenwechsel. Linke und grüne Anliegen finden bei den gut 12'000 Einwohnerinnen und Einwohnern der Vorortsgemeinde immer mehr Anklang.

Der Grund des Wandels

Diese Trendewende beobachtet Politgeograf Michael Hermann mit grossem Interesse. «Nirgends ist dieser Wandel so klar sichtbar wie in den Berner Vorortsgemeinden.» Hermann nimmt an, dass sich dies so schnell nicht ändern wird und dass die Bürgerlichen dort weiter an Einfluss verlieren werden.

Der erste Grund sei, dass die Leute in die Agglo ziehen, weil sie den städtischen grünen und linken Lebensstil mögen – nur hat es nicht für alle Platz in der Stadt und deshalb landen einige dann in der Agglo. Die städtische Mentalität migriere also in die Agglomeration und verdränge die bürgerliche Denkweise.

Es ist auch der aktuelle Zeitgeist, dass die Leute eher grün und links wählen.
Autor: Michael HermannPolitgeograf

Der zweite Grund liege darin, dass eine Urbanisierung der Agglomeration stattgefunden habe. Die Agglomerationsgemeinden werden immer dichter – ähnlich einer Stadt – und die Gemeinden sind nun mit ähnlichen Problemen konfrontiert wie die Innenstadt. Beispielsweise wird ein gutes ÖV-Netz wichtiger oder preisgünstige Wohnungen. Und traditionellerweise setzen sich grüne und linke Parteien für diese Anliegen ein, so Hermann.

Als Folge davon ziehen bürgerlich-denkende Menschen aus der Agglomeration noch weiter aufs Land. Die Coronakrise könnte diese Entwicklung sogar beschleunigen, so Hermann: «Da viele jetzt im Homeoffice sind, nehmen sie künftig sogar weitere Arbeitswege in Kauf, da man seltener pendeln muss.»

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 04.03.21, 17:30 Uhr;

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Sam Meier  (tsam39947)
    Statt Mitte-Links könnte man genau so gut Mitte-Rechts sagen. Auch wenn die CVP jetzt "Die Mitte" heisst und man sie im SRF-Artikel mit dem Begriff "Mitte-Links" eher mit dem Linken Lager sieht, sehe ich es genau umgekehrt. Ich sehe "Die Mitte" bei der Mehrheit der Themen mit dem Bürgerlichen Lager. Also wäre "Mitte-Rechts" wohl stimmiger.
    1. Antwort von Christoph Heierli  (help)
      Links, Rechts, Links, Rechts, Links, Rechts langweiliger geht es nicht.
  • Kommentar von tom rosen  (tom rosen)
    Meine Güte, "History will teach us nothing!" sang mal ein kluger Mensch. Kaum geht es den Leuten gut, sind sie wieder offen für gestrige Konzepte. Die linken Desaster im Ostblock, China, Vietnam, Kuba, Südamerika - alle schon vergessen? Nicht, dass der rechte Sumpf besser wäre, aber wir waren einmal auf dem Wege zu gesundem Liberalismus aus der Mitte der Gesellschaft. Differenziert, weltoffen aber auch kritisch und Schweizerisch. Eine Prise Links brauchts, aber keine Linke Gesellschaft.
    1. Antwort von Javier López  (Javier López)
      Ich brauche keine linke oder rechte Gesellschaft, sondern eine gerechte. Meine Überzeugung ist nun mal, dass die Linken sich mehr dafür einsetzen.
      Ich sage es Ihnen als Linker so, wenn alle durch eigene Anstrengung so ein Leben haben können, wie ich es bisher in der Schweiz habe, dann kann ich die Revolution auf unbestimmte Zeit verschieben.

      So wie in diesem Land gearbeitet wird, akzeptiere ich in diesem Land absolut keine Armut!!!
    2. Antwort von Dave Brunner  (Davey)
      Ostblock, China, Vietnam, Kuba, Südamerika sind nicht links sonder sozialistisch. Und China ist sowieso eine Diktatur. Ihr Vergleich ist ein wenig realitätsfremd.
    3. Antwort von Daniel Häberlin  (Svensk)
      Meine Güte, muss man denn immer gleich die extremsten Beispiele bringen, wenn man über linke Politik sprechen will? Wieso erwähnt man nicht beispielsweise Skandinavien? Schweden und Norwegen haben einen dritten Weg zwischen den Extremen gefunden und sind damit sozial- und wirtschaftspolitisch erfolgreich. Und was Lateinamerika betrifft: Jacobo Arbenz Guzmán in Guatemala und Salvador Allende in Chile hätten mit ihrer Politik sicherlich auch Erfolg gehabt, wenn man sie denn hätte machen lassen.
    4. Antwort von Javier López  (Javier López)
      @Daniel Häberlin
      Was wollen Sie mit solchen Menschen tun, wo nur die Hälfte der Sinnesorgane funktionstüchtig sind?

      Fragen Sie doch diese Leute mal,
      was sie über die Soldaten und Maschinengewehre am Paradeplatz in Zürich 1918 denken.

      Rekation:
      Wirklich so etwas hat es gegeben? Nie davon gelesen oder gehört. Ist doch wohl eine Lüge. Haben sie dies aus links unterwanderten Quellen?
  • Kommentar von Lukas Gubser  (Mastplast)
    Diese entwicklung wird vorallem für Niedrigverdiener schwere Folgen haben.
    Denn die Linken versprechen immer mehr soziale Zückerchen führen aber per Hintertüre drei mal so viele Steuern ein die auch immer nur die untersten treffen.
    Stichwort Energiepreise, was interessier jemanden in der Aglo mit 160k/ Jahr Einkommen ob der Liter Benzin 1.50, 1.70 oder 2.20 kostet? Genau gar nichts. Der Nachtschichtler von denen es übrigens immer mehr gibt was die (SP-ler eifach nich wissen) zahlt und zahlt.