Zum Inhalt springen

Header

Video
Predigten in Moscheen sollen aufgezeichnet werden
Aus Schweiz aktuell vom 18.10.2019.
abspielen
Inhalt

Predigt in der Moschee Videoüberwachung von Imamen sorgt für Uneinigkeit

Ein 38-jähriger Imam soll Anfang August in einem Freitagsgebet in der Krienser Moschee Dar Assalam vor Gläubigen gegen Frauen gehetzt haben. Der Imam war nach Bekanntwerden der Vorwürfe vorübergehend festgenommen und verhört worden. Darauf stellte auch der verantwortliche Dar-Assalam-Verein den Imam frei.

Petrit Alimi, Präsident der Islamische Gemeinde Luzern.
Legende: Petrit Alimi, Präsident der Islamischen Gemeinde Luzern, sprach sich am Mittwoch für eine Videoüberwachung aus. Keystone

Die islamische Gemeinde Luzern, zu der die Dar Assalam Moschee gehört, empfahl danach an einer Pressekonferenz, in Zukunft die Predigten der Imame per Video zu überwachen. Doch diese Idee kommt unter den Muslimen nicht nur gut an.

Videoüberwachung das falsche Mittel

Saida Keller-Messahli setzt sich für einen fortschrittlichen Islam ein. Radikale Prediger müsse man besser in den Griff bekommen, doch die Videoüberwachung sei das falsche Mittel. Sie schlägt andere Massnahmen vor: «Man müsste die Kontrolle schon viel früher ansetzen, bevor die Leute in die Schweiz einreisen», so Keller-Messahli. Für sie komme sogar eine Bewilligungspflicht für praktizierende Imame in Frage.

Filmaufnahmen könnten sogar helfen, damit man sieht, was in der Gemeinschaft abgeht.
Autor: Irfan Ahmed ThakerImam, Mahmud-Moschee Zürich

In der Zürcher Mahmud-Moschee steht man der Videoüberwachung nicht so kritisch gegenüber. Der dortige Imam Irfan Ahmed Thaker ist erst seit einigen Monaten in der Schweiz und befürwortet solche Filmaufnahmen: «Das könnte in gewissen Moscheen sogar helfen, damit man sieht, was in der Gemeinschaft abgeht», sagt der Imam. Es sei das Recht und die Aufgabe des Staates zu wissen, was in den Moscheen im Lande gepredigt würde.

Der Präsident der Ahmadiyya-Gemeinschaft sieht das ähnlich, warnt aber auch davor: «Es besteht die Gefahr, dass man beim Wort Muslim oder Moschee unter Generalverdacht gerät», sagt Walid Tariq Tarnutzer. Der Islam müsse sich grundlegend verändern, alles was mit Gewalt zu tun habe, sei nicht der Islam.

Es besteht die Gefahr, dass man beim Wort Muslim oder Moschee unter Generalverdacht gerät.
Autor: Walid Tariq TarnutzerPräsident Ahmadiyya-Gemeinschaft

Es ist ein Dilemma: Zum einen werden von den Gemeinden Transparenz und Massnahmen gefordert, gleichzeitig aber bedeutet eine breite Videoüberwachung eine Selbstreinigungsmassnahme, die ganz viele Gemeinden und Muslime zu Unrecht verdächtigt.

Das bedauert René Pahud de Mortanges, er ist Professor an der Rechtsfakultät der Universität Fribourg. «Man erwartet ja auch von anderen Religionsgemeinschaften oder Gemeinden nicht, dass sie anfangen, ihre Predigten aufzuzeichnen», sagt der Rechtsprofessor. Sein Lösungsansatz wäre, dass man verstärkt in die Ausbildung solcher Imame setzt, damit sie mit den Sitten und Gebräuchen in der Schweiz vertraut werden.

Man erwartet ja auch von anderen Religionsgemeinschaften oder Gemeinden nicht, dass sie anfangen, ihre Predigten aufzuzeichnen.
Autor: René Pahud de MortangesProfessor Universität Freiburg

Eine einheitliche Regelung für Videoüberwachung von Imamen dürfte sowieso utopisch sein. Die islamischen Gemeinden sind autonom organisiert und müssten jeweils selber darüber entschieden, ob und wie sie die Imame überwachen.

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    "Der Islam müsse sich grundlegend verändern, alles was mit Gewalt zu tun habe, sei nicht der Islam" Dazu der türkische Autor Z.Senocak: "Auch wenn es die meisten Muslime nicht wahrhaben wollen, der Terror kommt aus dem Herzen des Islam, er kommt direkt aus dem Koran“ Dieses Regelwerk, das seine Anhänger bis ins tiefste Privatleben kontrolliert, stammt direkt aus den Offenbarungserlebnissen des Propheten, was also soll sich ändern, es ist unantastbar. Unverständlich sind mir die vielen Anhänger.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Matthias Jundt  (M. Jundt)
    Wer in der Schweiz leben will, muss sich unserer Verfassung und Gesetzgebung und den Menschenrechten unterordnen.
    Das gilt auch für jegliche Lehre und Religion.

    Es kann nicht sein, dass sich gewisse Gruppen ungestraft das Recht auf eine Parallel-Gesetzgebung heraus nehmen dürfen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Richard Meier  (meierschweiz)
    Es ist relativ unsinnig, einem Imam das Predigen des Korans zu verbieten. Viele unserer Werte und Gesetze widersprechen den Aussagen im Koran. Zu beachten ist, dass für den gläubigen Muslim der Koran über dem weltlichen Gesetz steht. Ein an aktuelle schweizerische Gesetze und Gepflogenheiten angepasster Islam ist kein Islam mehr. Dieser Konflikt besteht im Christentum nicht: Gemäss Bibel haben sich Christen den weltlichen Obrigkeiten zu unterordnen (1. Petr. 2.13)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen