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Medikamentensicherheit: Probleme bei Dosierung und Reihenfolge
Aus HeuteMorgen vom 19.09.2019.
abspielen. Laufzeit 02:11 Minuten.
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Probleme bei Medikation Die rote Pille zuerst? – Viele Menschen sind überfordert

Ältere Leute nehmen oft viele Medikamente gleichzeitig. Stimmt die Dosierung oder die Reihenfolge nicht, kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Solche Medikationsfehler sind häufig.

Bis zu 17 Medikamente nehmen ältere Menschen laut einer neuen Studie der Universität Basel gleichzeitig ein. Fehlt ein Medikament oder wird es falsch eingenommen, kann es gefährlich werden.

«Viele Menschen müssen Medikamente gegen Bluthochdruck einnehmen – und viele dieser Medikamente können auch zu Herzrhythmusstörungen führen», erläutert Spitalapothekerin Carla Meyer-Massetti anhand eines Beispiels. Häufig hätten diese Menschen aber keine Wahl.

Im Extremfall werden dann zwei Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff eingenommen.
Autor: Carla Meyer-MassettiSpitalapothekerin

«Man muss diese Medikamente gemeinsam einnehmen, damit der Blutdruck genügend gesenkt werden kann. Aber man muss dann halt auch sicherstellen, dass die Herztätigkeit trotzdem in der Norm bleibt.»

Fehlerquelle bei den Schnittstellen

Fehler passierten insbesondere an Schnittstellen – etwa beim Übergang vom Spital zur Spitex zu Hause, so Meyer-Massetti. Oft würden die Medikamente im Spital angepasst – zurück in den eigenen vier Wänden seien die Patienten dann überfordert mit den neuen Medikamenten.

«Es sind vielleicht andere Medikamente als vorher verordnet – mit einem anderen Namen als vor dem Spitaleintritt», sagt die Spitalapothekerin, «und im Extremfall werden dann zwei Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff eingenommen».

Pillen in einem Dispense
Legende: Zur Orientierung werden Pillen oftmals in Dispenser an ältere Leute verteilt. Keystone

Zwar gibt es in den Spitälern durchaus Bemühungen, die Medikamente abzugleichen, aber oft fehlt die Zeit dazu. Und auch die Spitex leistet ihren Beitrag, etwa indem sie die Medikamente in einem Dispenser sortiert und vorbereitet.

Hoffen auf elektronisches Patientendossier

Die Wichtigkeit des Themas ist also längst erkannt. Dass die Fehlerquellen beim Übertritt vom Spital zur Spitex dennoch zahlreich sind, liege daran, dass der Ablauf nicht einheitlich geregelt sei, so Meyer-Massetti: «Dort sind halt einfach die Kommunikations- oder auch Patientenwege zwischen verschiedenen Institutionen nicht einheitlich geregelt.»

Zum Beispiel sei nicht klar geregelt, ob der Patient die Verordnung mit nach Hause bekommt oder diese an die Hausärztin oder an die Spitex geht. Meyer-Massetti ist zuversichtlich, dass das elektronische Patientendossier Fortschritte bringt, weil darin Informationen gebündelt werden.

Zudem empfiehlt sie, dass die Kommunikation an der Schnittstelle verbessert wird, zum Beispiel, indem eine Apothekerin ins Spitex-Team integriert wird, die sich explizit um die Medikamente kümmert und Rücksprache mit allen Involvierten nimmt. Die Spitex Luzern testet dieses Modell und die Erfahrungen seien sehr positiv.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Maria Meier  (MMeier)
    Die grösste Fehlerquelle bei den Medikamenten sind die Patienten selber. Rund 1/3 nimmt die Medikamente nicht so, wie angewiesen. Entweder gar nicht, weil man den Sinn nicht sieht, oder nur jeden 2. Tag wenn man das Gefühl hat sie wirken zu stark. Manche nehmen auch die Medikamente des Partners, weil die so gut helfen - egal welche Krankheit beide haben. Dann "helfen" Blutverdünner gegen Kopfweh und Parkinsonmedikamente gegen Herzrasen. Da hilft dann weder Computer noch Patientendossier.
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  • Kommentar von Barbara Lampérth  (Luk 12/3)
    Schon wieder soll's die Elektronik richten.
    Nein, um die Fehler zu minimieren sollen die Ärzte sich Zeit nehmen (dürfen, können) um mit den Patientinnen jedes einzelne Medikament zu besprechen.
    Richtiger Patient?
    Richtiges Medikament?
    Richtige Dosierung? Richtiger Zeitpunkt?
    Ist das Medikament überhaupt indiziert?
    Interaktionen?
    ...Das braucht Zeit und die Elektronik ist nur eine dumme Ausrede, um schnell mit ein paar Klicks alles effizient erledigen zu wollen ohne das Hirn einzuschalten.
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  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Nachtrag zum Thema 'Personalized Medicine': Dem Patienten wird vorgegaukelt, man habe für ihn den auf ihn – und nur ihn ! - zugeschnittenen Cocktail aus Medikamenten und medizinischer Behandlung gemixt, gemäss der individuellen (!) Zauberformel, gewissermassen ein Unikat. So wird jeder Wettbewerb mit der herkömmlichen (nicht personalisierten Medizin) aus dem Weg geräumt. 'Guet Nacht am Sächsi'! – Das wird so richtig teuer.
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