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Profitables Schmugglergeschäft Beschlagnahmte Glasaale im Murtensee freigesetzt

Mit Jungaalen erzielen Schmuggler riesige Gewinne. Beschlagnahmte Fische werden wieder in Gewässer freigelassen.

Legende: Video Glasaale sind Gold wert abspielen. Laufzeit 02:30 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 08.02.2019.

Sie sind nur wenige Zentimeter lang uns sehen fast aus wie Glasnudeln. Aber die jungen Aale oder Glasaale sind Gold wert. Für Schmuggler und das organisierte Verbrechen haben die geschützten Fische mehr Wert als Waffen oder Drogen. Denn in Asien sind die jungen Aale, die in europäischen Gewässern leben, eine beliebte und teure Delikatesse.

Der hoch lukrative, aber illegale Handel mit Glasaalen, Link öffnet in einem neuen Fenster führt auch durch die Schweiz. Mitte Januar haben die Zollbehörden an den Flughäfen Genf und Zürich rund 250'000 Glasaale beschlagnahmt. Nun ist ein Teil von ihnen im Murtensee wieder ausgesetzt worden.

Schrittweise Freisetzung

Die Jungfische waren nach der Beschlagnahmung in Wasserbehältern bei einer Temperatur von zehn Grad gehalten worden. Aktuell ist der Murtensee aber nur knapp vier Grad warm. Die Spezialisten des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) entschieden sich darum für eine Aussetzung in mehreren Schritten und entliessen 30'000 Jungaale in ihre natürliche Umgebung.

«Man kann sie nicht lange aufbewahren, und wir haben einen Ort gesucht, wo man sie aussetzen kann. Im Murtensee lebten ursprünglich bereits Aale, da konnte man die gut aussetzen», erklärt Matthias Lörtscher vom BLV.

Vom Murtensee aus können die Aale nun durch den Broye- und Zihlkanal in den Neuenburger- und Bielersee gelangen und wandern später in den Rhein und schliesslich in der Nordsee.

Glasaale auf einer Handinnenfläche.
Legende: SRF

Profitables Schmugglergeschäft

Am Flughafen Genf wurden am 19. Januar sechs Koffer mit etwa 130'000 Jungaalen beschlagnahmt. Sieben Personen wurden festgenommen. Zurzeit läuft eine Untersuchung, um das Ausmass des Handels festzustellen.

Nur wenige Tage zuvor waren auch am Flughafen Zürich drei Koffer mit rund 120'000 Jungaalen beschlagnahmt worden. Zwei Personen sitzen noch immer in Untersuchungshaft. Die Tiere wurden später im Rhein wieder ausgesetzt.

Karte Atlantik und Europa.
Legende: Die Entwicklung und Wanderung der Aale aus dem Atlantik bis nach Europa. SRF

Vom Atlantik bis nach Europa

Die in der Sargassosee, im Atlantik östlich von Florida, geschlüpften Jungaale werden auch Glasaale genannt, weil sie in diesem Entwicklungsstadium noch durchscheinend sind. Sie wandern mit dem Golfstrom an die nordafrikanische und europäische Atlantikküste und dringen dort in die Flussgebiete vor. Zur Fortpflanzung wandern die Glasaale in die Sargassosee zurück.

Aber die Fische werden in den nordafrikanischen und europäischen Flussmündungen gefangen. Anschliessend werden sie entweder in Aquakulturen gemästet und dann verkauft – oder sie werden in ihrem Jugendstadium als durchscheinende Glasaale nach Asien transportiert, wo sie als Delikatesse gelten.

Hohe Margen für Schmuggler

Der illegale Handel mit Aalen sei ein sehr lukratives Geschäft, sagt Urs Bartenschlager, Leiter Zollfahndung bei der Zollverwaltung: «Aus einem Kilo Jungaale wachsen etwa 1000 Kilo Aal, der in Asien zu hohen Preisen verkauft werden kann. Man geht von bis zu einer Million Franken aus, die man mit einer Tonne Aal verdienen kann.»

Damit werden höhere Margen erzielt als mit dem illegalen Handel mit Kokain. Das regte das Interesse des organisierten Verbrechens. «Da sind Strukturen dahinter und es gibt eine Arbeitsteilung beim Schmuggeln. Darunter Kuriere und Leute, die dann die Aale in Asien grossziehen», erklärt Bartenschlager.

In den letzten 30 Jahren gingen die Bestände des europäischen Aals um rund 90 Prozent zurück. Deshalb ist dieser Aal auf der roten Liste der «vom Aussterben bedrohten» Arten eingetragen. In der EU ist die Ein- und Ausfuhr des europäischen Aals streng verboten.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von David Stern (Adelo)
    Finde es wieder einmal fantastisch, wie die Medien verraten wo die Fische ausgesetzt wurden.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Auch am Frankfurter Flughafen konnte ein Glasaal-Schmuggel verhindert werden. Hunderttausende Tiere wurden bei einem Reisenden entdeckt, der die Fische über die Grenze bringen wollte. Jetzt auch in Genf. Wahrscheinlich sind diese beiden Fälle nur die Spitze des Eisberges.Vermutlich werden jährlich Tausende Glasaale über Grenzen geschmuggelt. Für die Schmuggler sind die niedrigen Einkaufspreise in Europa interessant. Während in Asien 1000 Jungaale schätzungsweise mehrere Tausend Euro einbringen.
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