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Andreas Widmer, Chefarzt: «Wir sind einem Schwindler aufgesessen»
Aus News-Clip vom 26.05.2020.
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Profitieren von der Krise Zweifelhafte Geschäfte dank Corona

Das Unispital Basel musste gefälschte Masken wegwerfen. Firma vertreibt fragwürdiges Desinfektionsmittel gegen Covid-19.

Im Zuge der Corona-Krise wollte sich das Universitätsspital Basel mit sogenannten FFP-2-Schutzmasken eindecken. «Diese wurden in grossen Stückzahlen eingekauft – für viel Geld, weil Not am Mann war», sagt Professor Andreas Widmer, stellvertretender Chefarzt und Leiter der Abteilung für Spitalhygiene. «Erst als wir die Masken hatten, haben wir dann gesehen, dass die Masken die Hälfte des Gesichts nicht bedecken und jemand einfach einen Stempel darauf gemacht hat, dass es sich um FFP-2- Masken handle.»

Masken hatten Zertifikat

Masken – analog zu Desinfektionsmitteln – müssen gewisse Anforderungen erfüllen. Diese sind in der Europäischen Norm 149 festgehalten. Die Masken, die für das Universitätsspital Basel bestimmt waren, hatten ein entsprechendes Label, ein sogenanntes Zertifikat. «Doch ein Teil des Zertifikats war geschwärzt», sagt Widmer, «das heisst man konnte es nicht mehr lesen.»

Wir müssen 1000 davon vermutlich wegschmeissen und einen Ersatz bieten. Wir sind da wirklich einem Schwindler aufgesessen.
Autor: Andreas Widmerstellvertretender Chefarzt Universitätsspital Basel

Das Universitätsspital Basel testete darauf die Masken im Labor Spiez. Dort kam dann die Fälschung ans Licht: Die Masken entsprachen nicht den gültigen Normen für FFP-2- Masken.

Bündner Firma will sich «stark gegen Covid-19» machen

Eine andere Firma, die Bündner Pegasus Development AG in Chur, wirbt aktiv mit einem Desinfektionsmittel namens Nuevo ohne Ethanol auf der Basis von pflanzlichen Tensiden – unter anderem mit Desinfektionsmitteln für die Hände unter der Bezeichnung «High Performance Hand Rub Liquid oder Foam».

Ein Person benetzt ihre Hände mit Desinfketionsmittel.
Legende: Die grosse Nachfrage nach Desinfektionsmittel hat dazu geführt, dass auch solche ohne Zulassung auf den Markt gekommen sind. Keystone

Zentrum für Infektionsprävention: fragwürdiges Produkt

Für Andreas Widmer, gleichzeitig Präsident des nationalen Zentrums für Infektionsprävention SWISSNOSO, bezweifelt das. Es sei nicht so, dass pflanzliche Tenside allgemein gängige Desinfektionsmittel ersetzen könnten. «Wir brauchen auch Öle, beispielsweise Teebaumöl, selbst Rosmarin und Thymian haben antimikrobielle Wirksamkeit. Zum Teil auch gegen Viren. Das ist aber selektiv. Allgemein aber könne man das so nicht vertreten. «Ein Desinfektionsmittel muss extrem rasch eine hohe Keimmenge reduzieren können.»

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Andreas Widmer, Chefarzt: «Der Nachweis liegt nicht vor»
Aus News-Clip vom 26.05.2020.
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Pegasus Development widerspricht dieser Darstellung. Das Produkt sei in Irland registriert. In der irischen Biozid-Datenbank ist denn auch ein Nuevo-Konzentrat gelistet. Gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) dürfe dieses allerdings nicht für die Handdesinfektion verwendet werden, sondern ausschliesslich als Reinigungs- und Desinfektionsmittel unter anderem beispielsweise für Tierstallungen, als Algen-Entferner in Swimmingpools oder in Küchen.

Für die Anwendung auf der menschlichen Haut ist es verboten. Dennoch sind Handdesinfektionsmittel der Marke Nuevo auf auf dem Markt. Gemäss deutscher Biodzid-Datenbank (BAUA) dürfen Produkte für die menschliche Hygiene seit Sommer 2017 in Deutschland nicht mehr verwendet werden. In Grossbritannien wurden entsprechende Produkte 2018 zurückgerufen, weil sie für die menschliche Hygiene nicht zugelassen sind.

Man arbeite daran, eine europäische Zulassung zu erlangen, schreibt Pegasus Development auf Anfrage von SRF News. Doch ob das Pegasus-Produkt dann tatsächlich ein hilfreiches Mittel gegen Covid-19 wird, bleibt fraglich.

Auf Anfrage schreibt Siobhán Dowling vom für Covid-19 zuständigen Department of Agriculture, Food and the Marine (DAFM) in Dublin: «Es gibt derzeit keine Hinweise, dass das Produkt wirksam gegen Covid-19 ist».

Marktüberwachung durch das BAG

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Das BAG setzt zusammen mit den für die Marktüberwachung zuständigen kantonalen Chemikalieninspektoraten seit Jahren alles daran, sicher zu stellen, dass nur solche chemische Produkte auf den Markt gebracht werden, von denen beim bestimmungsgemässen Umgang keine inakzeptablen Risiken für die Gesundheit und die Umwelt ausgehen. Angesichts der Grösse des Chemikalienmarktes ist eine flächendeckende Überwachung der Produkte und deren Verwendung allerdings nicht möglich, so dass die Marktüberwachung auf Stichprobenkontrollen basiert. Die zuständigen Stellen setzen sich dafür ein, dass die Kontrollen auch in dieser schwierigen Krisensituation – insbesondere auch bei Desinfektionsmittel - aufrechterhalten werden kann.

Konsumenten und Konsumentinnen können verdächtige Produkte entweder der zuständigen kantonalen Behörde (www.chemsuisse.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster) oder den Bundesbehörden über marktkontrolle@bag.admin.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster melden. Die Meldung sollte den Kaufort und Fotos der Vorder- und Rückseite des Produkts beinhalten.

Stellungnahme Pegasus Development AG

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  • Mit den im Artikel erwähnten FFP-2-Schutzmasken hat unsere Firma nichts zu tun.
  • Die auf Prof. Andreas Widmer vom Zentrum für Infektionsprävention SWISSNOSO gestützte Aussage, unsere Firma vertreibe ein «fragwürdiges Desinfektionsmittel gegen Covid-19», ist in mehrfacher Hinsicht falsch. Das Produkt wird in der Schweiz gar nicht vermarktet und wir haben nie gesagt, «die Wirksamkeit gegen Covid-19 sei bewiesen».
  • Die auf das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gestützte Aussage, das Mittel dürfe nicht für die Handdesinfektion verwendet werden, vermittelt den Eindruck, unsere Firma würde das Mittel zu einer solchen Anwendung anbieten. Dieser Eindruck ist falsch. Das Mittel wird für die Reinigung und Desinfektion von Oberflächen, Gegenständen und Räumen sowie für weitere (z.B. veterinärhygienische) Zwecke in strenger Übereinstimmung mit den für die jeweiligen Absatzmärkte vorhandenen Zulassungen (unter PT2, PT3, PT4 und detailliert unter DAFM) angeboten. Das im Artikel erwähnte Hand rub ist ein Produkt, welches derzeit ausserhalb Europas unter den jeweiligen landesspezifischen Gesetzgebungen angeboten wird.

SRF hält an den im Artikel gemachten Aussagen fest.

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Aus dem Archiv: Scharlatane wollen mit Corona Kasse machen
Aus Kassensturz vom 31.03.2020.
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Tagesschau, 25.05.2020, 19:30 Uhr; fulu

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Genau deswegen, verzichte ich auf Masken, weil das Geschäft fragwürdig ist, und so mit das Risiko gesundheitlichen schade zunehmen. Und darum ist auch irgendwelche obligatorium Strick zu verweigern. Zuerst mal Ortung beim Import, und Verkauf schaffen, und eine anständige Konsumenten Schütz.
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  • Kommentar von Jörg Hiltbrunner  (jöhi46)
    Meines Erachtens müssten die Anbieter solcher Produkte mit schwindlerischem Hintergrund öffentlich bekanntgegeben werden. Damit wäre die Möglichkeit dezimiert, dass noch andere diese Produkte kaufen und sich durch diese geschützt fühlen.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Es durfte anscheinend nicht viel kosten. Der Schaden sollten die Besteller selber tragen.
    Heute weiss ja jeder Mensch, dass betrogen wird wo es auch geht. Die Ehrlichkeit der Menschen hat schwer abgenommen. Eine traurige Feststellung in der doch sonst so ehrlichen Schweiz.
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