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Polizei räumt Protestcamp in der Waadt
Aus Tagesschau vom 30.03.2021.
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Protest-Camp auf Mormont-Hügel Fast alle Personen von Holcim-Gelände evaukiert

  • Die Kantonspolizei hat am Dienstag das besetzte Gelände von Lafarge Holcim auf dem Hügel Mormont bei Eclépens und La Sarraz geräumt.
  • Fast alle der rund 200 Aktivistinnen und Aktivisten haben den Hügel Mormont verlassen.
  • Die Umweltaktivisten hatten den Hügel seit Oktober besetzt, um das dortige Ökosystem zu schützen.
  • Bei der Räumung warfen die Aktivisten Steine und Pyrotechnik-Geschosse in Richtung der Polizisten. Diese antworteten mit Tränengas und Gummischrot.

Noch zwei Personen seien auf dem Gelände, teilte die Waadtländer Polizei mit. Sie seien unerreichbar auf Bäume geklettert. Laut der Polizei verlief die Räumung ohne grössere Zwischenfälle. Die Aktion hatte am frühen Dienstagmorgen begonnen. Am Abend liefen noch immer Evakuierungen, Räumarbeiten und Sicherung des Geländes.

In Zürich fand am späteren Dienstagabend eine kurze Demonstration von Unterstützern der Besetzer statt. Daran sollen nach Angaben der Demonstrierenden rund 150 Aktivisten teilgenommen haben.

Zur Anzahl der ausgerückten Polizeikräfte bei der Räumung des Geländes machte die Polizei an einer Medienkonferenz keine Angaben. Wie ein Keystone-SDA-Reporter vor Ort beobachtete, waren ungefähr 150 Polizisten in Kampfmontur bei der Evakuierung des besetzten Hauses auf dem bewaldeten Hügel im Einsatz.

Die Räumungsaktion fand nach Angaben der Polizei ohne Gewalt statt. Nur um die Mittagszeit gab es einzelne Konfrontationen, als Aktivisten Steine und Pyrotechnik-Geschosse in Richtung Polizei warfen. Diese antwortete mit Tränengas und Gummischrot. Die Polizei musste Barrikaden und Hindernisse wegräumen. Am Abend lagen Dutzende verlassene Zelte, Spruchbänder und viel Müll auf dem Hügel.

Über 80 Personen kontrolliert

Insgesamt hat die Polizei 83 Personen festgenommen und deren Identität überprüft. Etwa 20 davon droht ein Verfahren, die weiteren wurden wieder freigelassen. Ein Polizist wurde von einem Pyrotechnik-Körper an der Hand leicht verletzt. Unter den Aktivisten gab es laut Polizei keine Verletzten.

Das sagt SRF-Korrespondentin Barbara Colpi in Lausanne:

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Die Umweltaktivistinnen und -aktivisten wehren sich vor allem deshalb gegen den Ausbau des Steinbruchs, weil unmittelbar nebenan ein Naturschutzgebiet liegt. Holcim seinerseits stellt sich auf den Standpunkt, der Umwelt sei vor allem gedient, wenn der Kalkstein für die Betonproduktion lokal abgebaut werde.

In der Frage des Ausbaus des Steinbruchs ist trotz der Räumung das letzte Wort noch nicht gesprochen: Es ist noch ein Bundesgerichtsurteil ausstehend zu einer Klage, welche Umweltverbände eingereicht hatten. Zudem hat das Thema inzwischen auch die Politik auf den Plan gerufen: So ist im Waadtländer Kantonsrat eine Motion dazu hängig, ausserdem wandten sich in einem offenen Brief mehr als Hundert Gemeinde- und Kantonspolitiker an die Kantonsregierung, den Ausbau zu verhindern.Es werden also nicht schon morgen die Bagger zum Ausbau des Steinbruchs auffahren.

Die Aktivisten wollten das Ökosystem vor der Zerstörung durch den Zementkonzern Lafrage Holcim schützen. Am Mormont betreibt Holcim seit 1953 eine Zementfabrik und einen Steinbruch, der ausgeweitet werden soll.

Bundesgerichtsentscheid hängig

Allerdings muss das Unternehmen einen Bundesgerichtsentscheid abwarten. Im Juli 2020 hatten Nichtregierungsorganisationen beim Bundesgericht Einspruch gegen die Ausbaupläne des Zementkonzerns eingereicht. Der Kanton hatte den Ausbau bereits gutgeheissen.

Sowohl Holcim als auch die Gemeinde La Sarraz (VD) leiteten rechtliche Schritte ein, um die Aktivisten zu vertreiben. Diese versuchten, in Berufung zu gehen, jedoch ohne Erfolg, was den Weg für die Räumung ebnete. Deshalb hatten die Aktivisten in den letzten Tagen aufgerufen, dass sich ihnen so viele Menschen wie möglich anschliessen.

Polizisten beseitigen die Barrikaden.
Legende: Polizisten beseitigen die Barrikaden. Keystone

Die Unterstützung für die Aktivisten hatte sich in den letzten Tagen vervielfacht. So demonstrierten am Freitag in Lausanne mehr als 1000 Personen für das Anliegen.

Auch die Politik hat sich mobilisiert: Im Grossen Rat wurde eine entsprechende Motion eingereicht. Zudem wurde ein offener Brief, der von fast 130 Mandatsträgern unterzeichnet wurde, an die Waadtländer Regierung geschickt.

Die Aktivisten erschweren der Polizei den Zugang.
Legende: Die Aktivisten erschwerten der Polizei den Zugang auf den Mormont mit Barrikaden und Hängematten. Keystone

SRF 4 News, 30.03.2021, 09:50 Uhr;

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89 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Die Schweiz, deren Regierung und Bevölkerung (als Konsumenten, Konsumentinnen), täten gut daran sich endlich um die Erhaltung der eigenen "Lebensgrundlage" (Ökosystem - Erde, Wasser/Trinkwasser und damit die Nahrung) aktiv und verantwortungsbewusst zu kümmern! STOP und VERBOT von weiterem Einsatz von vergiftender, gesundheitsschädigender, zerstörender CHEMIE en masse in/durch die industrialisierte LW!!
  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    In der dicht besiedelten Schweiz sind attraktive Landschaften ein besonders wertvolles Gut. Es ist nicht einzusehen, warum der Materialabbau in solchen Landschaften unbedingt aufrechterhalten werden muss. Das Material könnte problemlos aus Ländern importiert werden, die auf den Export von Basisgütern angewiesen und weniger dicht besiedelt sind, z. B. aus Osteuropa. Der Import kann per Bahn erfolgen; er generiert höchst willkommene Devisen für den Kauf von Schweizer Hochtechnologiegütern.
  • Kommentar von Der Waldmensch  (Der)
    Die Welt brennt und alle diskutieren über Lösungen. Wo bleiben die Taten? Gewalt ist nie ein Teil der Lösung. Die Corona Krise und weiter Krisen sind direkte Folgen des Verhalten unserer Gesellschaft. Wo bleibt die Selbstverantwortung? Und was bieten wir den kommenden Generationen? Die Klimakrise sollte genau so ernst genommen werden wie Covid-19 und Notmassnahmen sollten getroffen werden. Denn covid ist nur ein Symptom einer nicht nachhaltige Gesellschaft getrieben vom Schnellem Gewinn
    1. Antwort von Daniel Gion  (dgion)
      Ah und das zugemüllt zurückgelassen Gelände ist also eine "Gute Tat"
      Der Steuerzahler darf alles Müllentsorgung, Polizei etc bezahlen ja sehr beeindruckend...