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Das ist die Begründung des Gerichts
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 29.06.2021.
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Prozess nach Demo in Bern Gerichtspräsident: «Der Fahrer war heillos überfordert»

Ein Gericht hat einen Türken freigesprochen, welcher im Herbst 2015 mit seinem Auto in eine Gruppe von Kurden fuhr.

Es waren wüste Szenen, die sich am 12. September 2015 in Bern abspielten. Ein dunkler Mercedes rammte eine Gruppe von kurdischen Demo-Teilnehmern und verletzte fast zehn Menschen. Jetzt hat ein Richtergremium am Regionalgericht Bern-Mittelland den Fahrer freigesprochen vom Vorwurf der versuchten Tötung und der versuchten schweren Körperverletzung. Es gebe keine Beweise, dass der Mann absichtlich Menschen verletzen wollte.

Was ist passiert?

An jenem Samstag versammelten sich Anhängerinnen und Anhänger der türkischen Regierung in Bern zu einer bewilligten Kundgebung. Kurdische Demonstranten wollten den türkischen Aufmarsch stören. Bereits da kam es zu Scharmützeln. Demonstrationsteilnehmer und Polizisten gerieten aneinander.

Weshalb kam es zu Protesten?

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Hintergrund des Aufmarschs von Türken und Kurden war der Konflikt um die Stadt Cizre im Südosten der Türkei. Die kurdische Stadt wurde von der türkischen Armee abgeriegelt, angeblich, weil es eine Hochburg der Arbeitspartei Kurdistans PKK sei.

Auch der Fahrer und seine Familie wollten an der Demonstration teilnehmen. Auf der Suche nach einem Parkplatz stiessen sie auf eine Gruppe kurdischer Demonstranten, die den Mercedes stoppten. Fahrer und Beifahrer stiegen aus und seien sofort verprügelt worden. Der Fahrer konnte sich verletzt ins Auto retten und fuhr aus dem Getümmel heraus. Bereits da erfasste er mehrere Kurden.

Nach wenigen hundert Metern wendete der Fahrer sein Auto und fuhr zurück in Richtung der Kurdengruppe – ohne Brille, blutüberströmt und mit zerschlagener Frontscheibe. Dabei rammte er mehrere Menschen, die teils arg verletzt wurden. Die Fahrt endete, als die Polizei den Fahrer stoppen konnte.

Der Prozess

Die Staatsanwältin sah eine vorsätzliche Tat, eine Amokfahrt aus Rache. Sie forderte acht Jahre Gefängnis. Der Fahrer habe schwere Verletzungen und gar den Tod der Opfer in Kauf genommen, als er zurück in die Kurdengruppe gefahren sei.

Das sah das Richtergremium klar anders. Der türkische Fahrer sei unter den Eindrücken der schweren Angriffe durch die kurdischen Vertreter gestanden. Dort seien gegen ihn auch Todesdrohungen ausgestossen worden. Auf der Weiterfahrt seien die Angreifer dem Auto nachgerannt.

Der Mann sei verängstigt gewesen und habe keine vernunftgesteuerte Entscheidung getroffen. Vielmehr sei er heillos überfordert gewesen und wollte sich aus einer Sackgasse befreien, als er sein Auto wendete und zurückfuhr. Sein Handeln sei zum einen als Notwehr zu bezeichnen, zum andern als entschuldbares Fehlverhalten in einer Ausnahmesituation.

Freispruch

Der Anwalt des freigesprochenen Mannes zeigte sich erleichtert, dass die Richterinnen und Richter kein politisches Urteil gefällt, sondern nüchtern die Geschehnisse und die Beweise beurteilt hätten. Seinen Mandanten verfolgten die Geschehnisse bis heute, weshalb er sich auch vom Prozess dispensieren liess.

Seitens der Verletzten des Aufpralls erschien ein Privatkläger vor Gericht. Er erlitt beim Aufprall einen Schulterbruch, Hautdurchtrennungen und eine Hirnerschütterung. Der Freispruch mache ihn wütend, sagte er nach der Urteilsverkündung. Ob er das Urteil zur nächsthöheren Instanz weiterziehen wird, liess der Privatkläger offen. Auch die Staatsanwältin wollte sich heute nicht festlegen.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr

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44 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    "Freispruch" für diese Tat??
    Anstatt logischerweise zu Fuss mit der ÖV an die Demo (Massendemonstration), mit dem "Mercedes" bis zu den Demonstranten vorfahren......sehr speziell und damit auch Leben gefährdend!
    Einmal mehr sehr fragwürdige "Kuscheljustiz" Schweiz!!
    1. Antwort von Urs Müller  (Jackobli)
      Sie hätten den Fahrer also wegen Mercedes-Fahren verurteilt oder wie?
      Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen, bevor Sie in die Ökologie abgedriftet sind?
      Echt, das ist kein Kuschel-Justiz. Gehen Sie doch das nächste Mal (zu Fuss) an die Verhandlung, dann können Sie aus erster Hand informieren und nicht vom selbst gestrickten Sofa an der Seitenlinie.
      Ansonsten lesen Sie bitte den Link A. Meyer um 17.25h am 28.06. dort finden Sie anscheinend einen differenzierteren Blick auf das Urteil
    2. Antwort von Franz Lehmann  ((DrFranz))
      Frau Casagrande, es ist eben keine Straftat gewesen. Das Richtergremium hat die Beweise gewürdigt und ist zu einem Freispruch gekommen. Lesen Sie doch ansonsten mal die Artikel 111 bis 113 im StGB. Das Wort "Kuscheljustiz" ist nichts weiter als eine Phrase um Stimmung zu machen, jedoch absolut inhaltslos. Und was wollen Sie eigentlich mit Mercedes andeuten? Fiat wäre OK gewesen?
    3. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      Urs Müller: Hoppala, Sie haben den "Hinweis" betreffend "Auto", mit welchem bis zu den Demonstranten vorgefahren wurde, offenbar nicht verstanden, anders interpretiert....
  • Kommentar von Kev Baumann  (kevlar)
    Dieses Verhalten, diese Gewalt! In der Schweiz? So etwas kann ich nicht glauben.
  • Kommentar von Arber Thaqi  (arberi.th)
    Ohje ohje, ich glaube ich habe noch nie so viele Rechtschreibfehler in einem SRF Artikel gesehen.
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Arber Thaqi
      Guten Abend Herr Thaqi. Vielen Dank für ihr kritisches Feedback. Wir haben die Fehler in der Zwischenzeit korrigiert. Freundliche Grüsse, SRF News