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Schweiz Querulant von Solothurn ist vorbestrafter Waffenfan

Der Mann, der vor einer Gerichtsverhandlung in Solothurn einen Gerichtsschreiber geschlagen und einen Richter gebissen hat, ist ein stadtbekannter Querulant. Recherchen von «Schweiz aktuell» zeigen, dass Kuno W. schon im Gefängnis war und die Polizei bei ihm Waffen beschlagnahmt hat.

Legende: Video «Querulant von Solothurn ist vorbestrafter Waffenfan» abspielen. Laufzeit 3:20 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 01.07.2016.

Ein Gerichtsurteil, das «Schweiz aktuell» vorliegt, zeigt: 2010 wurde Kuno W. unter anderem «wegen mehrfacher Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte» zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Liste seiner Delikte ist lang: Unter anderem hatte Kuno W. «einen Staatsanwalt mit Faustschlägen und Fusstritten traktiert». Kuno W. war unter anderem in der Justizvollzugsanstalt «Schachen» in Solothurn untergebracht, einer Institution für Straftäter mit psychischen Krankheiten.

Ausbildung zum Schützenmeister

Wie die Solothurner Zeitung heute schreibt, war Kuno W. trotz dieser Vergangenheit regelmässig auf dem Schiessplatz anzutreffen, zwar nicht als Schütze, sondern als Schützenmeister, der für die Sicherheit im Schiessstand verantwortlich ist. Hier besuchte er im Frühling sogar einen Weiterbildungskurs. Bei den Sportschützen Leberberg war heute für «Schweiz aktuell» niemand zu erreichen.

Ulrich Bohren findet es sehr fragwürdig, dass Kuno W. noch um Waffen herum sein darf. Sein Beratungsbüros «Bohren & Lehner GmbH» hat während mehr als zwei Jahren die Vormundschaft für Kuno W. übernommen, nachdem die Sozialen Dienste der Behörden seiner überdrüssig geworden waren. «Wenn man seinen Fall kennt, dann ist das völlig unverständlich», so Bohren gegenüber «Schweiz aktuell».

Fehlende Rechtsgrundlage

Der Kantonspolizei Solothurn war Kuno W. bekannt und stand im Rahmen des kantonalen Bedrohungsmanagements unter Beobachtung. Ausserdem hat die Polizei bei ihm Waffen beschlagnahmt.

Laut Andreas Mock von der Kantonspolizei Solothurn fehlt die rechtliche Grundlage, um Kuno W. vom Aufenthalt auf Schiessplätzen abzuhalten: «Wir können einer Person die Waffen wegnehmen. Wir können ihm verbieten, Waffen zu besitzen, beides haben wir gemacht. Was wir allerdings nicht machen können, ist, einer Person den Zugang zu Schiessräumen, privaten Schiesskellern zu verbieten.»

Ähnlich klingt es beim Verteidigungsdepartement. Das VBS hatte Kuno W. die Bewilligung erteilt, einen zweitätigen Kurs zu besuchen, um sich zum Schützenmeister auszubilden. Das VBS teilt schriftlich mit: «Über die von Ihnen genannten Vorwürfe lagen uns zu diesem Zeitpunkt keine Informationen vor. Gemäss den geltenden Vorschriften ist die Vorlage eines Strafregisterauszuges zum Besuch eines Schützenmeisterkurses nicht vorgesehen.»

Erst bei einem Antrag auf den Bezug einer Leihwaffe würden die entsprechenden Datenbanken abgefragt, welche Vorstrafen aufzeigen würden. In Kenntnis dieser Fakten hätte man Kuno W. die Bewilligung aber nicht erteilt, so das VBS. Ausserdem wird aufgrund dieses Falles die Anpassung der entsprechenden Verordnung geprüft.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Interessant: unter SVP-Führung konnten sich Zustände halten wie wir sie schon fast aus den USA mit der National Rifle Association NRA kennen. - Erkennen diese Leute die direkten und relativ einfach zu unterbindenden Gefahren? Setzen sie die Prioritäten in der Sicherheitspolitik wirklich richtig? Ich habe da so meine Zweifel...
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    1. Antwort von Dölf Meier (Meier Dölf)
      Spinner leben überall auf der Welt und sind kaum zu vermeiden. Leider machen heutzutage die Medien gerne aus einer Mücke einen Elefanten. So produzieren sie Nachahmer.
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  • Kommentar von I. Bürgler (I.Bürgler)
    Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier ein Mensch einseitig von den Medien traktiert wird. Ich möchte jedenfalls seine Straftaten etwas genauer kennen. Er wird hier einseitig als Waffenfan und Deliquent erniedrigt. Was aber dazu führte, wird alles verschwiegen. Im Film sagt er, so geht es einem, wenn man sich für Gerechtigkeit einsetzt. Warum lässt man den Mann nicht vor den Medien aussprechen? Wie so manches in unserem Land von den Behörden "schöngeredet" wird, man muss beide Seiten hören.
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    1. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      DAS koennte tatsaechlich so sein!!!! Gut geschrieben, danke!
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    2. Antwort von Adrian Flükiger (Ädu)
      @Bürgler: die Faktenlage ist sicher schon noch etwas dürftig. Aber, solche Leute haben stets ein etwas seltsames Bild von Gerechtigkeit. Es war sicher nicht gerecht und schon gar nicht richtig, was er in diesem Gerichtssaal gemacht hat. Schon der Leibacher in Zug hatte ständig irgendwo mit irgendwem Zoff - da drehte er durch und richtete im Zuger Parlament ein Blutbad an. Er wird übrigens "hier" nicht als Waffenfan erniedrigt, sondern es wird aufgezeigt, dass er ein Sicherheitsrisiko darstellt.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Sollten all diese negativen Fakten über diesen Querulanten tatsächlich stimmen, fragt man sich als Bürger, der Jahrzehntelang Rechte, Pflichten und Anstand befolgte, warum niemand handelte! Es ist eben eine Realität, dass keiner keinem etwas unterschieben will, weil er ein "Gutmensch" mit einer sozialen und toleranten "Ader" sein will! Vorallem Politiker aus dem Mitte-Links-Lager und gutbezahlte Amtspersonen (Sozialarbeiter!) wollen schliesslich wieder gewählt werden oder den Job behalten!
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