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Legende: Video Was kostet der Atomausstieg wirklich abspielen. Laufzeit 05:00 Minuten.
Aus 10vor10 vom 19.12.2018.
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Radioaktive Abfälle Experte rechnet mit massiv höheren Entsorgungskosten

Ein Oxford-Forscher hält die Berechnungen des Bundes für unrealistisch. Das zuständige Bundesamt zeigt sich überrascht.

Schritt für Schritt will die Schweiz ihre Atomkraftwerke stilllegen. Als erstes wird im kommenden Dezember das AKW Mühleberg vom Netz genommen. Was bleibt sind radioaktive Abfälle, deren Beseitigung Milliarden kosten wird. Milliarden, die gemäss Gesetz die AKW-Betreiber berappen sollen, es gilt das Verursacherprinzip. Seit Jahren bezahlen die Betreiber der fünf Schweizer Atomkraftwerke deshalb in den sogenannten Entsorgungsfonds ein. Damit in schätzungsweise 30 bis 40 Jahren genug Geld vorhanden ist, um ein Endlager zu finanzieren.

Kritik an Sicherheitsmarge

Zurzeit rechnet der Bund mit Basiskosten von über 8 Milliarden Franken. Da die Kosten schwierig abzuschätzen sind, hat er aber als Vorsichtsmassnahme zusätzlich eine Sicherheitsmarge von 50 Prozent eingebaut. Er rechnet also de facto mit Kosten von bis zu 12 Milliarden Franken.

AKW Mühleberg.
Legende: Das AKW Mühleberg: In rund einem Jahr soll es vom Netz gehen. Keystone

Diese 50 Prozent seien unrealistisch, kritisiert nun Alexander Budzier von der britischen Universität Oxford. Zusammen mit weiteren Wissenschaftern hat er weltweit die Kosten von 216 Grossprojekten unter die Lupe genommen, darunter auch Endlager für radioaktive Abfälle. Budzier hat untersucht, wie stark die geschätzten Kosten bei Baubeginn von den effektiven Kosten nach Fertigstellung der Projekte abgewichen sind.

Experte rechnet mit Faktor vier

Im Auftrag der Schweizerischen Energiestiftung hat Budzier nun die Berechnungen des Bundes für den Entsorgungsfonds überprüft und kommt zum Schluss, dass eine Sicherheitsmarge von 202 Prozent angebracht wäre: «Die Schweizer Regierung rechnet aber nur mit 50 Prozent. Das ist aus unserer Sicht klar zu wenig.»

Swissnuclear, der Branchenverband der Schweizer AKW-Betreiber, hat noch vor zwei Jahren in einer Kostenstudie eine Sicherheitsmarge von 23 Prozent errechnet. Nachdem diese Marge bereits zuvor von einem Expertengremium auf 38 Prozent angehoben worden war, doppelte das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation dieses Jahr nach und erhöhte die Marge auf 50 Prozent.

Erstaunen beim Bundesamt für Energie

Die Aussage von Oxford-Wissenschafter Budzier, wonach gar eine Sicherheitsmarge von gut 200 Prozent realistisch wäre, löst beim Bundesamt für Energie (BFE) Erstaunen aus. Man habe ebenfalls mit internationalen Fachleuten zusammengearbeitet und nach wie vor «vollstes Vertrauen in unsere Berechnungen», kontert das BFE.

Legende: Video «Wir haben sehr genaue Zahlen» abspielen. Laufzeit 00:20 Minuten.
Aus News-Clip vom 19.12.2018.

Die Differenz zu den Berechnungen von Budzier erklärt sich das Bundesamt mit der unterschiedlichen Datengrundlage. Einblick in die Berechnungen will das BFE indes nicht gewähren und erklärt, dies sei aus juristischen Gründen nicht möglich.

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73 Kommentare

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  • Kommentar von Laurenz Hüsler  (Laurenz Hüsler)
    Kernkraft kostet (Gestehungskosten) knapp 4Rp/kWh, Solar 15Rp pro kWh. Die Entsorgung wird durch den Preis des Atomstroms finanziert (1Rp/kWh bei alten Werken, 0.1 Rp/kWh bei neuen). Es gibt da keine Subvention, ausser in der Phantasie. Kernkraft wird nur von Gas und Kohle unterboten. Wind und Solar brauchen Speicher oder Backup, das muss noch auf den Preis geschlagen werden, damit Kostenwahrheit gegeben ist.
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    1. Antwort von August Schläpfer  (Tsugua)
      Herr Hüsler, würden Sie hier bitte Ihre Quellen für diese so genau angegebenen Zahlen zur Verfügung stellen?
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    2. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      Das mit dem kompletten Fehlen der Subventionen ist nicht korrekt.Fast die gesamte Forschung vor Errichten der AKW wurde durch den Bund finanziert (und wird weiterhin im Paul-Scherrer-Institut).Die Industrie hielt sich da sehr edel zurück.Anschliessend gab es eine Monopolstellung der Elektrizitätswerke,d.h.eine indirekte Subventionierung durch freie Preisgestaltung durch die Anbieter.Und seit der Teilliberalisierung versuchen die Kraftwerkbetreiber die AKW inkl.Folgekosten dem Bund zu verkaufen.
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  • Kommentar von Thomas Steiner  (Thomas Steiner)
    Ohne die astronomische hohen Subventionierungen wäre unsere Atomkraftwerke nie rentabel gewesen, und sie werden es nie sein. Atomstrom kann jetzt schon nicht mehr mit erneuerbaren Energien mithalten, und dass obwohl der Grossteil der Kosten der AKWs nie in den Strompreis einbezogen wurde.
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  • Kommentar von Laurenz Hüsler  (Laurenz Hüsler)
    Radioaktivität ist seit etwa 100 Jahren bekannt, aber unsichtbar. Als homo sapiens sind wir geprägt, vor Unbekanntem Angst zu haben, aber das wird sich mit der Zeit geben.
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    1. Antwort von Dani Aeppli  (Dani Aeppli)
      Es geht hier nicht um die Angst Herr Hüsler, sondern um die Entsorgung!
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