Radioaktives Wasser – ganz normal?

Von den Schweizer Atomkraftwerken gelangt Radioaktivität in die Gewässer. Je nach Reaktortyp mehr oder weniger. Das lasse sich nicht verhindern, sagt das Ensi. Und von Gesetzes wegen ist es kein Problem.

Jahr für Jahr geben die AKWs Radioaktivität an Flüsse wie die Aare und den Rhein ab. Das stört Jürg Joss von der atomkritischen Gruppe «Fokus Anti-Atom» schon lange: «Die Kraftwerke dürfen innerhalb von Grenzwerten Radioaktivität abgeben. Mich nervt das schon seit Jahren.»

Das geltende Gesetz lässt dies zu. Beim Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi heisst es auf Anfrage, es lasse sich nicht verhindern, dass die Atomkraftwerke beim Betrieb Radioaktivität in die Gewässer abgeben. Die Abgabe erfolge chargenweise. Die radioaktiven Abwässer werden in Tanks gesammelt und anschliessend kontrolliert in die Gewässer abgegeben. Die Grenzwerte würden dabei immer eingehalten.

Mühleberg gibt am meisten ab

Für die Atomkritiker gibt es sicherere und unsicherere Reaktoren. Von den Schweizer Atomkraftwerken gibt Mühleberg mit Abstand am meisten Radioaktivität in die Gewässer ab. Das hängt auch mit dem Reaktortyp zusammen. Mühleberg ist ein Siedewasserreaktor.

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Bildlegende: Das Kernkraftwerk Mühleberg gibt von den Schweizer Atomkraftwerken am meisten Radioaktivität ins Wasser ab. Keystone

Ein Siedewasserreaktor hat nur einen Kreislauf und wird in der Aare gekühlt. Atomkritiker Jürg Joss erklärt: «Wenn bei einem Wärmetauscher ein Durchbruch ist, gelangt Radioaktivität in die Aare.» Ein Druckwasserreaktor hingegen habe zwei Kreisläufe und sei vom Kühlwasser zweimal getrennt, sagt Joss.

Das AKW Beznau hat einen Druckwasserreaktor. Früher wurden auch dort höhere Werte gemessen, aber laut dem Bundesamt für Gesundheit haben die Betreiber von Beznau Massnahmen ergriffen und die Werte senken können.

Neues System zur Auswertung

Der Bund misst die Radioaktivität in den Gewässern, etwa im Bielersee. Doch bis jetzt werden die aktuellen Messwerte nur einmal im Monat ausgewertet - das sei zu wenig häufig, hat man beim Bund erkannt: Ein neues Messsystem soll die Daten sofort auswerten, wie Sibylle Estier vom Bundesamt für Gesundheit erklärt: «Wir wollen ein automatisches System. So können wir innerhalb einer Stunde reagieren, wenn etwas passiert.»

Die neuen Sonden seien bestellt - bis Ende 2014 soll das neue Messsystem in Betrieb sein.