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Legende: Video Morteratsch-Gletscher verliert täglich eine Million Tonnen Eis abspielen. Laufzeit 02:15 Minuten.
Aus Tagesschau vom 29.06.2019.
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Rasante Gletscherschmelze Morteratschgletscher verliert eine Million Tonnen Eis am Tag

  • Bis vor Kurzem lag in den Bergen noch viel Schnee. Das hat die Gletscher geschützt, weil Schnee viel Sonnenlicht reflektiert.
  • In den letzten Wochen und Tagen schmolz der Schnee aber rasant. Dazu hat auch der Einfall von Saharastaub beigetragen.
  • Ein Beispiel: Der Morteratschgletscher im Engadin wird täglich um gegen eine Million Tonnen Eis ärmer.

Glaziologe Felix Keller von der Academia Engiadina ist erstaunt über den schnellen Schmelzprozess am Morteratschgletscher. «Vor zwei Monaten lagen noch über zwei Meter Schnee», sagt er bei einem Besuch vor Ort. Die Messstation auf rund 2500 Metern über Meer habe er damals ausgraben müssen. Jetzt ist das Gerät freigelegt und steht auf dem nackten Eis.

Grafik, die zeigt, wie schnell der Schnee auf dem Morteratschgletscher in den letzten Wochen geschmolzen ist.
Legende: Von über zwei Meter auf Null: So schnell ist der Schnee auf dem Morteratschgletscher in knapp zwei Monaten geschmolzen. SRF

Dass die Sonne nun direkt auf das Eis strahlt, treibe den Schmelzprozess voran. «Schnee ist eigentlich der beste Eisschutz, denn Schnee reflektiert sehr stark das Sonnenlicht. Neuschnee zu 90 Prozent, Altschnee etwa zu 70 Prozent und Eis nur zu 30 Prozent.» Und weil in diesem Frühling lange viel Schnee lag, war der Gletscher geschützt.

Wird das Sonnenlicht nicht mehr reflektiert, dann dringt es in den Schnee ein und schmelzt ihn.
Autor: Felix KellerGlaziologe

Natürlich waren die steigenden Temperaturen für die Schmelze verantwortlich. Aber nicht nur: Seit Mai trieb es mehrmals Saharastaub in Richtung Schweiz. Auf dem Morteratschgletscher ist der gelbliche Staub klar erkennbar. Für den Gletscher nicht gut, erklärt Felix Keller: «Der Saharastaub reduziert die Reflexionsfähigkeit des Schnees. Wird das Sonnenlicht nicht mehr reflektiert, dann dringt es in den Schnee ein und schmelzt ihn.»

Ein reissender Fluss von Gletschermilch

Die Folgen zeigen sich unterhalb des Gletschertors: Der Ausfluss an Wasser ist gewaltig. Rund eine Million Tonnen Wasser strömt derzeit täglich aus dem Gletscher. Der Morteratschbach ist zum reissenden Fluss geworden, er führt Hochwasser. Der Pegel sei weit höher als während der starken Niederschläge im Graubünden Mitte Juni.

Aushängeschild in Pontresina

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Der Morteratsch-Gletscher ist der volumenstärkste Gletscher in den östlichen Alpen und damit ein riesiger Süsswasserspeicher. Sein Gewicht wird derzeit auf rund 1.2 Milliarden Tonnen geschätzt. In den letzten 150 Jahren hat sich der Gletscher um rund zweieinhalb Kilometer zurückgebildet. Heute ist er noch gut sechs Kilometer lang. Die Wanderung zur Gletscherzunge ist bei Touristen äusserst beliebt.

Seit einiger Zeit arbeitet der Glaziologe Felix Keller an einem Projekt, um den Gletscher wieder zum Wachsen zu bringen. Die Idee: Schmelzwasser des Gletschers recyclen und wieder zu Schnee machen, der den Gletscher schützt.

Was dem Gletscher gut tun würde, sei Sommerschnee, sagt Keller. «Früher hat es immer mindestens einmal im Monat geschneit, auch im Sommer. Das ist extrem gut für den Gletscher, dann kann er die warmen Sommertemperaturen besser überstehen. Und das fehlt im Moment sehr.» Doch auch wenn es in den nächsten Tagen kühler wird, bleibt die Schneefallgrenze über 3500 Meter, wie es bei SRF Meteo heisst – also weit oberhalb des Gletschers.

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127 Kommentare

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  • Kommentar von Dani Keller  (¯\_(ツ)_/¯ ____)
    Der Bericht handelt von nichts anderem als der wiederkehrenden Frühlingsschneeschmelze im Gebirge - die natürlich auch auf einem Gletscher stattfindet. Dieses Jahr etwas später, weil der Mai sehr kalt war und viel Schnee lag.
    Für langfrisitige Vergleiche werden die Gletscher jeweils Ende Sommer (meines Wissens im August) vermessen, denn dann sind sie am dünnsten im Jahresverlauf.
    Ob der Gletscher verloren oder zugelegt hat und wieviel, zeigt sich also erst im August.
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  • Kommentar von Urs Stotz  (Urs Stotz)
    «Morteratschgletscher verliert eine Million Tonnen Eis am Tag», das klingt dramatisch, ist aber völlig reisserisch dieser Titel. Wir wissen ja nicht, ob das aussergewöhnlich für Juni/Juli ist. 1 Million Tonnen Eis pro Tag gibt 11.57 m3/s. Im Vergleich, die Limmat hat bei der Messstation Limmatpromenade am 30.6.2019 einen Pegel von 143 m3/s. Im Film um 1:35 sieht man den Hochwasser führenden Morteratschbach, aus meiner Sicht nichts aussergewöhnliches in der Jahreszeit.
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Urs Stotz: Schauen Sie sich ab 1900 im Fünfjahresrhythmus die Fotos des Gletschers an, dann wissen Sie wohin die Entwicklung führen wird. Ihre Kinder werden nur noch eine Geröllhalde anstelle des Gletscher sehen. Das jetzige rasche Schmelzen steht symbolisch für das Versagen der Menschheit in Bezug auf den menschlichen Ausstoss der Treibhausgase.
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    2. Antwort von Urs Stotz  (Urs Stotz)
      Herr Leu, danke für den Hinweis. Wenn ich aber einen Artikel wie diesen lese, möchte ich gerne nicht nur eine reisserische Zahl, wie «verliert 1 Million Tonnen Eis pro Tag» lesen, was einem Abfluss von 11.57 m3/s entspricht, sondern auch informiert werden, wie das im Verhältnis steht. Thomas Leu: «Das jetzige rasche Schmelzen steht symbolisch für das Versagen der Menschheit», also ich würde sagen, es steht in erster Linie für die aktuell hohe Temperatur.
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    3. Antwort von Martin Müller  (Sprak)
      Das Schmelzen der Gletscher ist kein neues Phänomen. Und es war schon einiges wärmer bei uns, das beweisen Baumfunde einige hundert Höhenmeter über unserer heutigen Waldgrenze.
      Herr Stotz sagt es richtig, es wird uns ein Faktum präsentiert, "1 Million Tonnen Eis pro Tag", ohne uns die Möglichkeit zu geben, dieses Faktum irgendwie einzuordnen. Die Zahl an sich scheint sehr gross, aber vielleicht ist sie in geologischen Zusammenhängen für Sommermonate eher klein.
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  • Kommentar von Stephan Kiener  (stepcom)
    Ich kann nicht beurteilen was bezüglich Klimaveränderung menschengemacht ist. Aber ich kann beurteilen was ich sehe. Klimawandel gab es sicher schon immer, doch nie in dem vorhandenen Tempo der letzten vier Jahrzehnte. Fast 40 Jahre im Engadin wohnhaft gewesen, ist für mich die Veränderung der Landschaft frappant. Die Gletscher schmelzen, der Berg bröckelt massiv, die Durchschnittstemperatur steigt auch in den Bergen massiv. Das sind die Fakten. Und darüber muss man sich Gedanken machen.
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    1. Antwort von Reto Derungs  (rede)
      Selbstverständlich ändert sich das Klima. Das hat es immer gemacht. Wie jeder selber nachlesen kann, war etwa ums Jahr 1850 die "kleine Eiszeit" zu Ende. Nach einer Eiszeit erwärmt sich die Erde. Das war schon immer so. Der globale Temperaturanstieg seit 1850 liegt bei etwa 1 Grad und damit innerhalb des natürlichen Bereichs. Diverse Studen belegen das. Der Mensch hat höchstens einen marginalen Einfluss darauf. Deshalb wäre es intelligent, sich auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten.
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    2. Antwort von Markus Guggisberg  (gugmar)
      @Stephan Kiener: Machen Sie sich nicht zu viele Gedanken. Es führt zu nichts !
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    3. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      Leider gibt es noch immer zuviel Menschen, denen das (...)egal ist!:((
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    4. Antwort von roland goetschi  (pandabiss)
      Derungs. Naja die sogenannte kleine Eiszeit war schon Menschen gemacht.
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    5. Antwort von Martin Müller  (Sprak)
      @pandabiss: Das ist ja ein ganz neuer Gedanke. Wie hat der Mensch die kleine Eiszeit gemacht? Bitte um Quellenangaben.
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    6. Antwort von Reto Derungs  (rede)
      @roland goetschi: Na ja, gemäss meinen Quellen ist die kleine Eiszeit, die etwa von 1500 - 1850 ging, das klassische Beispiel einer durch kurzfristige Schwankungen geprägten natürlichen Klimavariation. Aber wenn Sie mir Ihre Quelle angeben könnne, die besagt, dass auch diese Eiszeit bereits vom Menschen verursacht wurde, lasse ich mich gerne belehren.
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