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Recyclinganlage vorläufige stillgelegt
Aus Espresso vom 07.08.2020.
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Recycling-Anlage gestoppt Erneuter Rückschlag fürs Getränkekarton-Recycling

Die einzige Anlage in der Schweiz, die die Kartonfasern wieder aus Getränkekartons herausholen kann, steht still.

Die Hiobsbotschaft kommt überraschend: Die Model AG in Weinfelden (TG) stoppt bis auf Weiteres ihre Recycling-Anlage für Getränkekartons. Die Anlage, um Kartonfasern zurückzugewinnen, war erst 2017 in Betrieb genommen worden. Die Firma brauchte die Fasern in ihrer Kartonfabrik. Die Gründe für die Stilllegung: Die Verarbeitung der Getränkekartons rechnet sich nicht mehr. Zudem funktioniert die Anlage nicht reibungslos.

Eines der Hauptprobleme beim Getränkekarton-Recycling in der Schweiz: Es fehlt ein breit abgestütztes Finanzierungssystem wie beispielsweise beim PET. Dort wird das Recycling durch eine vorgezogene Gebühr bezahlt. Mangels Finanzierung gibt es beim Getränkekarton-Recycling schweizweit nur noch rund 100 Sammelstellen. Aldi hat die Sammlung in seinen Filialen im Frühling 2019 eingestellt – auch aus finanziellen Gründen. Die Recycling-Anlage in Weinfelden war bei Weitem nicht ausgelastet.

Ballen voll Getränkekartons
Legende: Die Recyclinganlage in Weinfelden ist die Einzige für Getränkekartons in der gesamten Schweiz. Getränkekarton-Recycling Schweiz

Recycling-Karton aus Getränkekartons zu teuer

Für die Model AG ist es inzwischen teurer, Kartonfasern aus Getränkekartons zu gewinnen, als Altkarton zu kaufen und zu verarbeiten. Denn die Marktpreise für Altpapier und Altkarton sind zusammengebrochen. Beim Recycling von Getränkekartons bleibt ein Gemisch aus Polyethylen und Aluminium zurück, erklärt Daniel Ballmann, Kommunikationsverantwortlicher der Model AG: «Nur schon die Entsorgung dieses Abfallprodukts ist teurer, als wenn wir Altpapier kaufen.»

Zur Zukunft der Anlage sagt Daniel Ballmann, die Model AG sei grundsätzlich offen, die Anlage technisch zu optimieren: «Aber ohne dass als solide Basis ein geeignetes Sammelsystem und Finanzierungsmodell zustande kommt, kann die Anlage nicht wirtschaftlich betrieben werden.»

Getränkekarton-Sammlung geht weiter

Die einzige Recycling-Anlage für Getränkekartons in der Schweiz steht nun also still. An den verbliebenen Sammelstellen und in gemischten Recycling-Sammelsäcken einiger Anbieter werden aber weiterhin Getränkekartons gesammelt. Was geschieht damit?

Kreislaufwirtschaft als Hoffnung fürs Getränkekarton-Recycling

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Der Verein Getränkekarton-Recycling Schweiz setzt seine Hoffnung in einen Gesetzesentwurf zur Förderung der sogenannten Kreislaufwirtschaft, der im Parlament ausgearbeitet wird. Deren Ziel ist es, Rohstoffe zu sparen und möglichst in Kreisläufen wiederzuverwerten. Für Simone Alabor ist klar, dass dazu auch das Recycling von Getränkekartons gehören muss.

Dieses war bislang aber auch in der Recyclingbranche umstritten, galt als zu aufwendig und zu teuer. In der Bevölkerung sei es jedoch ein Bedürfnis, sagt der Verein Getränkekarton-Recycling. Er erhalte regelmässig Anfragen zu Sammelstellen.

Der Verein hofft, dass die Idee der Kreislaufwirtschaft in der Recyclingbranche zu einem Umdenken führt. In der Schweiz gibt es für Alu, PET, Glas oder Batterien je ein eigenes Recyclingsystem mit eigener Administration, Marketing, Sammelstellen, Transporten etc.

Simone Alabor, Geschäftsleiterin des Vereins Getränkekarton-Recycling sagt dazu: «Es macht wenig Sinn, dass man für jedes Material eine eigene Lösung aufbaut. Das ist teuer.» Mit der Kreislaufwirtschaft bestehe die Chance, künftig Synergien zu nutzen. Bei gleichen Organisationsabläufen könne man sich die Kosten dafür teilen. Hier gebe es Sparpotenzial.

Die Thurgauer Innorecycling AG brachte die Getränkekartons aus ihren Sammelsäcken bisher zur Model AG in Weinfelden. Nun müsse er umorganisieren, sagt Geschäftsführer Markus Tonner: «Glücklicherweise ist das Getränkekarton-Recycling in Deutschland und Österreich bereits seit Jahren etabliert.» Die gesammelten Kartons können zur Verarbeitung ins grenznahe Ausland geliefert werden.

Diese vorläufige Lösung unterstützt auch der Verein Getränkekarton-Recycling Schweiz, der von Verpackungsherstellern gegründet wurde. Nach den Rückschlägen bei den Sammelstellen und der Anlage in Weinfelden stellt Geschäftsleiterin Simone Alabor fest: «Bis heute gab es für das Getränkekarton-Recycling wenig Unterstützung aus der Politik. Das ändert sich nun aber.»

Der Verein hofft, dass ein neues Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft ein Umdenken in der Recyclingbranche bewirkt: Ein gemeinsames Sammelsystem für Alu, PET, Getränkekartons etc., statt für jedes Material je ein eigenes Recycling-System. Das spart Geld.

Espresso, 07.08.2020, 8.13 Uhr

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Alexander Funk  (Alexfunk)
    Schade haben sich die Milchautomaten bei den Grossverteilern damals nicht durchgesetzt. Vielleicht ist die Zeit reif für einen neuen Versuch.
  • Kommentar von Andreas Würtz  (Andhrass)
    Die Getränke wieder in Depot-Flaschen aus Glas verkaufen, statt in Einwegkartons aus Verbundwerkstoff, der sich kaum noch trennen lässt. Das ist nachhaltig. Nicht diese hochkomplexen ‚Recycling‘-Fabriken, die höchstens ein Downcycling erreichen können.
  • Kommentar von Heinz Michel  (Joshuatree)
    Beim Receycling könnten viele Leute einiges mehr tun, ich beobachte täglich Leute welche PET Flaschen ohne zusammzudrücken in den normalen Abfall werfen selbst wenn daneben oder ganz nah PET Kübel stehen! Und neu die entsorgung der Masken: raus aus dem ÖV und Maske auf den Boden?? Da kann man wirklich nur sagen „ Sch.......e“