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Rendite um jeden Preis? Massenkündigungen von Mietwohnungen nehmen zu

Legende: Video Rendite um jeden Preis: Viele Massenkündigungen von Mietwohnungen abspielen. Laufzeit 15:35 Minuten.
Aus Kassensturz vom 20.11.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Mieterverband Basel nehmen sogenannte «Leerkündigungen» dramatisch zu. Heute kämen auf zehn Sanierungen fast ebenso viele Massenkündigungen.
  • In Basel-Stadt müssen Vermieter nach einer Volksabstimmung bald neu Sanierungen und Mietzinse bewilligen lassen.
  • Der Schweizerische Mieterverband fordert auch auf nationaler Ebene einen besseren Schutz der Mieter, vor allem der älteren.
  • Der Hauseigentümerverband ist gegen einen Schutz älterer Mieterinnen und Mieter. Diese würden sonst unattraktiv für den Wohnungsmarkt.

Im zürcherischen Regensdorf erhielten im Juni alle Mieter einer grossen Siedlung die Kündigung. Betroffen sind auch betagte Mieter, wie die 84-jährige Margrit Steindorfer. Dass sie nach 61 Jahren aus ihrer Wohnung muss, lässt sie schier verzweifeln: «Das ist für mich der Untergang, es ist einfach hart, in diesem Alter noch eine Wohnung suchen zu müssen.»

Legende: Video Die 84-jährige Margrit Steindorfer muss ihre Wohnung nach 61 Jahren verlassen. abspielen. Laufzeit 00:23 Minuten.
Aus Kassensturz vom 20.11.2018.

«Wir haben keinerlei Unterstützung erhalten»

Viele der betroffenen 126 Bewohner beklagen die fehlende Unterstützung der Liegenschaftsbesitzerin Swiss Life. An einem Informationsanlass habe man ihnen keinerlei Hilfe bei der Wohnungssuche angeboten. «Es hiess einfach, es habe genug freie Wohnungen auf den Markt», erzählt Mieterin Anna Groshans. Gerade ältere Mieter sind mit der Wohnungssuche jedoch überfordert, weil Wohnungen fast nur noch im Internet ausgeschrieben sind.

Swiss Life räumt gegenüber «Kassensturz» Fehler bei der Organisation und Kommunikation der Kündigungen ein. Man unterstütze betroffene Mieter nun bei der Wohnungssuche und sei zuversichtlich, dass man für alle Mieter ein schönes neues Daheim finden werde.»

Legende: Video Renato Piffaretti, Leiter Immobilien bei Swiss Life, entschuldigt sich abspielen. Laufzeit 00:20 Minuten.
Aus Kassensturz vom 20.11.2018.

Das Thema Leerkündigungen sorgt auch andernorts für Empörung. In Basel geriet etwa die Sanierung eines Wohnblocks an der Mühlhauserstrasse in die Kritik. Auch dort wurde im Herbst 2016 allen 22 Mietparteien gekündigt.

«Leerkündigungen nehmen dramatisch zu»

Solche Leerkündigungen würden dramatisch zunehmen, bestätigt Beat Leuthard vom Mieterverband Basel. «Vor zehn Jahren hatten wir auf zehn Sanierungen vielleicht eine Kündigung, beim Rest konnten die Bewohner in ihren Wohnungen bleiben. Heute ist es gerade umgekehrt.» In den meisten Fällen würden Hausbesitzer der Mieterschaft immer direkt auf Vorrat künden.

Legende: Video Beat Leuthard vom Mieterverband Basel abspielen. Laufzeit 00:16 Minuten.
Aus Kassensturz vom 20.11.2018.

Diese Entwicklung kommt nicht gut an. Das Stimmvolk des Kantons Basel-Stadt hat im letzten Juni eine Verfassungsänderung angenommen. Diese verlangt «den Erhalt bestehenden bezahlbaren Wohnraums in allen Quartieren.»

Neu gelte für Sanierungen und Abbrüche eine doppelte Bewilligungspflicht, erklärt Beat Leuthard: «Nur noch notwendige Umbauten sollen bewilligt werden. Und auch die Mietzinsen nach einem Umbau oder Abbruch müssen bewilligt werden». Wie diese Bewilligungspflicht konkret umgesetzt wird, ist derzeit noch offen.

Mieterverband fordert stärkeren Schutz älterer Mieter

Auch Balthasar Glättli, Vize-Präsident des Mieterinnen- und Mieterverbandes Schweiz befürchtet, dass Leerkündigungen schweizweit zunehmen werden. «Es gibt einen massiven Renditedruck und auch Renditeerwartungen von den Investoren. Dann kündigt man leer, weil man so massiv höhere Mietzinsen erzielen kann.» Der Verband fordert deshalb, dass insbesondere ältere Mieterinnen und Mieter besser vor Kündigungen geschützt werden. Vermieter sollen:

  • So sanieren, dass Mieter in die renovierten Wohnungen zurückkehren können.
  • Mietern Ersatzwohnungen anbieten.
  • Betroffene bei der Wohnungssuche unterstützen.
Legende: Video Studiogespräch mit Hans Egloff vom Hauseigentümerverband HEV abspielen. Laufzeit 06:46 Minuten.
Aus Kassensturz vom 20.11.2018.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Cora S. (Knuddeli)
    Es heisst zwar es gibt genug freie Wohnungen, doch diese sind die teuren, es gibt kaum bezahlbare Wohnungen und daher ist die Suche für ältere Menschen und jene mit wenig Geld weil sie z.b. IV haben einfach nur der Horror. Leider findet man als IV Bezüger, wie auch als betagter Mensch nur sehr schwer etwas bezahlbares. Sie sollten mal bezahlbare Wohnungen bauen! Es gibt so viele teure die deswegen leer stehen! Was bringt es eine teure zu bauen, wenn kaum einer die zahlen kann?
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  • Kommentar von Cora S. (Knuddeli)
    Meine Mutter und die ganze Liegenschaft wurde auch gerade Leer gekündigung, Sie lebt dort (Zürich 12) seit 1992 und wird grade jetzt Pensioniert! Der Stress ist einfach zu viel! Die Verwaltung hat noch gezeigt wie die neuen Wohnungen sein werden im anderen Haus, doch bei der Frage, ob die Mieter in Ihrem Haus auch raus müssen verneinte die Verwaltungsangestellte! So eine gravierende Lüge und dann heisst es "Wir haben Ihnen doch eine Wohnung nebenan angeboten!" Mieter seinen selbst Schuld!
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  • Kommentar von Ernst U. Haensler (ErnstU)
    Habe auch Kündigung. Suche nicht - da aussichtslos mit Haustieren. Vermieter wollen in ZH keine Haustiere - dabei sind die sauberer als die Mieter. Ich verlasse mich darauf, dass ich nach der Renovation zurück in "meine" Wohnung kann.
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