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Party mit Maske scheint zu gehen. Das sagt die Berner Bar- und Clubkommission
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 19.10.2020.
abspielen. Laufzeit 03:41 Minuten.
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Reportage Clubbing mit Maske – so lief das erste Wochenende

Maskenpflicht im Club. Was nun in der ganzen Schweiz gilt, haben Bern und Zürich schon erlebt. Die Erfahrungen.

Freitagabend im Gaskessel in Bern. Alles war angerichtet für ein Partywochenende mit Live-Konzerten. Nur ein paar Stunden vor dem Start informierten die Berner Kantonsbehörden, dass ab sofort nur 100 statt 300 Leute in die Klubs dürfen.

Organisator Gaskessel
Legende: Die Regeln werden ständig angepasst. Francisco Droguett vom Gaskessel musste kurz vor dem Wochenende umdisponieren. Michael Sahli/SRF

«Wir mussten sofort schauen, dass wir nicht zu viele Buchungen haben», sagt Francisco Droguett vom Jugend- und Kulturzentrum Gaskessel, das mit Vorverkauf-Tickets arbeitet. Er habe Glück gehabt, dass nur knapp hundert Tickets verkauft wurden. Eine Woche vorher hätten sie zwei Drittel der verkauften Tickets zurückgeben müssen.

Somit konnte die erste Partynacht mit den strengsten Richtlinien der Schweiz starten – noch ohne zu wissen, dass diese Massnahmen schon am nächsten Wochenende im ganzen Land gelten werden. Ein Testlauf also in Bern.

Diese Regeln gelten in Bars und Clubs

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  • Maskenpflicht: Gilt auch in Bars und Clubs, also auch auf der Tanzfläche.
  • Konsumieren im Sitzen: Egal ob drinnen oder draussen, darf nur noch sitzend gegessen oder getrunken werden.
  • Weniger Gäste: In Tanzlokalen dürfen sich nur noch 100 statt wie bisher 300 Menschen gleichzeitig aufhalten, oder sie sind nach Sektoren à maximal 100 Leuten voneinander getrennt.
  • Kontaktdaten: Die Gäste müssen ihre Daten weiterhin fürs Contact Tracing hinterlegen.
  • Je nach Kanton gelten strengere Regeln.

Der Start im «Chessu» war aber verhalten. «Die Unsicherheit mit den Masken spürte man», sagt Marlou Thalheim vom Gaskessel. Eine Besucherin erlebte dasselbe: «Am Anfang sind wir alle gesessen, weil wir dachten, wir dürfen gar nicht tanzen.» Die Leute hätten Hemmungen gehabt, denn: «Wenn man bei der Bar nicht am Trinken war, hat uns sofort jemand aufgefordert, bitte die Maske wieder anzuziehen.»

Sie habe das Gefühl gehabt, ständig beobachtet zu werden. Aber sie hätten dann trotzdem getanzt und niemand habe etwas gesagt, sagt die Besucherin mit einem breiten Lachen. Auf die Stimmung haben ihr die Regeln offenbar nicht gedrückt.

Leute stehen auf einer Treppe in einem Klub
Legende: Leute waren zwar da, sie waren zu Beginn aber unsicher. Michael Sahli/SRF

Sie waren aber auch da: Jene Leute, die sich sehr an den Masken störten. «Wenn du tanzt, ist es sowieso heiss, dann hast du noch etwas getrunken und dann dieser Geruch mit der Maske», sagt dieser Besucher.

Bilanz in Bern: Weniger als die Hälfte der Gäste

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Nach dem Partywochenende in Bern zieht Max Reichen von der Bar- und Clubkommission Bilanz.

SRF News: Wie lief das erste Partywochenende mit den Einschränkungen, mit maximal hundert Leuten?

Max Reichen: Wir hatten in der ganzen Stadt Bern nicht einmal die Hälfte aller Gäste. Das stellt die Betriebe vor ernsthafte Probleme. Wir brauchen Lösungen für die Miete, für Kurzarbeit, sonst reicht der Atem nicht mehr lange aus.

Mit den maximal hundert Gästen geht die Rechnung nicht auf?

Es gibt sicher Konzepte, die so funktionieren, aber in den meisten Fällen kann man mit diesen hundert Gästen nicht Angestellte an der Bar, am Eingang und die Künstler bezahlen.

Wäre es eine Option, die Preise zu erhöhen, einen Klub exklusiver zu positionieren?

Unsere Erfragung zeigt, dass dies nicht funktioniert. Das junge Publikum ist relativ Preissensibel und in die High-Class-Clubs funktionieren in Bern nicht.

Schliessen ist keine Option, müssen nun Alternativen her?

Wenn wir schliessen müssen wir uns fragen: Bezahlen wir die Löhne weiterhin und riskieren einen Konkurs, oder entlassen wir sie.

In der Mehrheit waren aber andere Stimmen: «Es war gar keine Frage, ob wir kommen oder nicht. Es geht auch mit Maske ab», meint diese Besucherin. Ihr Kollege ergänzt: «Wenn wir uns in der eigenen Bude verschanzen, werden wir vielleicht nicht wegen Corona krank, aber krank macht das trotzdem.»

Es geht auch mit Maske ab.
Autor: Besucherin Gaskessel

Je später der Abend, desto weniger schlimm schienen die Massnahmen. «Man kann sich auch mit Maske bewegen und richtig eintauchen. Ich habe vergessen, dass ich eine trug», meint eine Besucherin. Man bleibe oft genug zu Hause: «Ein solcher Abend wurde zur Ausnahme, darum geniesst man es bewusster.»

Leute hören ein Konzert
Legende: Mit der Zeit kam mehr Stimmung auf. Die Leute tanzten trotz Maske. Michael Sahli/SRF

«Alles ist anonymer», beschreibt ein anderer Besucher seine Erfahrungen. Man denke, man kenne die Person, die man sieht, sei sich aber nicht sicher. «Das macht das Ganze spannender.»

Leute stehen an
Legende: Im Raum Bollwerk sind sich nicht alle Besucher einig, was sie nun von den Masken halten sollen. Michael Sahli/SRF

Szenenwechsel. Vor dem Karma Klub in der Nähe des Bahnhofes wurde diskutiert, ob eine Maske nun beim Kennenlernen förderlich sei. Der Karma Klub war bereits von mehreren Coronafällen betroffen, musste deswegen auch schon schliessen.

Mit Maske sehe man die Persönlichkeit einer Frau nicht, meinte ein Besucher, oder wie er es anders ausdrückte: «Was machst du, wenn sie schöne Augen hat, aber die Maske auszieht und eine Zahnlücke hat?». Ein anderer Besucher habe da aber von anderen Erfahrungen gehört: «Mehrere Leute sagten mir, seit sie die Maske anhätten, ziehe das die Frauen noch mehr an.»

Das sagen die Klubs in Zürich

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Die strengeren Auflagen sorgen bei der Bar- und Clubkommission Zürich für Stirnrunzeln. «Es hat tausende Veranstaltungen gegeben, bei denen nichts passiert ist», sagt Sprecher Alexander Bücheli. Man wisse immer noch nicht genau, wie sich die Leute wirklich anstecken würden.

Die Clubs in Zürich seien noch daran, eine Bilanz des ersten Wochenendes zu ziehen. Was Bücheli aber schon sagt: «Wir hoffen, dass wir wenigstens über die Festtage offen haben können.»

Wie auch immer die Beweggründe der Partyleute aussahen, wer in den Klub kam, konnte mit der Maskenpflicht leben. «Vor drei Monaten hätte ich noch gesagt: Eine Party mit Maske ist nicht möglich», meint Francisco Droguett vom Gaskessel. «Nun sage ich: Das geht.» Schliesslich würden sie ein grosses Risiko eingehen, damit Kultur, das Soziale überhaupt noch möglich sei. «Wenn wir schliessen müssen, wird dies trotzdem stattfinden. Aber unkontrolliert.»

Kanton Aargau verlangt neu Masken in Bars und Clubs

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Ab Dienstag um 18 Uhr führt der Kanton Aargau zusätzliche Massnahmen ein. Die Anzahl gleichzeitig anwesender Personen in Bar- und Clubbetrieben wird auf 50 Personen beschränkt, zudem wird die Maskenpflicht auf sitzende Personen ausgeweitet.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 19.10.2020, 17:30 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Clubs und Bars weiterhin geöffnet zu lassen ist im Moment Wahnsinn. Wenn man sieht wie viel Mühe vor allem Jugendliche haben die Maskenpflicht im ÖV einzuhalten, wie läuft es dann in den Bars und Clubs? Alleine gestern während der Fahrt von meinem Wohnort zur Arbeit begegnete mit eine hohe Zahl an Menschen die es mit der Maskenpflicht nicht ernst genug nahm, mehrheitlich Jugendliche.
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  • Kommentar von Walter Mineral  (mineral.walter)
    Die Regelung ist grundlegend falsch. Es gibt Clubs wo 800 Leute Platz haben und es gibt Clubs wo 50 Leute Platz haben.... Die grossen können nicht überleben, die kleinen sind verantwortungslos überfüllt. Es dürfte keine absolute Gästezahl definiert werden, sondern wie für Geschäfte, Anzahl Personen pro Fläche.
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    1. Antwort von Claudia Dolfi  (Claudia D.)
      Beides ist relevant, eine Kombination beider Werte resp. der kleinere sollte massgeblich sein. Je mehr Leute, desto (exponentiell) mehr Kontakte und somit potentielle Ansteckungen. Auch für das Contact Tracing ist eine Obergrenze massgeblich. Aber natürlich ist auch die Personendichte relevant, insbesondere auch im Hinblick auf Aerosole.
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  • Kommentar von Xaver Aerni  (Xari)
    Unter solchen Massnahmen verzicjtet man auf Kino etc.
    Holt man lieber eine DVD. Macht mehr spass.
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