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Ist die Hilfe für die Swiss tatsächlich nötig?
Aus SRF 4 News aktuell vom 05.05.2020.
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Rettungsplan für Flugbranche «Die Hilfe für die Swiss ohne Auflagen ist richtig»

Der Nationalrat hat den Airline-Rettungsplan des Bundesrats durchgewinkt. Swiss und Edelweiss können mit einer Kreditgarantie von 1.3 Milliarden Franken unterstützt werden. Der Verzicht auf klimapolitische Auflagen in der aktuellen Krise sei richtig, denn die Klimapolitik sei längerfristg aufgegleist, sagt Andreas Wittmer, Aviatik-Spezialist an der Universität St. Gallen.

Andreas Wittmer

Andreas Wittmer

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Andreas Wittmer ist Geschäftsführer des Center for Aviation Competence und Vizedirektor des Instituts für Systemisches Management und Public Governance an der Universität St. Gallen., Link öffnet in einem neuen Fenster

SRF News: Das Parlament ist gegen eine Verknüpfung mit «grünen» Bedingungen. Wie beurteilen Sie diesen Entscheid?

Andreas Wittmer: Der Entscheid ist richtig. Die Klimapolitik und die vom Parlament gemachten Vorgaben wie CO2-Abgabe sind bereits entschieden und werden weiterverfolgt. Hier handelt es sich um ein kurzfristig zu lösendes, betriebswirtschaftliches Problem, da das Geld knapp wird. Nach der Krise geht die Klimadiskussion genau gleich weiter.

Wird die Staatshilfe nötig oder hat die Schweiz «ihrer» Airline vorauseilend geholfen?

Wir wissen nicht, ob die Hilfe notwendig wird. Das Management macht einen guten Job und plant in die Zukunft. Es befürchtet, dass es ein Cash-Problem geben könnte. Als systemrelevantes Unternehmen im globalen öffentlichen Verkehr muss die Leitung den Staat informieren. Praktisch alle Airlines in Europa und den USA haben von den Staaten Sicherheiten verlangt.

Das Swiss-Management macht einen guten Job und plant in die Zukunft.
Autor: Andreas WittmerAviatik-Experte, Universität St. Gallen

Hätte die Lufthansa-Gruppe nicht zuerst das Aktionariat in Betracht ziehen können?

Das habe ich mir lange überlegt, denn die Kapitalerhöhung ist eine gute Idee. Nur lassen sich wohl zurzeit keine privaten Investoren finden. Das Risiko eines Bankrotts ist angesichts der nicht absehbaren Dauer der Krise gegeben. Letztlich hätten ohnehin die Staaten die Kapitalerhöhung getragen. Damit hätte die Schweiz im Unterschied zur jetzigen Sicherheit aber Geld zahlen müssen. Der Staat hätte bei einem Aufschwung dann allerdings von den steigenden Aktienpreisen profitieren können.

Es geht auch um Wettbewerb. Ist es nicht unschön, wenn einzelne Staaten helfen und andere nicht?

Letztlich werden die meisten Länder ihre Airlines unterstützen. Es stellt sich eher die Frage, ob es richtig ist, auch jene zu unterstützen, die in den letzten 15 Jahren fast nur Verluste geschrieben haben. Vor dem Hintergrund, dass es zu viele europäische Airlines gibt, ein Markt fehlt und die Konsolidierung nicht gelingt, sind Investitionen fraglich. Doch da argumentieren alle Länder mit der Systemrelevanz.

Letztlich werden die meisten Länder ihre Airlines unterstützen.
Autor: Andreas WittmerAviatik-Experte, Universität St. Gallen

Hätte man das Risiko eingehen können, dass die Swiss die Krise nicht überlebt?

Ja. Eine andere Airline hätte die Strecken wieder aufgebaut. Die Schweiz hätte sich aber die Folgen überlegen müssen. Der Wegfall der Direktverbindungen war bereits 2005 Gegenstand einer Studie, als die Swiss in einer schwierigen Lage war und dann von der Lufthansa gekauft wurde. Denn ohne Schweizer Lizenz wären aufgrund der Luftrechte hauptsächlich Umsteigeverbindungen geblieben.

Swiss und Edelweiss.
Legende: Airlines werden weltweit als zu systemrelevant beurteilt, um sie einfach dem Markt zu überlassen. Keystone/Archiv

Für den Geschäftsstandort Schweiz mit seinem 700-Milliarden-BIP und der 70-prozentigen Exportlastigkeit ist der Luftverkehr relevant. Dieser transportiert fast ein Drittel im Wert von 150 Milliarden. Schlechte Anbindungen könnten sich auch negativ auswirken, wenn etwa Firmenhauptsitze oder Arbeitsplätze in der Schweiz nicht mehr gefördert würden.

Unsichere Anbindungen könnten sich negativ auswirken.
Autor: Andreas WittmerAviatik-Experte, Universität St. Gallen

Und was tun, wenn die ausländische Airline zum Spielball zwischenstaatlicher Probleme wird? Darum ist es wahrscheinlich nicht schlecht, eine Airline zu haben, die einem vertrauenswürdigen Partner gehört, der demokratisch funktioniert und die Anbindungen sicherstellt.

Das Gespräch führte Isabelle Maissen.

Video
Wie weiter mit der Luftfahrt? Das Parlament hat entschieden
Aus Tagesschau vom 05.05.2020.
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SRF 4 News, 05.05.2020, 07:20 Uhr;

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
    @Schulenburg, wie kommen Sie darauf, dass SWISS keine Schweizer Firma ist. Swiss ist eine in der Schweiz registrierte Firma nach Schweizer Gesetzen. Wer der Besitzer ist spielt doch keine Rolle.
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  • Kommentar von Janis Derk  (JanisDK)
    Was hat die Swiss mit der Schweiz zu tun? Das einzige ist die Schweizer Flagge auf dem Flugzeug. Jetzt macht der Bund geheim sitzungen, wie 1.5 Mia Steuergelder nach Merkel gehen. Und alle die Denken, dass es aus einer Notsituation kommt, liegen falsch. Der Bund macht das seit Jahrzehnten und keiner Schaut hin. Hoffentlich sehen mehr Menschen durch dieses Machtsysten. Eins ist klar, nächste Wahlen, werde ich definitiv andere Wählen!!
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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Ich sehe nicht ganz ein warum man eine Tochterfirma eines ausländischen Unternehmens besser behandelt ans manch echtes Schweizer Unternehmen. Denn seit die Swiss von der Lufthansa übernommen wurde ist Sie meiner Ansicht nach nicht wirklich ein schweizer Unternehmen.
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Alex Volkart: Firmen sind heute international. Gerade in der kleinen, wirtschaftlich offenen Schweiz sind die Verflechtungen über die Grenzen inzwischen der Normalfall. Entscheidend ist letzen Endes aber, in welchem Land die Wertschöpfung und damit die Arbeitsplätze sind. Diese bleiben hier. Der Eigentümer kann von einem auf den anderen Tag wechseln.
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