Am Mittwoch, 3. Februar 1999, laden vier Politiker und Politikerinnen zur Pressekonferenz im Restaurant Ochsen in Dornach SO. Die Idee, die sie präsentieren: ein neuer Kanton Nordwestschweiz.
Die konkrete Idee: Neben beiden Basel sollen auch die Solothurner Bezirke Dorneck und Thierstein zum neuen Kanton gehören, ebenso die Aargauer Bezirke Laufenburg und Rheinfelden. Der Kanton Nordwestschweiz hätte damit rund 600'000 Einwohnerinnen und Einwohner gehabt.
Unter dem Motto «Zusammenführen, was zusammengehört» reichten die Initianten und Initiantinnen in den Parlamenten der vier Kantone Vorstösse ein. Die Regierung solle die rechtliche Grundlage für einen Kanton Nordwestschweiz schaffen.
«Die Regionen sind wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich miteinander verwachsen», sagte die damalige Aargauer SP-Grossrätin Regine Roth aus dem Fricktal. «Ich wohne seit 50 Jahren in der Region. Aber eigentlich habe ich nie gemerkt, in welchem Kanton ich bin. Schlussendlich zieht es mich immer Richtung Basel.»
Als Bildungspolitikerin sah Regine Roth klare Vorteile in einer Fusion. «Wir haben entlang von 20 Kilometern vier verschiedene Schulsysteme», beklagte Roth. «Hier sind Regionen miteinander vernetzt, die ganz anders aufgestellt sind. Das stört, das hindert, das kostet.»
Nicht alle sind begeistert
Im Parlament stiess der Vorschlag auf starken Gegenwind. Ein neuer Kanton würde für neue Grenzen und damit für neue Konflikte sorgen, kritisierte CVP-Grossrat Markus Kunz und fügte an: «Ein Fricktaler hat mir gesagt, dass er lieber im Vorhof vom Aargau wohne als im Hinterhof von Basel.»
In der Bevölkerung kam die Idee eines Grosskantons unterschiedlich an, wie Strassenumfragen vom damaligen SF DRS zeigen. Vor allem im Fricktal war die Zustimmung spürbar. «Wir hier in Rheinfelden gehören sowieso nicht richtig zum Aargau», findet eine junge Frau. «Wir sind das Stiefkind des Aargaus», ergänzt ein Mann. «Ich wäre dafür!»
In Liestal BL hingegen klang es ganz anders: «Ich bin ein Baselbieter!», moniert ein älterer Herr. «Der Kanton gefällt mir und den soll man nicht auseinanderreissen.» Aus finanzieller Sicht mache das vielleicht Sinn, findet eine Frau. «Aber ich finde, es sollte trotzdem so bleiben, wie es ist.»
Kantonsfusion im Parlament chancenlos
Auch wenn das Thema hohe Wellen warf und viele Diskussionen auslöste – das Ende der Initiative ist schnell erzählt: In allen vier Kantonen scheiterte der Vorstoss deutlich. Im Kanton Aargau zum Beispiel mit 107 zu 16 Stimmen, in Solothurn mit 92 zu 11 Stimmen.
Eine Niederlage für den damaligen Mitinitianten und CVP-Kantonsrat Rolf Grütter. Der heute 72-Jährige erinnert sich noch gut an die Zeit, als die Politik über die Fusion diskutierte.
Ich wurde als Vaterlandsverräter beschimpft.
Mit dem Vorstoss hatte sich Grütter nicht nur Freunde gemacht. «Ich habe anonyme Schreiben erhalten und wurde darin auch als Vaterlandsverräter beschimpft.»
Auch wenn das Vorhaben vor 25 Jahren klar gescheitert ist, ist für Rolf Grütter die Thematik heute aktueller denn je. «Die Kantone müssen immer enger zusammenarbeiten; sei es bei der Spitalplanung, der Polizei, der Justiz oder der Digitalisierung», so Grütter. «Eine Kantonsfusion wäre die logische Konsequenz.»
Dennoch glaubt Grütter nicht, dass die Idee erneut angestossen wird. «Politikerinnen und Politiker denken meist nur an ihre Wiederwahl und trauen sich nicht, sich so weit aus dem Fenster zu lehnen.»