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Legende: Video Georg Häsler: «Rebords Führungsstil hat möglicherweise einen Kurswechsel eingeleitet» abspielen. Laufzeit 00:41 Minuten.
Aus News-Clip vom 04.04.2019.
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Rücktritt Chef der Armee Herausforderung: Krieg der Zukunft

Mit Korpskommandant Philippe Rebord verlässt einer die Kommandobrücke der Schweizer Armee, der als Menschenfreund gilt. In einer Zeit des Übergangs hat er die dritte Grossreform des Systems umgesetzt. Dies ist Rebord gelungen, attestieren ihm selbst Kritiker: Ruhig und ohne grosse Erschütterungen.

Hinter den Kulissen hat Philippe Rebord als ehemaliger Chef der Rekrutierung auf die drohenden Lücken beim Nachwuchs an neuen Soldaten hingewiesen – aus Sicht der Armee ein Problem. Rebord sah die Einsatzfähigkeit der Verbände in Gefahr. Damit hat er massgeblich zur umstrittenen Verschärfung der Kriterien für Zivildienstleistende beigetragen, die der Bundesrat im Februar in die Vernehmlassung geschickt hat.

Taucher Spesenaffäre

Ein Taucher für das Ansehen des Chefs der Armee bedeutete die Spesenaffäre: Rebord geriet mit anderen hohen Militärs in die Kritik, weil das Portemonnaie zu locker sass. So hat Rebord selbst die Partnerinnen seiner Kameraden mit dem Helikopter nach Crans Montana zu einer Golflektion fliegen lassen. Der Chef der Armee hat öffentlich Asche auf sein Haupt gestreut – ehrlich und glaubwürdig. Für seine neue Chefin Viola Amherd war die Sache damit erledigt.

Umstritten war Rebord vor allem bei der SVP. Dort hätte sich der eine oder andere Sicherheitspolitiker einen Chef der Armee mit Schneid und zackigerem Auftritt gewünscht. Ein sportliches Vorbild für seine Unterstellten. Doch Rebord hat die menschlichen Qualitäten in den Vordergrund gestellt, die für die Zusammenarbeit unter Druck und Gefahr ebenso wichtig sind – und bei zukünftigen Einsätzen vielleicht sogar noch wichtiger werden dürften.

Armee der Zukunft

Damit hat der abtretende Chef der Armee vielleicht bereits einen Kulturwechsel hin zur Armee der Zukunft vorbereitet: Hin zu einem modernen Instrument der Sicherheitspolitik, das seine Leistungen vor allem im Verbund mit zivilen Behörden erbringen muss. Im Cyber-Bereich sowieso, aber auch bei robusteren Einsätzen ganz in einem hybriden Umfeld.

Denn Akteure einer möglichen Gegenseite sind heute nicht mehr einfach fassbar. Sie reichen vom Hacker irgendwo weit weg bis zu schwerbewaffneten Banden der organisierten Kriminalität. Von politischen Splittergruppen – bis zu einer fremden Luftwaffe, die eine atomare Mittelstreckenrakete auch auf die Schweiz abfeuern könnte. Die gefährlichste Möglichkeit. Nach der Kündigung des INF-Sperrvertrags macht sich Viola Amherd bei der Beschaffung neuer Mittel für die Luftverteidigung auch Gedanken in diese Richtung.

IT-Fähigkeiten und Generalstabslaufbahn

Sie braucht also einen Nachfolger mit dem Blick in die übernächste Geländekammer, der Antworten geben kann auf die Frage: Wie sieht der Krieg der Zukunft uns? Dies dürfte kurzfristig entscheidend für die Akzeptanz eines neuen Kampfjets sein, der über das Jahr 2050 im Einsatz sein dürfte. Aber auch für die längerfristige Entwicklung der Armee: Vielleicht sind vertiefte Kenntnisse im Bereich IT-Sicherheit oder Kampfrobotik ebenso wichtig wie eine solide Generalstabslaufbahn.

Georg Häsler Sansano

Georg Häsler Sansano

Bundeshausredaktor

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Georg Häsler ist Bundeshausredaktor in Bern. Er studierte Klassische Philologie. Seine Spezialgebiete sind Südosteuropa, Sicherheitspolitik und die internationalen Beziehungen.

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39 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Das gefährliche an dieser Nuklearen Aufrüstung ist der nicht aus
    zu schliessende Umstand , dass durch einen Unfall oder ein Naturereignis, der berühmte Rote Knopf für einen Atomangriff auf irgend einer der X Abschussstellen dieser Erde ausgelöst und somit eine Kettenreaktion von Gegenangriffen eingeleitet werden. Das ist meine pers. Angst -somit müsste man sich bei allen Militärs einzig mit diesem Problem beschäftigen und weniger mit Strammstehen .
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  • Kommentar von Klaus Kreuter (KallePalle)
    Wie kann man eigentlich die eigene "Armee" so negativ darstellen. Die Armee der Schweiz ist keine Armee die irgendwo/irgendwann einen Krieg führen soll/wird. Diese Armee ist das Rückgrat der Schweizer Politik und dient ausschliesslich der Verteidigung des Heimatgebietes - BASTA. Immer alles nur negativ darstellen geht auf Dauer nicht. Angesagt ist die Unterstützung der jungen Leute die den Dienst absolvieren und sich ausbilden lassen um evtl. die Demokratie der Schweiz zu schützen.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      .. aber dann würde ich vorschlagen, Herr Kreuter, dass da Einiges geändert werden müsste im Verständnis, im Aufgabenbereich. Denn eine Armee wird wichtig sein, gerade mit den Umweltherausforderungen. Da braucht es den 'kriegerischen' Aspekt nur noch an einem kleinen Ort und mit wenigen spezialisierten Leuten .... Denn wenn ich es richtig verstehe, werden moderne Kriege vor allem wie bereits zwischen China un der USA schon mal über die Bühne gegangen, Cyberkriege sein.
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    2. Antwort von Bänziger Jean (jeba)
      Sehr gut Herr Kreuter bin ganz und gar ihrer Meinung. Der Wohlstand lässt
      grüssen.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Mir hat's grad etwas zuviel Offiziersfotos auf den SRF-Newsseiten...
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