Zum Inhalt springen
Inhalt

Schädlich oder nützlich? Der Streit ums Glyphosat

Der Unkrautvernichter Glyphosat steht in der Kritik. Er wird auch in der Schweiz eingesetzt – unter speziellen Auflagen.

Legende: Video Glyphosat-Einsatz in der Schweiz abspielen. Laufzeit 02:04 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.08.2018.

Ein kalifornisches Gericht hat letzte Woche den Agronomiekonzern Monsanto zu einer hohen Schadensersatzzahlung an einen krebskranken Mann verurteilt, weil der Konzern es versäumt hatte, auf die Gesundheitsrisiken des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in einem seiner Produkte hinzuweisen.

Das Urteil hat auch in der Schweiz für Diskussionen gesorgt. Denn auch hier wird Glyphosat eingesetzt. Kein Herbizid wird häufiger in der Schweiz verwendet. Der Verkauf von Glyphosat ist in den letzten Jahren aber zurückgegangen.

Legende:
Verkaufszahlen von Glyphosat seit 2008 in Tonnen Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF

Der Berner Bauer Matthias Rätz hat auf seinem abgeernteten Feld vor zehn Tagen Glyphosat gespritzt. Er habe es eingesetzt, weil er der Winde – einem hartnäckigen Unkraut – sonst nicht beikommen würde. Seit 20 Jahren verzichtet sein Betrieb fast gänzlich auf den Pflug, um den Boden zu schonen. «Es ist auch für den Boden besser. Wir haben viel mehr Regenwürmer, viel mehr Bodenlebewesen», erklärt der Landwirt.

Keine direkte Behandlung von Nahrungsmitteln mit Glyphosat

In der Schweiz wird Glyphosat nach der Ernte oder vor der Aussaat eingesetzt. Teilweise mit Subventionen vom Bund. Pflanzen wie etwa Salat oder Weizen kommen in der Schweiz aber nicht direkt mit Glyphosat in Kontakt.

«In der Schweiz ist eine direkte Behandlung der Nahrungsmittel mit Glyphosat nicht zugelassen. Das war nie zugelassen, das wird nie gemacht», sagt Martina Jenzer, Beraterin Zentralstelle Pflanzenbau Kanton Solothurn.

Anders sieht es teilweise im Ausland aus, wie beispielsweise in Argentinien. Der Unkrautvertilger Glyphosat wird hier direkt auf die Pflanzen gespritzt. Weil diese gegen das Herbizid gentechnisch resistent gemacht wurden – oder damit das Getreide gleichzeitig reift und geerntet werden kann.

Umweltschutzorganisation will Gewässer schützen

In der Schweizer Landwirtschaft sind solche Methoden nicht erlaubt. Die Umweltschutzorganisation Pro Natura sieht aber trotzdem ein Problem.

«Glyphosat wird in der Landwirtschaft eingesetzt. Mit dem Regen gelangt es in die Gewässer», sagt Marcel Liner, Projektleiter Landwirtschaftspolitik Pro Natura. «Wir wissen nicht genau, was dort passiert. Es gibt einen Cocktail von verschiedenen Stoffen. Das summiert sich und hat Auswirkungen, die wir nicht abschätzen können.»

Auf seinen Feldern setzt Landwirt Matthias Rätz wenn immer möglich auf Glyphosat-freie Methoden und testet Alternativen. Ganz auf Glyphosat zu verzichten ist für ihn aber schwierig. Auch für den Bauernverband steht das momentan nicht zur Debatte.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

48 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Ausgezerrte Böden werden uns zwingen anderns mit der Bodenfruchtbarkeit umzugehen. Vollherbizide, Insektizide und Kunstdünger, sind nicht mehr haltbar und Mitschuld am Wassermangel, es,geht also um den allgemeinen Bodenhaushalt. Auch wenn ab 2050 vieles anders kommt als vorausgesagt, vermutlich wieder kälter und nässer, wer weiss das schon. Letztlich ist Glyphosat mittelfristig gesehen nur 1 Baustein einer unhaltbaren Landwirtschaft. Das zwingt uns über Arbeitskräfte nachzudenken.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Ulrich Thomet (UTW)
      Die mechanische Bearbeitung ist der grösste Eingriff in die Bodenfruchtbartkeit, je weniger je besser. Ihre Aufzählung hat nichts mit dem aktuellen Wassermangel zu tun. Das Wasserhaltevermögen von Böden hat mit der Bodenart und der Bodenbearbeitung zu tun. Ungedüngte, nährstoffarme Böden sind wenig ertragreich. Es geht ohne PSM, aber nur mit loyalen Konsumenten. Nach meiner Einschätzung gibt es davon zu wenig.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter König (Vignareale)
    Wir haben noch ca 4-5 % aktive Landwirte dafür 90+% selbsternannte Landwirtschaftsexperten! Natürlich geht es ohne Glyphosat dann aber müssen die Lebensmittelpreise für den Produzenten höher werden
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Die übergeordnete Frage lautet doch, was für eine Landwirtschaft wollen wir? Eine die Menschen gesund ernährt, die Bauern/Bäuerinnen ein Einkommen und vielen Menschen Arbeit und Nahrung ermöglicht? Die Mit- statt gegen die Natur schafft?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen