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Glyphosat-Urteil in den USA Saftige Geldstrafe für Monsanto

Legende: Video «Fehlende Warnhinweise waren entscheidender Faktor für den Schaden» abspielen. Laufzeit 00:16 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 11.08.2018.
  • Ein Gericht in San Francisco verurteilt den US-Agrochemie-Konzern Monsanto zu einer hohen Schadensersatzzahlung an einen krebskranken Mann.
  • Das Unternehmen habe es versäumt, auf die Gesundheitsrisiken der Substanz Glyphosat hinzuweisen, die in einem seiner Produkte zum Einsatz kommen.
  • Das mittlerweile zu Bayer gehörende Unternehmen kündigte Berufung gegen das Urteil an.

Die Bayer-Tochter Monsanto ist im ersten Prozess wegen angeblich verschleierter Krebsrisiken seines Unkrautvernichters «Roundup» mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat zu einer hohen Schadensersatzzahlung verurteilt worden.

Die Geschworenenjury des zuständigen Gerichts in San Francisco ordnete laut US-Medien nach mehrtägigen Beratungen an, dass das Unternehmen dem Krebskranken Dewayne Johnson insgesamt 289 Millionen Dollar (287,5 Mio. Fr.) zahlen muss.

Warnung vor Risiken versäumt

Das Unternehmen habe es versäumt, den Mann und andere Verbraucher vor den Krebsrisiken seiner Unkrautvernichter zu warnen, entschied das Gericht.

Der 46-jährige Johnson, bei dem 2014 Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert wurde, hatte Monsantos Produkt «Roundup» für sein tödliches Leiden verantwortlich gemacht und dem Saatguthersteller vorgeworfen, die Gefahren des Unkrautvernichters verschwiegen zu haben. Der als Schädlingsbekämpfer an Schulen tätige Johnson hatte bis zu 30 Mal im Jahr Unkrautvernichter eingesetzt.

Brisantes Ergebnis

Obwohl es sich nur um einen Einzelfall und keine Sammelklage handelte, ist der Prozessausgang für Bayer und Monsanto brisant, da es die erste Gerichtsentscheidung überhaupt ist und sie wegweisend für die zahlreichen anderen Verfahren sein könnte. Bayer gibt sich kämpferisch. Auf die Integration der vor kurzem teuer erworbenen Tochter Monsanto habe das Urteil keinen Einfluss, sagte der Sprecher zu Radio SRF.

Der jetzige Fall war zuerst verhandelt worden, weil Kläger Johnson bereits im Sterben liegt und deshalb in Kalifornien Anrecht auf einen schnelleren Prozessbeginn hatte.

Legende: Video «Es geht um mehr als um mich» abspielen. Laufzeit 00:11 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 11.08.2018.

Nach dem Urteil sagte Johnson vor Medien, er sei froh, einen Beitrag für eine Sache zu leisten, die grösser sei als er. «Hoffentlich bekommt dieses Urteil die nötige Aufmerksamkeit, damit die Menschen in Zukunft wissen, worauf sie sich einlassen.»

Konzern verweist auf 800 Studien

Die Jury in San Francisco sah das genauso und folgte nach einem vierwöchigen Prozess weitgehend der Argumentation der Klägeranwälte. Monsanto kündigte den Berichten zufolge an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Es weist einen Zusammenhang zwischen Krebs und seinen Produkten zurück.

Scott Partridge, Vize-Präsident von Monsanto erklärte, dass «über 800 wissenschaftliche Studien gezeigt hätten, dass Glyphosat sicher eingesetzt werden könne und nicht krebserregend sei.» Auch Studien der US-Umweltbehörde EPA und der Nationalen US-Gesundheitsbehörde wären zu diesem Ergebnis gekommen.

Widersprüchliche Studien

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«Wir haben Mitgefühl mit dem krebskranken Mann und seiner Familie», lässt sich Scott Partridge, Vizepräsident von Monsanto, in einer Medienmitteilung des Konzerns zitieren. Aber das Urteil ändere nichts an der Tatsache, dass hunderte wissenschaftliche Studien und verschiedene Regulierungsbehörden Glyphosat als sicher und nicht krebserregend eingeschätzt hatten.

Auf den gleichen Standpunkt stellt sich gegenüber Radio SRF auch der deutsche Bayer-Konzern, der Monsanto vor Kurzem für 63 Milliarden Dollar übernommen hat. Im O-Ton will der Mediensprecher nicht erwähnt werden, weil Bayer den Prozess als aussenstehende Partei zwar intensiv verfolge, aber keine Einsicht in die Akten habe.

Tatsächlich gibt es unterdessen zahlreiche Studien zum Thema – viele von ihnen geben den Glyphosat-Herstellern recht. Gleichzeitig hat aber beispielsweise die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation vor drei Jahren festgehalten, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend sei und damit Kritikern recht gegeben.

«Glyphosat ist nicht die Antwort»

Man hätte, so fuhr Partridge fort, Sympathie für den Kläger Johnson. Auch könne man nachvollziehen, dass er die Frage beanwortet haben wolle, was die Ursache für seine Erkrankung sei. Doch, so fuhr der Monsanto-Vizepräsident fort: «Glyphosat ist nicht die Antwort.»

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte allerdings bereits im März 2015 darauf hingewiesen, dass Glyphosat bei Menschen krebsauslösend wirken könne.

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43 Kommentare

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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    Total meschugge, ein solch hoher Betrag. Ein Ausgleichs wäre ja sicher OK. Dieses Urteil ist jedoch typisch für die USA, grössenwahnsinnig. Das hat mit Gerechtigkeit kaum etwas zu tun. Dafür wird es Auswirkungen haben, über die bisher kaum jemand nachgedacht hat. Sammelklagen in astronomischer Höhe zum Beispiel, mit denen die Konzerne zugrunde gerichtet werden. Dadurch verlieren viele Menschen ihre Arbeitsplätze etc. Eigentlich gibt es ja definitv 2 Meinungen über Glyphosat. Welche stimmt?
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    1. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Monsanto produziert nicht nur Roundup, sondern uva vorab gentechverändertes Saatgut (Terminatortechnologie), die Bauern ruiniert usf. Monsanto strebt die vollständige Kontrolle der globalen Landwirtschaft an, sein Geschäftsverhalten gegenüber Bauern entsprechend sehr aggressiv. Es laufen nicht nur Kontroversen, auch weltweit Klagen gegen Monsanto wegen Schäden an allem Lebendigen u.systematischem deckeln od.falsch interpretieren von Studien usf. Nichts Besseres ist vorstellbar als ihr Untergang!
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  • Kommentar von Mike Hauser (Mike Hauser)
    Ist es Zufall oder Absicht, dass gerade nachdem die Firma nach Deutschland verkauft wurde mit der grosse Juristen Kelle gegen genau diese angerichtet wird? Klagen diesen Umfangs brauchen viel Vorbereitung, die Deutschen müssen von den Problemen gewusst haben und kauften trotzdem? für 67 Mia.? GROTESK!
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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Die Welt hat eine Ueberpopulation, ohne AgroChemie hat es einfach nicht genug auf den Tellern, und dann kommt noch der Kunde, der nur glaenzende Aepfel ohne Delle kauft.. dabei weis, dass die Aepfel gewachst sind meist mit einem Stearinhaltigen Produkt das halt auch Kanzerogen ist, Und Keiner/e schreibt ueber die wesentlich hoehere Kanzerogenitaet von Palmoel, auch Palmfrucht genannt (Margarine, Backwaren Brotaufstrichen etc) , garantiert hoeher als Glyphosat...
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