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Imker Thomas Wegmüller im Interview: «Der Sommerhonig blieb fast gänzlich aus»
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 28.09.2021.
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Schlechtes Wetter Schweizer Honig ist rar in diesem Jahr

Die Schweizer Bienen konnten dieses Jahr fast keinen Honig produzieren. Sie mussten sogar künstlich gefüttert werden.

Immer wieder war es längere Zeit nass in diesem Frühling und Sommer. Dann war es plötzlich wieder sehr trocken. «Das hat alles durcheinander gebracht», erklärt Thomas Wegmüller, Präsident des Verbandes der bernischen Bienenzüchtervereine. «Dann, wenn die Pflanzen blühten, konnten die Bienen nicht fliegen, weil es geregnet hat.» Bereits bei der Frühlingsernte gab es praktisch einen Totalausfall. Nun gibt es Gewissheit, dass auch die Sommerernte schlecht ausfällt.

«Wenn man mit den ganz alten Imkern spricht, sagen die, dass sie so ein Jahr wie dieses in den letzten 70 Jahren noch nie erlebt haben», so der Berner Imker Thomas Wegmüller. Auch Martin Schwegler vom nationalen Verband Bienen Schweiz bestätigt die dürftige Ernte. Die Befragungen seien zwar noch nicht komplett abgeschlossen, aber es zeichne sich ein sehr schlechtes Jahr ab. Ausser im Tessin und in den höheren Lagen oberhalb von 1000 Metern über Meer, da seien die Bedingungen für die Bienen besser gewesen.

Legende: Keystone

Kein Nektar: Was heisst das für die Bienen?

In diesem Jahr musste der Berner Imker Schwegler einem Teil seiner Völker Zuckerwasser bereitstellen, damit diese nicht verhungerten. An eine Honigernte war gar deshalb gar nicht zu denken. Normalerweise würden die rund 18'000 Imkerinnen und Imker in der Schweiz ihre Völker nur im Winter füttern.

Unterschiede beim Honig

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Blüten- und Waldhonig sind bei uns die häufigsten Honigsorten.

Blütenhonig entsteht, wenn die Bienen Blütennektar sammeln. Den Waldhonig gewinnen Bienen von Rinden und Blattläusen, sogenannten Honigtau-Produzenten.

Hätten die Bienen kein Zuckerwasser erhalten, wären viele wohl gestorben, mutmasst Martin Schwegler vom nationalen Verband. Es sei auch zu beobachten, dass es heuer aussergewöhnlich wenig Wespen habe. Auch sie könnten mit Futtermangel zu kämpfen haben. Ein ähnliches Schicksal droht den Wildbienen, die ebenfalls nicht künstlich von Menschen gefüttert werden. «Um diese müssen wir uns wohl mehr Sorgen machen, als um die rund 200'000 Honigbienenvölker, die ja von den Imkerinnen und Imkern umsorgt werden.»

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 28.09.2021, 12:03 Uhr;

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    Bin ebenso aus dem Kanton Bern und mein Wildbienenhotel wurde sehr gut besucht und etwa 6 Wildbienenarten (von klein bis gross) haben fleissig Rohr um Rohr mit Nektar und Eier gefüllt und verschlossen. Ebenso die Erdhummel machten ihre Nester, sowie die Feldwespe und Hornisse wie alle Jahre zuvor. Ferner habe ich noch 2 exotische Wildbienenarten entdeckt, die ich so noch nie gesehen habe. Es sind aber genügend verschiedene Blumenarten, Kräuter in der Umgebung, die ausreichend Nahrung anbieten.
    1. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Dchön, die Beobachtungen des Wildbienenhoteliers. Ich konnte am alten Efeu bei mir ausgesprochen viele Wildbienen beobachten - sprachen ihre noch von einem Abstecher ins Tessin? Spass beiseite, der späten Bienenweide fehlen die Stammkunden, andere machen sich darüber her!
      Der Stand des Honigverkäufers am Wochenmarkt ist derweil «diversifiziert»: Weil er kaum mehr Honig anzubieten hat, findet man da nun neu auch Eier und Gemüse. Sonst müsste er seinen Stand schliessen, meinte er trocken.
    2. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Es ist total faszinierend den «wilden» Bestäuber aller Arten zu zusehen. Auch wie wenig es eigentlich benötigt – Bienenweide – ihnen allen einen Lebensraum zu bieten. Die Flexibilität des Honigverkäufers am Wochenmarkt ist ebenso bemerkenswert. :-)
    3. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Nochmals schön, Herr Stahn, die Aufmerksamkeit, die Sie nebst Ihren Wildbienen auch einem Marktfahrer aus der Lombardei schenken. Seine Eier sind 1A, sein bisschen Gemüse und seine Flexibilität ebenso. Wenn ums Überleben geht, muss man Eier haben.

      Wenn man den Blick aufs grosse ganze lenkt, sieht man ja auch immer deutlicher, wie wir die Welt mitsamt ihren Bienen und Wildbienen an die Wand fahren. Ich hoffe, das sehen Sie auch, auch wenn es uns noch nicht direkt «as Läbige gaht», noch nicht.
    4. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Absolut, Herr Drack, ja natürlich sehe ich das (Blick aufs grosse Ganze) auch, da ich ja Imker zu meinem Freundeskreis zählen darf und so deren Sorgen aus erster Hand durchaus erfahre. Vielen Honigbienen fehlen oftmals schlicht die Nahrung im Mittelland, da weit verbreitete Monokulturen diese ja nicht bieten können. Kommt dazu, dass Untersuchungen aufzeigen, dass gewisse Bestandteile von Pflanzenschutzmittel nicht gerade förderlich für viele Bestäuber sind. Ich plädiere daher für mehr Sorgfalt.
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Da ist der zu einem grossen Teil von den Industrieländern verursachte Klimawandel am Werk. Wenn Insekten- und andere Tier- und Pflanzenarten sterben, so erleidet der Naturkreislauf Schaden. Dieser dreht sich dann auch gegen den Menschen. Und wir in der Schweiz basteln Jahrelang an einem sehr gemässigten, schon fast verdünntem CO2-Gesetz herum, lehnen dieses beschämenderweise sogar noch ab. Aber noch können wir sozusagen umkehren zu einer ökologischeren Lebensweise - miteinander.
    1. Antwort von Lukas Tschopp  (Nutzernamen eingeben)
      "könnten wir" - leider Konjunktiv...
    2. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Tschopp: Sie haben wahrscheinlich recht mit dem Konjunktiv. Aber der Indikativ ist gedacht auch gegen meinen eigenen Pessimismus, der sich bisweilen in mir breitmacht. Realistisch gesehen aber ist es schon so, dass der Mensch die Erde nicht retten kann. Aber jedes Zehntelgrad ist wichtig, um das die Temperatur weniger steigt. Das meine ich. Aber eben: sowohl Indikativ als auch Konjunktiv haben ihre Richtigkeit.
    3. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      @uvk, es ist nicht nur der Klimawandel der den Bienen zusetzt. Es ist auch die Landwirtschaft, die mit Ihrem Pflanzengift den Bienen und anderen Insekten zusetzt. Auch dort müsste unbedingt etwas unternommen werden.
  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Ist nicht das einzige Bienenproblem, wenn die Tierchen nicht ausfliegen können , können auch keine Blüten bestäubt werden = Problem Obst.