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Vom Schmerz in die Sucht
Aus Rundschau vom 30.10.2019.
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Schmerzmittel-Krise Chefberater von Swissmedic fordert Umdenken

Die Fachgesellschaft der Rheumatologen empfiehlt, bei chronischen Schmerzen keine Opioide mehr zu verschreiben – unter anderem wegen unerwünschter Wirkungen.

In der Schweiz steigt der Bedarf nach der Substanz Oxycodon stetig an, wie die Recherche von «Rundschau» zusammen mit dem Onlinemagazin «Republik» zeigt. Der Wirkstoff spielt eine wichtige Rolle in der US-Opioid-Krise: Er ist ein sehr starkes Schmerzmittel mit hohem Suchtrisiko.

Stephan Krähenbühl, Präsident der Swissmedic-Experten-Kommission, fordert, dass in der Schweiz die Richtlinien für die Opioid-Abgaben überprüft und allenfalls angepasst werden müssen. Unbestritten sei der Einsatz von Opioiden bei schweren Tumorerkrankungen oder auch kurzzeitig nach Operationen. «Doch bei unspezifischem, chronischem Schmerz dürfen Opioide nicht abgegeben werden», sagt Krähenbühl.

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Opioide gilt es mit einer Strategie einzusetzen
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Alle Opioide machen süchtig

Man darf vor Opioiden keine Angst haben, aber die Ärzte müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein und die starken Schmerzmittel nur mit Strategie einsetzen.
Autor: Stephan KrähenbühlPräsident Swissmedic-Experten-Kommission

Der Chefarzt für Pharmakologie arbeitet am Universitätsspital Basel und redet als Berater bei Swissmedic auch bei der Zulassung von Medikamenten in der Schweiz mit. «Es machen alle Opioide süchtig, nicht nur Oxycodon. Man darf vor Opioiden keine Angst haben, aber die Ärzte müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein und die starken Schmerzmittel nur mit Strategie einsetzen.»

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«Opioide sind gute Medikamente.»
Aus Rundschau vom 30.10.2019.
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Der Ärzteverband FMH betont, das Gesundheitssystem in der Schweiz unterscheide sich grundlegend von jenem in den USA. Eine Opioid-Krise sei hier nicht zu befürchten.

Stephan Krähenbühl, Präsident der Swissmedic Experten-Kommission, fordert aber trotzdem einen sensibleren Umgang mit Oxycodon. «Wir müssen mehr Anstrengungen unternehmen. Die Leute müssen sich noch besser informieren.» Und auch die Fachgesellschaften müssten die Richtlinien revidieren und eingestehen, dass sie das Problem unterschätzt hätten und in Zukunft anders vorgehen müssen.

Zunehmende Sorgen um Nebenwirkungen

Betroffene Schweizer Fachgesellschaften reagieren auf die Konfrontation mit dem Thema: Seit neustem empfehlen die Rheumatologen, bei chronischen Schmerzen keine Opioide mehr zu verschreiben. «Zunehmend Sorge bereiten die unerwünschten Wirkungen der Opioide, die von der Überdosierung bis hin zum Tod reichen können», schreibt die Schweizerische Gesellschaft für Rheumatologie. Vorsicht auch bei den Neurologen: Nach den neusten Empfehlungen dieser Fachgesellschaft sollen Opioide bei Kopfschmerzen nicht eingesetzt werden.

Die Schweizer Zulassungsbehörde Swissmedic nennt im Jahr 2018 zwei Todesfälle in Bezug auf Oxycodon, betont aber, dass in der Schweiz diese stark wirkenden Schmerzmittel vor allem in der Palliativmedizin zum Einsatz kämen. Ausserdem erhielten die gemeldeten Patienten oft noch andere Medikamente gleichzeitig.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Krebs Alfred  (A.Santiago)
    Nach meiner Meinung sollten die Spitäler der Sucht durch die Schmerzmittel mehr Beachtung schenken. Ich hatte im Jahre 2000 eine Hirnblutung wo ich im Inselspital in Bern behandelt wurde. Nachdem ich einigermassen hergestellt worden bin durfte ich übers Wochenende nach Hause um dann am Montag in die Rehabilitation in Tschugg zu gehen. Ich war so süchtig, dass ich den Wecker gestellt habe, um die Einnahme nicht zu verpassen. In Tschugg wurde ich dann auf Entzug gesetzt.
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  • Kommentar von Urs Stäbler  (Stab)
    Oxycodonhaltige Schmerzmittel wie beispielsweise Targin, sind weltweit die einzigen Schmerzmittel die kein anderes Organ angreifen, im Gegensatz zu Aspirin,
    welches rezeptfrei abgegeben werden.
    Ich hatte schon 4 Rückenoperationen und
    im Spital wurde mir jedes mal Targin verschrieben. Wichtig ist die richtige Dosierung die Sie mit dem Arzt abklären müssen. Ich konnte das Mittel ohne Entzugserscheinungen nach abklingen der Schmerzen absetzen.
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  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Genau diese Firmen sind gegen Cannabis! Cannabis wirkt ohne Nebenwirkungen und macht körperlich nicht süchtig aber die Big Pharma verdient kein Geld damit. Ich rede aus beruflicher Erfahrung über das Thema Schmerzpatienten und könnte unglaubliche Geschichten erzählen.
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