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Scheidender Bundespräsident Schneider-Ammann: Mit Blick auf Trump «nicht pessimistisch»

Legende: Audio Johann Schneider-Ammann – Rückblick auf Bundespräsidenten-Jahr abspielen.
26 min, aus Tagesgespräch vom 19.12.2016.

Das Wichtigste in Kürze

  • Auch für den scheidenden Bundespräsidenten ist die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten überraschend gekommen.
  • Die bisher bekannte Zusammensetzung des künftigen Trump-Kabinetts, mit zahlreichen Lenkern von Grosskonzernen, stimmt den FDP-Bundesrat «gar nicht so pessimistisch».
  • Schneider-Ammann warnt mit Blick auf wachsende Abstiegsängste in der Bevölkerung vor gefährlicher Selbstgefälligkeit und kritisiert Gesellschaften, die alles «normieren und regeln» wollen.

Dass Donald Trump die Wahl zum US-Präsidenten gewinnen würde, hätte der scheidende Bundespräsident Johann Schneider-Ammann nicht erwartet. Zuversichtlich gibt er sich, was die künftige Regierung von Polit-Neuling Trump angeht.

«Ich hatte am Vorabend der Wahl zwei Gratulationsbriefe vor mir, die ich unterschreiben sollte. Ich unterschrieb nur einen. Den anderen musste ich dann am nächsten Morgen unterschreiben. Auch ich lag falsch», erklärt Schneider-Ammann gegenüber der «Schweiz am Sonntag».

Der Schweiz Respekt gezollt

In einem Telefongespräch mit Trump sei es ihm dann aber wohl «ganz gut gelungen, die Schweiz auf die politische Landkarte des künftigen US-Präsidenten zu setzen». Trump habe der Schweiz Respekt gezollt und unter anderem mehr über die Handelssituation wissen wollen. «Ich bin da gar nicht so pessimistisch», sagte Schneider-Ammmann im Bezug auf die künftige US-Regierung.

Denn Trump habe Leute in sein Kabinett geholt, die Grosskonzerne gesteuert haben. Schneider-Ammann geht «davon aus, dass auch sie den Erfolg von ihren Business-Aktivitäten vor allem im Erschliessen von zusätzlichen Märkten gefunden haben.» Und offene Märkte seien für die Schweiz die einzige Chance.

Gefährliche Selbstgefälligkeit

Mit Abstiegsängsten, die als Ursache für den Ausgang der US-Wahlen ins Feld geführt wurden, müsse auch die Schweiz als wohlhabendes Land umgehen können.

Das Gefährlichste sei diesbezüglich die Selbstgefälligkeit, warnte der FDP-Bundesrat. «Wenn unsere Gesellschaft offen und frei bleiben will - nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht -, müssen wir wieder Vertrauen schaffen und Ängste abbauen. Sonst werden wir zu einer Gesellschaft, die alles regeln und normieren will. Etwa in unserem westlichen Nachbarland ist viel mehr durchreguliert, der Preis dafür sind hohe Arbeitslosigkeit und gesellschaftliche Probleme.»

«Complimenti» vom Papst

Auf sein zu Ende gehendes Amtsjahr als Bundespräsident angesprochen, zählte Schneider-Ammann drei Ziele auf, die zu Beginn definiert worden seien: Beschäftigung erhalten, terroristische Attacken vermeiden und die Klärung des Verhältnisses zu Europa.

Highlight des Jahres sei für ihn nicht etwa das Treffen mit Obama oder das Trump-Telefonat sondern der Besuch bei Papst Franziskus gewesen. «Es war unerwartet, dass ich mit ihm allein 45 Minuten sprechen konnte - ohne Übersetzer, ohne Stab.» Es habe ihn beeindruckt, dass er ein so natürlicher, normaler Mensch sei. Der Pontifex habe der Schweiz «complimenti» gemacht.

17 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus Kreuter (Klaus Kreuter)
    Jeder der kommentierenden Personen kennt DT genau und geht davon aus auch entsprechend diskutieren zu können. Ich lebe z.Zt. In den USA und kann nur allen sagen, dass auch die vorher kritischen Menschen nach dem Motto handeln: Abwarten und Tee trinken. Was hat denn OBAMA fertiggebracht? Die Nation total gespalten, eine Krankenversicherung kreiert die nicht mal ansatzweise gut ist, Russland total verärgert, in Syrien zugeschaut und Geld verpulvert. Es kann nur besser werden.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Kreuter, in Europa und wahrscheinlich nicht nur in Europa, ist ein mediales Zerrbild bewusst und absichtlich gewollt verbreitet worden. Das wird so weiter gehen und die Gehässigkeiten werden deutlich zunehmen.
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  • Kommentar von Hans Fürer (Hans F.)
    Dank der "Ehre" eines viertelstündigen Telefongesprächs ist unser Wirtschaftsministers umgehend Fan des zukünftigen US-Präsidenten geworden. Möge sich Schneider-Ammanns Optimismus bewahrheiten - mich erfüllt die Zusammensetzung des Trump-Kabinetts mit Angst und Schrecken, sieht mir ganz danach aus, dass von dieser Regierung Umwelt und Moral zugunsten von Profit und nochmals Profit für sich und die eigene Clientele aus der Liste gestrichen wird.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Ohalätz, der scheidende FDP Bundespräsident hatte zuerst, in der totalen Überzeugung und Hoffnung, dass Hillary gewinnen würde, das falsche Gratulationsschreiben unterzeichnet und musste dann korrigieren. Nun durfte er erfahren, dass Trump der Schweiz sogar wohlgesinnt ist. Wer weiss, vielleicht besucht der neue US Präsident auch mal die Schweiz.
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    1. Antwort von Peter Singer (P.S.)
      Natürich sagt Trump sowas. Aber Sie haben den Kernpunkt nicht verstanden. Im Wahlkampf sagte Trump, dass er den Freihandel einschränken wird. Das wäre ziemlich schlecht für die Schweiz. Nun aber glaubt Schneider-Amman (und übrigens die meisten anderen auch), dass Trump seine Versprechen nicht einhalten wird und den Freihandel nicht einschränkt.
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