Schneider-Ammanns Schweigen schadet ihm

Seit Tagen gibt Bundesrat Johann Schneider-Ammann keine Interviews mehr. Als ehemaliger Chef der Ammann-Gruppe sieht er sich mit dem Vorwurf der Steueroptimierung konfrontiert. Angesichts des medialen Drucks müsste er öffentlich Stellung nehmen, findet Politikberater Mark Balsiger.

Es ist nicht illegal, aber umstritten: Als Chef des Industriekonzerns Ammann-Gruppe soll Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann vor Jahren im Ausland in grossem Umfang Steuern optimiert haben.

Viele Fragen stehen im Raum, doch Schneider-Ammann schweigt. In einer schriftlichen Stellungnahme bekräftigte er lediglich, jederzeit korrekt gehandelt zu haben. Das sei die falsche Strategie, findet Politikberater Mark Balsiger.

Mit dem Rücken zur Wand

«Er wirkt defensiv, er steht mit dem Rücken zu Wand und es herrscht bleiernes Schweigen», stellt Balsiger im Gespräch mit SRF fest. Es bestehe die Gefahr, dass dieses Verhalten als Eingeständnis interpretiert werden könnte.

Zwar beziehen sich die Vorwürfe gegen die Ammann-Gruppe nicht auf ein rechtlich illegales Handeln. Dennoch sei der mediale Druck enorm: «Die Online-Medien haben heute eine gigantische Reichweite. Es gab bereits Vorverurteilungen. Deshalb wäre es wichtig, dass Schneider-Ammann schnell vor die Medien steht, auch wenn es eigentlich gar nichts Neues zu sagen gibt», findet Balsiger. Er müsse sich den Dutzenden schwierigen Fragen stellen.

Schnelle Vorverurteilungen

Balsiger beobachtet, «dass Spitzenpersonal heute sehr stark nach moralischen Massstäben gemessen und teils auch sehr schnell vorverurteilt wird». Mit Blick auf Schneider-Ammann sagt er: «Sollte die Untersuchung tatsächlich etwas zu Tage fördern und sollte er weiter schlecht oder gar nicht kommunizieren, dann wird es eng.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Schneider-Ammann unter Druck

    Aus Rundschau vom 5.2.2014

    Das Saubermann-Image von Bundesrat Schneider-Ammann hat an Glanz verloren. Die Ammann-Gruppe optimierte während Jahren Steuern über das Offshore-Paradies Jersey. Damit war sie nicht allein. Das Bundesgericht hat in einem ähnlichen Fall die Briefkasten-Konstruktion einer bekannten Schweizer Firma auf den Cayman-Inseln nicht akzeptiert - und das Unternehmen zum Steuern zahlen in der Schweiz verpflichtet.

  • Millionen in Steuerparadiesen II

    Aus Rundschau vom 29.1.2014

    Auch in der Schweiz profitiert das Unternehmen, das zwei Jahrzehnte vom heutigen Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann geführt wurde, von einem Steuer-Privileg.