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Während der Pandemie gelten strenge Vorschriften hinter Gitter – das macht vielen zu schaffen
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 31.03.2021.
abspielen. Laufzeit 06:37 Minuten.
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Schnelltests in Gefängnissen Mütter hinter Gittern dürfen ihre Kinder wieder berühren

Um jeden Preis wollte der Kanton Bern verhindern, dass das Virus hinter die Gefängnismauern gelangt. Deshalb gelten im Justizvollzug strenge Vorschriften: Teilweise durften Insassinnen und Insassen keinen Besuch empfangen; und wenn Besuche erlaubt sind, dann nur hinter Plexiglasscheiben. Es gilt zudem eine Ausgangs- und Urlaubssperre.

Die Lage im Frauengefängnis

Das einzige Frauengefängnis der Schweiz steht in Hindelbank im Kanton Bern. Etwa 20 Mütter, deren Kinder in der Schweiz leben, sind dort inhaftiert.

Viele verzichten im Moment auf ihr Besuchsrecht. Das Kind zu sehen, es aber nicht umarmen zu dürfen, sei zu hart. «Getrennt sein von den Kindern, das ist für die Mütter sowieso das Schwierigste an der Gefängnisstrafe», sagt Annette Keller, Direktorin der Justizvollzugsanstalt Hindelbank.

Die Trennung von den Kindern macht vielen Frauen zu schaffen.
Autor: Annette KellerDirektorin Justizvollzugsanstalt Hindelbank

Seit Beginn der Pandemie gibt es im Berner Justizvollzug die Möglichkeit, per Video zu telefonieren. Davon profitieren insbesondere diejenigen Mütter, deren Kinder im Ausland leben.

«Da gab es sehr emotionale Momente», sagt die Direktorin. «Einige Frauen haben ihre Kinder seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen, das war jetzt möglich.» Videoanrufe würden auch künftig möglich sein, das wolle man beibehalten, auch nach der Pandemie.

Erwachsenenvollzug im Kanton Bern

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Im Kanton Bern gibt es insgesamt vier Justizvollzugsanstalten für Erwachsene: Hindelbank (für Frauen), Witzwil, Thorberg und St. Johannsen.

Insgesamt leben rund 1000 Personen in den Haftanstalten.

Generell hätten die Insassinnen und Insassen die Coronamassnahmen akzeptiert, sagt David Mühlemann. Er leitet die Fachstelle für Freiheitsentzug bei der Menschenrechtsorganisation Human Rights. Man habe die bittere Pille geschluckt. Aber: Es sei höchste Zeit, dass der Kanton Bern seine strengen Vorschriften im Justizvollzug nun lockert.

Recht haben und Recht bekommen sind zwei unterschiedliche paar Schuhe.
Autor: David MühlemannFachstelle für Freiheitsentzug bei Human Rights

Oft sei es für Gefangene schwierig, ihre eigenen Rechte geltend zu machen und sie durchzusetzen, wie zum Beispiel das Recht auf Besuch.

Das oberste Ziel: Resozialisierung

Ist man in einem Schweizer Gefängnis, so arbeitet man ab Tag 1 darauf hin, wieder in die Freiheit entlassen zu werden. Dafür brauche es drei Dinge, so David Mühlemann: Kontakte nach «draussen» weiterhin pflegen, während der Haft einer Arbeit nachgehen und gegen Ende der Haft Urlaube beziehen.

Kein Urlaub = keine Reintegration

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Gegen Ende einer Haftstrafe bekommt man Urlaub. Das heisst, man darf das Gefängnis versuchsweise verlassen, um sich an die neue Freiheit zu gewöhnen. Dies war im Kanton Bern bis Ende März nicht möglich.

«Wenn der Justizvollzug die Resozialisierung nicht leisten kann, dann gibt es ein Legitimationsproblem.» Solche krassen Einschränkungen, wie sie bis vor kurzem galten, dürfe man nur kurze Zeit aufrechterhalten.

Da sei man dran, heisst es aus dem Frauengefängnis Hindelbank. Die Direktorin Annette Keller betont: «In unaufschiebbaren Fällen – zum Beispiel um eine Wohnung zu besichtigen oder für ein Bewerbungsgespräch – gewähren wir Ausgang.» So wie in Hindelbank läuft es auch in den anderen Berner Gefängnissen.

Die Rettung naht

Dank einer neuen Corona-Strategie im kantonalen Justizvollzug könnte sich die Lage der Gefangenen bald verbessern. Künftig sollen Frauen und Männer nach den Besuchen oder Urlauben mit Schnelltests getestet werden. So sollen sie wieder Freiheiten erhalten. Der Regierungsrat muss diesem Vorschlag aber noch zustimmen und die Covid-Verordnung entsprechend anpassen.

Letzte Hürden

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Ab Mitte April will das Amt für Justizvollzug Schnelltests durchführen können. Dies muss noch vom Regierungsrat bewilligt werden – er muss die Covid-Verordnung entsprechend anpassen.

Einen Lichtblick gibts aber sowieso für die Mütter im Frauengefängnis Hindelbank: Ab Freitag dürfen sie dank der Schnelltests ihre Kinder wieder umarmen.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 1.4.21, 6:31/17:30 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Hanselmann  (kinkiri)
    Also wieder zurück auf normal in einem Land das 2018 zumindest wenn es um die Deutsschweiz geht stossend schlecht bezüglich Besuchsrechten für Kinder abschneidete. Dazu gehören Berührungen im Gefängnis, die durch internationale Verträge geschützt sind. Die Schweiz wurde u.a. von der ACAT kritisiert. Die Gefängnisdirektioren wissen, dass sie die Kinderrechtskonvention erfüllen müssen.
  • Kommentar von Max Herren  (Äuä)
    Genau so wird nach wie vor die klassische Rollenverteilung zementiert. Neben den 20 Müttern in Hindelbank gibt es Hunderte von Vätern, die während der Pandemie ebenfalls auf Umarmungen ihrer Kinder verzichten mussten. Ich will nicht die Mütter gegen die Väter ausspielen, aber eine ausgewogene Berichterstattung hätte auch Vätern eine Stimme gegeben.
    1. Antwort von Ursula Stöckli  (Lac Léman-Fan)
      Genau, danke!
    2. Antwort von Anita Rusterholz  (Anita Rusterholz)
      Recht haben Sie, Herr Herren. Meine Zustimmung haben Sie. Danke.
  • Kommentar von Astrid Meier  (Swissmiss)
    Es dürfen ja auch Mütter in Altersheimen ihre Kinder und Enkel nicht berühren.
    1. Antwort von Roger Gasser  (allesrotscher)
      Mütter in Altersheimen haben doch keine kleinen Kinder mehr die Umarmung brauchen, die Kinder haben doch Eltern die dafür zuständig sind. Aber Ihre Logik erschliesst sich mir auch sonst nicht, so etwa im Sinne von: die einen dürfen das nicht also solleen die anderen das auch nicht dürfen?? Bedenklich....
    2. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Die Kinder der Mütter, die im Strafvollzug sind, leben bei ihren Vätern, in Pflegefamilien oder Kinderheimen. In keinem dieser Orte müssen sie auf Umarmungen verzichten. Verzichten müssen einzig ihre Mütter, für die ist es hart. Und meine Logik war nicht, wenn die einen nicht dürfen, dürfen die anderen auch nicht. Sondern: keine Nähe zulassen zu dürfen schmerzt. Egal ob die Mutter 40 oder 85 ist.