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Gefährdete Quell-Lebensräume
Aus Echo der Zeit vom 10.03.2021.
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Schutz natürlicher Quellen Gefährdete Lebensräume – Quellen besser schützen

Lange wurden Quellen für die Wasserversorgung gefasst oder verbaut, ohne Rücksicht auf Naturschutz. Das ändert sich nun.

Libellen wie die Gestreifte Quelljungfer oder Amphibien wie der Feuersalamander haben es schwer: Sie gehören zu jenen rund hundert Arten, die auf intakte Quellen angewiesen sind. Ihre Lebensräume sind allerdings bedroht.

Intakte natürliche Quellen werden aber immer seltener. Die meisten sind verbaut oder für die Wasserversorgung gefasst. Eine Zählung im Kanton Aargau hat ergeben, dass drei Viertel aller Quellen nicht mehr in ihrer natürlichen Form vorhanden sind. Nun will das Bundesamt für Umwelt handeln.

Feuersalamander. Schwarzes Tier mit gelben Flecken.
Legende: Feuersalamander setzen ihre Larven gerne in Bächen in Quellnähe ab, da das Wasser dort kühler ist. Rocco Umbescheidt/Pro Natura Aargau

Natürliche Quellen sind oft unscheinbar. Erst bei genauerem Hinschauen erkennt man das Wasser, das aus dem Boden austritt und über Moos und Blätter läuft. Gerade weil vor allem kleinere Quellen nicht auf den ersten Blick erkennbar sind, sei das Wissen über ihre Standorte noch klein, erklärt Biologin Marianne Rutishauser von Pro Natura Aargau.

Feuchte Steine in einem Wald.
Legende: Eine natürliche Tuffquelle bei Mellingen (AG). Marianne Rutishauser/Pro Natura Aargau

Rutishauser hat mit dutzenden Freiwilligen zwei Gebiete im Kanton abgesucht. Das Ergebnis nach zwei Jahren: Von 1100 Quellen ist nur noch ein Zehntel natürlich. Die meisten sind verbaut, um das Wasser zu fassen.

Gefasste Quelle. Rundes Betonelement mit Stahldeckel.
Legende: Beispiel Aargau: Bei einer Studie von Pro Natura war nur ein Zehntel der gefundenen Quellen noch im natürlichen Zustand, die meisten sind verbaut. Marianne Rutishauser/Pro Natura Aargau

Natürliche Quellen sind im Mittelland beinahe vollständig verschwunden. Nur in der Nähe von Auenlandschaften oder in einigen Waldgebieten gibt es sie noch.

Studien zeigen, dass nur noch ein Prozent der ursprünglichen Quell-Lebensräume im Mittelland noch intakt ist. Das Problem: Eine schweizweite Übersicht fehlt. Erst die Hälfte der Kantone habe mit der Kartierung von Quellen begonnen, sagt Christian Imesch, der im Auftrag des Bundesamts für Umwelt das Thema betreut.

Gelbe Blumen an einem kleinen Bach..
Legende: Selten: Eine Quelle, bei der das Wasser natürlich aus dem Boden sprudelt. Oscar Voser/Pro Natura Aargau

Erst seit etwa zehn Jahren wachse das Bewusstsein, wie wichtig Quell-Lebensräume für viele Arten seien, so Imesch. Das nährstoffarme Wasser tritt mit vier bis sechs Grad aus dem Boden aus – ideal für Libellenarten, winzige Fliegen oder seltene Schnecken. Der Bund hält die Kantone deshalb an, Quellen auf ihrem Gebiet zu erfassen, zu schützen oder gar zu renaturieren.

Feuchtes Moos und Blätter.
Legende: Quelle in einem Waldstück bei Birmenstorf an der Reuss. Das austretende Wasser erkennt man erst auf den zweiten Blick. SRF

Lohnt sich aber der grosse Aufwand für Lebensräume, die man bisher kaum bemerkt hat? Wie wichtig ist zum Beispiel die kleine Köcherfliege? Auf die Grösse komme es nicht an, meint Marianne Rutishauser von Pro Natura. Es sei immer wieder möglich, dass eine Tierart eine wichtige Funktion im Ökosystem habe.

«Wenn etwas verloren ist, kommt es nicht mehr zurück. Für mich hat jede Tierart per se einen Lebenswert. Egal, ob das eine Giraffe oder ein kleines Quelltierchen ist.»

Echo der Zeit, 10.03.2021, 18.00 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Jana Michel  (Milkyway)
    @Roger Kloos: Nicht alles was im Wasser landet kann der Landwirtschaft zugeschrieben werden, aber die Landwirtschaft ist natürlich mal wieder der willkommene Sündenbock. Auf unserem Heimet hat es viel Biodiversität (Feuersalamander, div. Frösche, Libellen, Neuntöter etc. etc.) - diese wird aber durch die ganzen Corona-Wanderer aus der Stadt erheblich gestört ABER wir müssen ja alles ertragen! Motorboote, private Gärten, Strassenverkehr verursachen ebenfalls Wasserverschmutzung. Wer klagt da an?
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Ein Dankeschön an alle die mithelfen bei den Amphibien-Rettungsaktionen.
    Freiwillige Helfer tragen nach Einsetzen der Wanderungen nach der Abenddämmerung die gefangenen Tiere über die Strasse. Abhängig vom Witterungsverlauf im Frühjahr werden diese Stellen mehrere Wochen lang betreut. Frösche, Kröten und Molche haben an Land überwintert, lösen sich im Frühling aus der Kältestarre und machen sich zu Tausenden auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Einfach Danke an alle für diese grosse Hilfe.
  • Kommentar von Johann Meier  (H.J. Meier)
    Ein grosses Problem sehe ich in unserer Gesetzgebung. Darin steht, dass naturnahe Landschaften und Artenvielfalt zu schützen seien (Art. 3 RPG, Art 78 Bundesverfassung). Möchte ich nun aber eine Graslandschaft in einen naturnahen und biodiversen Lebensraum umwandeln, so verbietet mir ein AGR (Amt für Raumplanung) das Erstellen eines Teiches in der Landwirtschaftszone, Begründung, Zitat: lassen wir halt einfach nicht zu. So wird zwar geschützt, ein Beitragen aber verboten. Das geht nicht auf.
    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Wird ev in jeder Gemeinde wieder anders gehandhabt. Unser Teich von 32x13m auf 1.80m Tiefe, auslaufend in eine Ausstiegsstufe, wäre damals schon vor ca 30J auch bewilligungspflichtig gewesen. Versuchen Sie doch Pro Natura zuzuziehen. Wenn die den Standort gut finden, werden sie sich dafür einsetzen. Wir lassen alle paar Jahre mit einem Bagger neue Pionierteiche schürfen, die sind kleiner, nicht so tief, wachsen nach 2-3J wieder zu, dann gibts wieder neue, aber keiner sagt mehr irgendetwas.
    2. Antwort von Johann Meier  (H.J. Meier)
      Vielen Dank Frau Hermann für den Tipp mit ProNatura!