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Schutzkonzept für Restaurants Muss der Wirt jetzt Polizist spielen?

Wirte müssen das «Schutzkonzept Gastro unter Covid-19» einhalten. Ist ein Restaurantbesuch dann noch ein Vergnügen?

Jetzt ist es da: Das Schutzkonzept für die Gastro-Betriebe. Am kommenden Montag, 11. Mai dürfen Restaurants, aber auch Bars und Pubs öffnen, sofern sie den Mindestabstand von zwei Meter zwischen den einzelnen Gästegruppen garantieren können. So weit, so klar. In einem Gastro-Betrieb ist Hygiene besonders gefragt, auch ohne Corona – mit Corona aber ganz speziell.

Deshalb gibt es im «Schutzkonzept Gastro unter Covid-19, Link öffnet in einem neuen Fenster» auch sehr viele spezielle, auffallende Regelungen:

  • Eine Maskenpflicht für das Servicepersonal gibt es nicht, nur eine «dringende Empfehlung».
  • An einem Tisch dürfen nur vier Gäste sitzen, die sich kennen (plus Kinder).
  • Die Gästegruppen dürfen sich nicht vermischen – dafür sollen die Wirte sorgen.
  • Gäste müssen die Abstandsregeln auch beim Anstehen an einer Theke einhalten.
  • Das Personal hat zu vermeiden, Gegenstände der Gäste zu berühren (z.B. den Mantel).
  • Tischgewürze, Brotkörbchen usw. müssen mit dem Wechsel der Gäste gereinigt werden.
  • Touchscreens zum Bestellen sind zu vermeiden oder müssen sofort gereinigt werden.
Video
Aus dem Archiv: Restaurants ab dem 11. Mai wieder offen
Aus Schweiz aktuell vom 29.04.2020.
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Keine Auflagen zum Datenschutz

Ganz besonders auffallend: Wirte müssen von jedem Gast Name, Vorname, Telefonnummer und Datum mit Uhrzeit des Besuches aufschreiben. Diese persönlichen Daten müssen 14 Tage aufbewahrt und allenfalls dem Kantonsarzt zugänglich gemacht werden. So soll ein «Contact Tracing» ermöglicht werden, sollte sich ein Gast im Nachhinein als Virusträger entpuppen.

Daniel Borner, Direktor von Gastrosuisse sagt dazu: «Wir empfehlen die Erfassung beim Gästeempfang oder am Tisch. Aber wir sind nicht besonders glücklich über diese vom Bund verordnete Auflage». Noch offen sei, ob das auch bei einer Tasse Kaffee gelte oder nur beim Essen.

Da stellt sich rasch die Frage nach dem Datenschutz, schliesslich ist ein Restaurant kein Datensicherheitszentrum. Borner sagt dazu: «Der Wirt wird damit gleich sorgsam umgehen wie mit den Informationen in seinem Reservationsbuch. Auch dort hinterlässt der Gast in der Regel Name, Vorname und Telefonnummer.» Eine direkte Auflage seitens des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten gibt es jedenfalls nicht.

Zwei Männer mit Gesichtsmasken stehen an einer Bar
Legende: Abstand halten: Diese Regel gilt ab 11. Mai in Bars und Restaurants in der Schweiz. Keystone

Machen alle Beizen auf?

Ein weiteres Problem für Wirte: Sie müssen dafür Sorge tragen, dass sich Gästegruppen nicht vermischen. Locker an einer Bar mit einigen «Fremden» ins Gespräch kommen ist also erlaubt – aber nur mit zwei Metern Abstand.

Und wenn man diesen Abstand, eventuell nach dem zweiten Bier, nicht mehr einhält? Ist dann der Wirt der Polizist? Gastrosuisse-Direktor Borner bleibt diplomatisch: «Es liegt in der Natur der Sache, dass diese auch für die Branche nicht einfache Regelung in einem Speiserestaurant besser umzusetzen und einzuhalten ist als im Ambiente einer Bar.»

Schlussendlich stellt das «Schutzkonzept Gastro unter Covid-19» auf insgesamt sieben Seiten unzählige kleine und grössere Massnahmen dar, welche einen sicheren Restaurant- oder Bar-Besuch ermöglichen sollen. Aber ob sich die Gäste mit diesen Massnahmen auch einen vergnüglichen Abend vorstellen können?

Jedenfalls haben sich schon viele Restaurateure gemeldet, die das Ausbleiben der Gäste befürchten und deshalb gar noch nicht aufmachen wollen. Daniel Borner sagt dazu: «Wir wissen von Unternehmen, die bereits in den letzten Tagen seit der Ankündigung von Reservationen überrannt wurden. Unternehmer, die im Moment noch zögern, können nachziehen, wenn auch die Gäste zurückkommen.»

Quelle: Schutzkonzept für GastrobetriebeVermeidung von Touchscreens für BestellungenRegistrationspflicht für Gäste Pro Tisch maximal 4 Gäste, die sich kennen (plus Kinder)Mindestabstand von 2 Metern zwischen den Tischen oder ein trennendes ElementDesinfektion der Tische nach jedem GastEinhaltung der Abstandsregeln beim Anstehen an der ThekeDringende Empfehlung zu Schutzmasken bei MitarbeitendenMöglichst keine Berührung von Gegenständen der Gäste durch Mitarbeitende (z.B. Mäntel)Vermeidung von Touchscreens für BestellungenAb 11. MaiKeine Vermischung von Gästegruppen

«Tagesschau» 05.05.2020, 19:30 Uhr

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80 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Schneebeli  (TS+LL)
    Ich will nicht in die Zwangsquarantäne, nur weil ein Infizierter ( nicht krank! ) per Zufall am Nebentisch sitzt. An der Kasse beim Coop tausche ich auch keine Telefonnummer und Name mit den Vorbeilaufenden. Das geht für mich entschieden zu weit. Sorry.
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  • Kommentar von Chaiti Kimmler  (rainbowchai)
    Vor allem mit dem Zwang zur Angabe von Name und Telefonnummer hat unser neuerdings Politbüro der Gastronomie wohl grad den endgültigen Todesstoss versetzt.
    Ich sitze also registriert am übernächsten Tisch eines Infiszierten der einige Tage später dann auch erkrankt und erhalte darauf vom Kantonsarzt einen Anruf, ich dürfe für 2 Wochen das Haus nicht mehr verlassen.
    Die Wirte können sich unter solchem Behördenwahn die Öffnungen wohl gleich sparen.
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  • Kommentar von Adriano Granello  (Adriano Granello)
    SRF gibt sich zunehmend ähnlich volksdümmlich wie die Schweizer Boulevardpresse. "BEIZ" ist ein reines Dialektwort und bedeutet "Kneipe". Die etwas gehobeneren Restaurants sind keine "Beizä", auch wenn SRF eine Mundart-Sendung im Programm hat, die den Begriff "Beiz" im Titel verwendet.
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    1. Antwort von Halbeisen Charles  (chh)
      Beiz kommt aus dem hebräischen bait und bedeuted Haus. Es gibt vorzügliche Restaurants, die ich als Beizen bezeichnen würde. Feinschmeckerlokale eher nicht. Eine Knelle hingegen ist vermutlich etwas schmuddelig.
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    2. Antwort von Eduard Mauss  (eddim)
      Zudem steht "Beiz" im Duden.
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    3. Antwort von Adriano Granello  (Adriano Granello)
      @Halbeisen Charles: Die Wortherkunft mag ja stimmen, dennoch gehört "Beiz" nicht zu den Helvetismen wie etwa "züglen" oder "Türfalle", deren Gebrauch in der schweizerdeutschen Schriftsprache üblich ist. Übrigens habe ich rein gar nichts gegen den gesprochenen Dialelekt, aber die Verwendung von Mundartausdrücken in schriftlichen Texten durch die CH-Medienanstalten finde ich genauso deplatziert wie die vielen (Pseudo)-Anglizismen, die oft nicht mal im englischen Sprachraum üblich sind.
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